Faul und Rebe

Als Jugendliche konnte ich es prima aushalten nichts zu tun. Schulisch habe ich gerade so viel gearbeitet, dass ich im komfortablen Zweierbereich blieb. Alles andere wäre mir zu anstrengend gewesen.
So hatte ich genug Zeit zu lesen und andere Dinge zu tun. Der Zeitaufwand für den Einserbereich war mir einfach zu viel.
Die Hausaufgaben habe ich meist schon in der Stunde oder in der Pause fertig bekommen. Ich kam heim und war frei.
Im Studium war es dann etwas anders. Protokolle jeden Tag, Kurztestate jeden Morgen, wenn man die nicht bestand, wurde man zurückgeworfen. Das passierte mir also nicht. Für die großen Prüfungen habe ich nicht monatelang gelernt, dafür aber waren meine 4 Wochen sehr effektiv.
So war es auch im Referendariat. Für die Prüfungslehrproben brauchte ich drei Tage, nicht drei Wochen, zur Vorbereitung. Ich kann mich unheimlich gut powern in kurzer Zeit, bin schnell und effektiv. Aber nur damit ich danach mehr Zeit habe für alles andere.
Ob Faulheit nicht die Basis aller Erfindungen war?
Es könnte ja sein, dass die nur der die Glühbirne erfunden haben kann, der zu faul war immer die Petroleumlampen zu putzen.
Oder wie kam man auf die Idee der Schubkarre? Der Fleißige trägt Holzscheit um Holzscheit auf den Stapel, und wuselt so hin und her. Der Faule liegt auf der Wiese, guckt zu und überlegt sich, wie das denn geht mit einem Rad unter einer Wanne und mit zwei Griffen dran.
Wobei es interessant ist, dass die chinesischen Schubkarren das Rad unter der Last befestigt haben, die europäischen mehr nach vorne. So wie es aussieht, lässt sich diese besser ausbalancieren.

Es gibt wohl zwei Arten von Faulheit, zum einen die aktive, zum anderen die passive. Passiv Faule machen einfach nicht viel, sie arbeiten nicht gerne, sind träge. Aktiv Faule tun auch nicht was sie sollen oder könnten, nutzen die Zeit aber um zu überlegen und sich weiteres sinnloses Wissen anzueignen. Sie planen und keiner sieht es. Und plötzlich kommt doch was rum dabei. „Ihr fliegt einfach alles zu,“ wie meine Mutter zu sagen pflegte.

Antje schreibt über das Faulsein.
Wie schön.

Über Faulheit wird so viel Negatives gesagt. Ein schöner Spruch kommt von einem ehemaligen Lehrer, er lebt schon lange nicht mehr.
„Von den Fleißigen kannst Du nichts lernen, dafür aber von den Faulen.“

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Der Schnee ist weg, der Garten matschig. So habe ich meinen Gartentrieb an der Clematis ausgelassen. Sie wühlt sich schon ins Dach, das geht nicht. Ich hoffe nur, ich hab sie nicht zu sehr abgesäbelt.
Meine guten Gartenscheren sind verschwunden. Im Blecheimer, wo sie hingehören, sind sie nicht. Auch in der Kiste mit den Gartenhandschuhen gibt es nichts außer den dreckigen Gartenhandschuhen. Upps. Ich hätte sie waschen sollen. So schneide ich die Ranken mit der Astschere. Sie hat lange Griffe, so komme ich bis oben hin. Ein bisschen leid tun mir meine wilden Reben schon, sie sehen jetzt so struppig aus. Und ich habe die Haare voller puschliger Samen vom letzten Jahr. Ich mach die Samenstände nie weg, weil ich sie so hübsch finde.
Und ich Fauli stelle gleich die Biotonne neben die Arbeit, damit ich nicht drei Mal laufen muss mit den Ästen.

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Hach!💓
Liebevoll
Ich will auch
Und das auch
Berufsleid
Elternpost
Wählerpost
Du Nuss!
So schön faulenzt Bill

DIN A4 und Mimosen

297 mm x 210 mm: Wer denkt sich so was aus?
Wer ein DIN-A4-Blatt abmisst, erhält ziemlich krumme Zahlen. Es ist 297 mm lang und 210 mm breit – wer denkt sich so was aus? Warum genau diese Längen? Und warum genau dieses Seitenformat? Warum sind die Papierbögen nicht etwas breiter oder etwas länger?

Über den SWR kam ich zur Erfindung von DIN A 4
Dass dafür der ChemikerWilhelm Ostwald zuständig war, verblüfft mich.
Und dass der selbe Herr Ostwald das Verdünnungsgesetz aufstellte, die Stufenregel und das Ostwald-Verfahren zur Salpetersäureherstellung entwickelte, haut mich um. Und den Nobelpreis hat er auch bekommen für seine Katalyseforschung.
Was für ein genialer Mensch! Und welcher Segen für mich heute, dass ich das einfach googeln kann.
In der Chemie haben Verfahren einfach nur Namen, aber keine Gesichter. Jetzt schon.
Jedenfalls geht es darum, dass die Seitenverhältnisse der Papierbögen so sein müssen, wenn man die Proportionen erhalten will beim Falten.
Das Verhältnis muss dann 1 zu √2 – also ungefähr 1:1,41 sein. Mit einem Quadratmeter Papier beginnt man, 1189 mm lang und 841 mm breit.
So, wäre das auch geklärt.

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Mimosen begleiten mich schon lange. Im Studium ging es um die Beweglichkeit der Blätter mancher Mimosenarten. Stupst man sie, so klappen sie weg. Sie haben Reflexe, wie man das sonst nur von Tieren kennt. Schnell und zum Schutz vor Fressfeinen, pumpen sie Kaliumionen durch Membranen, und Wasser folgt dann. Die Blattgelenke und somit das Blatt klappen um und die Pflanze sieht aus wie tot.Video
Wikipedia
An der niederländischen Grenze, eine Weile lebten wir da, war man blumentechnisch immer abgedeckt. Es gab das Jahr über alles, Tulpen im allen Formen und Farben, Alpenveilchen mit fetzigen Blüten, Primeln in allen Variationen und eben Mimosen. Das waren die ersten im Jahr. Wie sie schon rochen! So verheißungsvoll und zartgelb war niemand im Januar.
Ich habe eine Weile gebraucht um festzustellen, dass sie ja nur unter dem Deckmantel Mimosen laufen aber eigentlich Akazien sind. Aber sei‘s drum. Sie sind so schön! Hier gibt es leider keine, sind keine Holländer da.
Dafür habe ich aber Christjan. Sie lebt und schreibt in Cannes und postet mit großer Zuverlässigkeit in jedem Jahr die Mimosenblüte an der Côte Azur. In diesem Jahr war sie sogar in einer Mimosenpflegestation, einer Forcerie. Dort bringt man Mimosen gezielt zur Blüte.

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Engelchen
Entzaubern
Dancing in the rain
Ja, das finde ich witzig

Klar und Grinsen

Vermutlich bin ich die Letzte, die gemerkt hat, dass der True Crime Podcast der Bayrischen Rundfunks Anstoß erregt hat. Beim Bügeln und anderen, mir kein Vergnügen bereitenden Tätigkeiten, höre ich gerne Kriminelles. Es soll aber nicht so blutig sein, die Distanz muss gewahrt bleiben. Sie verstehen: ich muss ja weiter bügeln. Und es soll spritzig und witzige gemacht sein. Jaja, Alexander Stevens ist eitel und Jaqueline Bell rotzfrech, aber genau das macht es aus. Die Rollen sprechen Schauspieler, die Geschichten sind kleine Hörspiele.
Der Podcast entspricht meinen Vorstellungen. Oder besser, entsprach. Seit letztem Sommer gab es kein Update, jetzt schon. Und ich bin enttäuscht. Zwei junge Damen haben sich der Sache angenommen. Sagen wir mal so, spritzig und witzig ist es nicht mehr. Aber man hat wohl dem Druck des Volkes nachgegeben.
Wenn Sie nachhören wollen: Hier sind alle alten Staffeln.
Die können doch nicht aufgeben, dachte ich. Nein, tun sie nicht. Ihr Podcast heißt jetzt True Crime 187.
Habe die erste Folge durchgebügelt: gruselig.

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Wir brauchen Klarnamenpflicht im Internet! Wirklich?
Hier sind einige Argumente dagegen.
Die Auflistung vom 16 Beispielen

Du heißt Fatima, hast aber keine Lust immer gleich als Muslima aufzutreten. Du hast wegen deines Namens schon häufiger Diskriminierung erfahren, hast bei Jobs trotz guter Zeugnisse Ablehnungen erfahren und möchtest nicht, dass das auch noch online passiert. Dein Pseudonym macht dich frei, bis die Gesellschaft endlich soweit ist, dass Rassismus keine Rolle mehr spielt.

Du hast eine äußerlich nicht sichtbare Behinderung. Das Thema bewegt dich, es geht um deine Gesundheit. Im Netz findest du einen Ort, wo du jede Menge Menschen mit der gleichen Behinderung treffen kannst. Es tut gut, sich auszutauschen. Dein Pseudonym schützt dich davor, dass deine Nachbarn und die ganze Welt deine ganz private Krankheit googlen können.

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Wenn ich Amerikanisches Grinsen sage, wissen Sie vermutlich, was ich meine. Die KI kommt ja da her und verarbeitet Bilder so, wie sie es eingespeichert bekommen hat. So werden Gruppenaufnahmen sehr skurril.
Soldaten grinsen, Indigene grinsen.
Dieses Lächeln gibt es nicht im russischen Kulturkreis. Wer da lächelt, ist ein Idiot. Freundlichkeit zeigt sich da anders.
Warum lächeln Russen nicht?

Der Alltag war sehr anstrengend und der ständige Kampf gegen die raue Natur beim Anbau von Nahrungsmitteln zu Überlebenszwecken hat womöglich zu der Überzeugung geführt: Leben ist keine Freude, sondern Leiden. Leute, die oft lächeln, provozieren damit die mürrischen Mitmenschen. Es steckt also Missgunst dahinter: Du wagst es glücklich zu sein? Ich leide und du sollst auch leiden. „Wir Russen sind nicht wie Italiener für Dolce Vita gemacht“, fügt Nadja hinzu.

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Be kind
Tänzchen?
Post ist da
Ja genau
Und jetzt auf Englisch