Vom Altern, Baden und Lesen.

Die neue Mitgliedschaft in der öffentlichen Bücherei kommt mir sehr entgegen. Ich muss nicht mal hindackeln und leihen, es geht alles elektronisch. Ich lese jetzt die ZEIt online, das Sprachmagazin und alle möglichen Bücher. Mit den hochgelobten habe ich angefangen.
Elke Heidenreich über das Altern war das erste. Man muss sowas mögen, dass man zugeballert wird mit Zitaten über das Altwerten. Es scheinen viele berühmte Menschen überrascht worden zu sein vom Alter und seinen Symptomen.
Eine Struktur im Buch habe ich nicht erkannt, weiß aber jetzt, dass ihre Haut prima ist und sie einen jungen Liebhaber hat. Und dass sie schon mehrere Liebhaber hatte. Schön für sie. Sie schreibt wie sie redet. Ich glaube, ich hätte es mir besser als Hörbuch angehört.

Dann habe ich mit „22 Bahnen“ von Caroline Wahl ausgeliehen. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut: ein Buch über das Schwimmen. Meine Beziehung zum Wasser ist ambivalent. Als Kind hatte ich große Angst davor, hab spät schwimmen gelernt. Die Liebe kam später mit der Unterwasserwelt. Und den großen Wellen am Atlantik, diese Urgewalt hat mich gepackt. Irgendwann hat es mich verschluckt und wieder ausgespuckt. Seither schwimme ich nur noch am Ufer entlang.
Ich habe extra die Besprechung bei Frau Kaltmamsell ausgelassen, damit ich unvoreingenommen rangehe. Das hätte ich mal besser nicht getan. Sagen wir mal so: dem Buch hätte ein Lektor gut getan. Der eisblaue Blick, die überfahrenen Radieschen, die ewigen NIKE-Hosen, das locker sitzende T-Shirt, immer wieder die selben Begriffe.
Die Geschichte an sich ist interessant. Die alkoholkranke Mutter, die zu beschützende kleine Schwester, der undurchdingliche Russe in den sie sich verliebt, das Freibad, der tote Freund. Sie erzählt vom Mathestudium, nennt die Büchertitel, spricht aber eigentlich nicht über Mathematik. Es bleibt flach. So auch ihre Arbeit als Kassiererin im Edeka. Sie schaut die Kunden nicht an. Das geht doch rein technisch nicht. Und anscheinend hat sie nie die Probleme aller anderen Frauen an der Kasse, Tausch der Dienste, Pause, Urlaub.
Und sie geht in eine Videothek. Oh, wo gibt es denn sowas noch.
Die Armut ist das Thema. Kindergeld, Unterhalt, ihr Kassiererinnengehalt, das alles kann nicht viel sein. Und dann kauft sie einfach der kleinen Schwester ein Smartphone. Zack.
Und wer besorgt der Mutter den Alkohol? Von welchem Geld?
Ach ja. Aber was sie prima hinbekommen hat, ist die Beschreibung von Viktor. Genau so muss Viktor sein. Kein Lächeln, keine Regung, nur ab und an Starren. Darin üben sich die russlanddeutschen Jungs recht früh. Und wie die Familie sich bemüht, aus dem Ghetto raus zu kommen, wirkt sehr authentisch. Aber dass man als Programmierer in kurzer Zeit so viel Geld verdient, dass es für ein Reihenhaus und ein großes Auto reicht, bezweifele ich. Da hätte sie sich einen besseren IT-Beruf aussuchen sollen.
Na gut.
Jetzt kommt das nächste Buch, jetzt als Hörbuch. Dörte Hansen „Zur See“ gelesen von Nina Hoss, fängt mich von der ersten Sekunde an ein.
Man kann es nicht nebenher hören, jeder Satz ist wichtig.
Ansonsten ist hier Apfelmus einkochen, Unkraut rupfen, Krankenbesuche machen, Rückenkurs besuchen und noch einiges mehr. Und sehr sehr viel Menschliches.


So fängt man Mäuse
Haka für Hamburgerinnen
Hollywood für Hofladen
Mäh!
Freeze!
Tänzchen
Hochzeitslied