Schatzhauser im Tannenwald

Mit 11 oder 12 war ich verliebt, verliebt in einen Jungen aus einem Buch. Es war der Kohlenmunk Peter aus der Geschichte „Das kalte Herz“.
Ich wusste wie er aussah, ich habe ihn gemalt in schwarzer Kniebundhose, weißem Hemd und roter Weste. Einen schwarzen Hut trug er auch. Ich kannte ja die Schwarzwälder Tracht. Die Familie meines Vaters kommt von da. Es ist nicht nur der Bollenhut, in die modernen Trachten bin ich ganz verliebt. So prächtig sind sie!
Nun, ich gewann mit dem Bild den 1. Preis beim Wettbewerb „Bilder zum Kalten Herz“. Wir hatten die Geschichten in Deutsch gelesen, alle Schwabenkinder mussten da durch.

„Schatzhauser im grünen Tannenwald, bist schon viel hundert Jahre alt. Dir gehört all Land, wo Tannen stehn – lässt dich nur Sonntagskindern sehn“.
Auch der Zauberspruch ist mir geblieben. Damit ruft man das Glasmännlein und man bekommt drei Wünsche erfüllt. Leider bin ich ein Montagskind. Halb drei am Nachmittag, da kann man nicht dran rumdrehen.

Wilhelm Hauff wurde nur 25 Jahre alt, schrieb aber viele viele Märchen. Zu der Zeit war es einfach gefährlich, etwas anderes zu schreiben.*

Seine Märchen haben viele inspiriert, so auch Wilhelm, Graf von Württemberg. Er hat Wilhelm Hauffs Buch Lichtenstein gelesen. Da geht es um eine alte Geschichte. Herzog Ulrich wurde vom Schwäbischen Bund gejagt. Er versteckte sich in der Nebelhöhle. So um 1514 soll das gewesen sein. Die Geschichte ist wirr, es ging um Bauernaufstände, die dann vom genossenschaftlich organisierten Schwäbischen Bund niedergeschlagen wurden. Jedenfalls hat der Graf das Buch gelesen und war so ergriffen, dass er beschloss, das Schloss wieder aufzubauen. Das war 1840, sogar ein paar Jahre vor den Schlössern von König Ludwig in Bayern.
Seither gibt es dieses bezaubernde Schloss Lichtenstein auf der Felskante der Schwäbischen Alb.
Wie gesagt, als Schwabenkind wird man da durchgeschleift und muss nach der Schlossbesichtigung zur Nebelhöhle wandern. Dort gibt es zu 2 Kilometern Tropfsteinen noch eine kleine Nebenhöhle, das Versteck Herzog Ulrichs.

Wir wollten alles mal nicht mehr aus der Schülerperspektive oder als betreuende Lehrkraft erleben. Und siehe da, der Zauber hat uns gepackt. Es waren kaum Touristen da, bei der Führung durch das Schloss waren wir sogar die einzigen, in der Nebelhöhle gab es vielleicht noch vier zusätzliche Menschen. Wie schön war das denn!

Abends im Hotel schaue ich mir die Nachrichtsseiten auf dem Tablet durch.
Und lese : Schatzhauser, die neue Platte von Reinhard Mey.
Was? Er liebt den auch? Ich bin so ergriffen. Naja gut, er ist zwar auch ein Montagskind, aber 30 Minuten nach Mitternacht geboren. Er findet, das gilt noch.

Leider darf man im Schloss nicht fotografieren, im Anbau schon. Also gibt es ein paar Kanonen und eine Schlosskapelle als Ersatz für die Einrichtung des Märchenschlosses.

Mein Wald

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* Von Wilhelm Hauff gab es auch ganz andere Stücke, so 1827 die Novelle Jud Süß, die später von vielen anderen adaptiert wurde.
Was für eine Stimmung im Lande herrschte, zeigten die
Hep-Hep-Krawalle von 1819. Ich hatte von diesen progromartigen Aufständen noch nie gehört. Die Juden sollten mehr Rechte bekommen, doch die Handwerker und Kaufleute fürchteten um ihre Geschäfte. Und hetzten den Mob auf.
Ich bin über die Karlsbader Beschlüsse darauf gekommen. Es war ebenfalls 1819 als die Burschenschaften verboten wurden und eine rigide Unterdrückung des freiheitlichem Gedankengutes eingeführt wurde. Damit hat man auch die Hep-Hep-Aufstände erstickt.
Zu der Zeit konnte fast nur noch Märchen schreiben.

Tag der Deutschen

Heute sollte überall Party sein.
Aber wir haben ja einen Nationalfeiertag, an dem es im Oktober meist zu kühl ist um auf den Strassen zu tanzen. Aber wir würden auch im Sommer nicht tanzen. Nation ist für uns ein Begriff, der nicht greifbar ist. Wir waren schon immer Landsmannschaften, ein Land aus Bayern, Schwaben, Pfälzern, Badenern, Nordfriesen und Ostfriesen und anderen. Und seit vielen Jahren auch Thüringern und Sachsen und Mecklenburgern und Brandenburgern und so weiter. Und wir pflegen unsere Ressentiments.
Den Süddeutschen waren die Preußen suspekt mit ihrem Hierarchiedenken und all den Gehorsamsfantasien. Die Friesen fanden alles am Rheinischen Karneval verdächtig und verachtenswert. Es gäbe noch so viele andere Beispiele. Wir waren uns alle immer ein bisschen fremd.
Und jetzt kommen echte Fremde dazu.
Das alles wäre eigentlich sehr amüsant, wenn es nicht so gravierende politische Folgen hätte.
Der Westen erwartet Dankbarkeit, der Osten Respekt.
Und so feiern wir halt die Einheit nach dem Mauerfall. Eigentlich was Schönes.

Doch wer gibt uns das Einheitsgefühl? Andere Nationen haben sich einen König zugelegt für solche Fälle. Das ist eine teure Angelegenheit und man weiß nicht, was aus so einem Adel über die Jahrhunderte wird. Es springt ja noch irgendwo der Ururenkel des letzten Kaisers rum.
Ernsthaft? Da ist mir Hape Herkeling lieber.
So feiern wir merkwürdigen Deutschen eben unseren merkwürdigen Nationalfeiertag. Heute ist es ein sehr sonniger.

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Dies Wiesn ( Bitte Kommentare anschauen)

So war das

Uffbassa
Hüpf
Besuch
Nochmal Besuch
Himmelfahrt
Riesenbaby
Exponentiell