Linkerei im Februar

Aus meinem Vorsatz, jeden Tag zu bloggen, ist leider nichts geworden. Der Text über Rotstifte steckt noch in den Anfängen. Dafür sind einige Reiter im Browser offen geblieben, die ich nun hier los werde.

Manchmal begegnen einem da Dinge, die man nicht für möglich hält. So hier: 73 Fragen. Eine Frau wohnt praktisch in einem leeren Haus, ihr Beruf ist unklar und sie geht rückwärts durch die Räume, während sie banale Fragen zu ihrem Privatleben beantwortet.

Alle Welt hat Angst vor einem Virus, der vermutlich vom einzigen schuppigen Säugetier auf den Menschen übertragen wurde. Wer wissen mag, wie weit das Virus schon ist, kann hier schauen: Corona Virus
Heute, am 10. Februar sind es um 15 Uhr genau 37592 Infizierte weltweit.
Derweilen hat die Grippe losgelegt, 14.168 Fälle sind es in Deutschland bisher. Aktuelles gibt es hier.
Robert Koch Institut

Falls Ihnen das alles doch zu viel wird, bauen Sie sich doch eine Insel mit Höhenlinien. Vielleicht ist das auch nur ziemlich witzig für Erdkundelehrer.

Nachtrag:
Da hier der Sturm die Bäume schüttelt, ist es sicher interessant, wo es überall auf der Welt gerade windet.

WmDedgT 02/20

Heute habe ich später Schule und kann in Ruhe frühstücken und ein bißchen Zeitung lesen. Dann kommt ein schwerer Gang: Die Beerdigung eines ehemaligen Kollegen. Es sind nicht viele gekommen. Die Zeit war unpassend und er war ein schwieriger Mensch. Ich konnte aber gut mit ihm, ich habe immer dagegen gehalten. So kannte ich seine Lebensgeschichte, und all die Geschichten vor seiner Frau.
Alles wirkt irgendwie unorganisiert, keiner weiß, was man sagen soll und wie man stehen soll. Ich gehe gleich, muss ja arbeiten.
Eine Kollegin flüstert mir noch zu „Er hätte eine Frau gebraucht wie Dich!“
Jessas!

In der Mittagspause gibt es Wurstbrot, keine Zeit ist für was anderes. Dann ist wieder Schule bis die Sonne untergeht. Noch tanken und heim.
Was reden die da im Radio von Thüringen? Ich verstehe nichts.
Zuhause dann erlese ich mir die Zusammenhänge. Sind denn alle irre geworden? Und den ersten vernünftigen Beitrag höre ich von Herrn Söder. Es ist nicht zu fassen.
Herr croco kommt heim. Er isst nochmals Wurstbrot, ich Orangen mit Jogurt und Granatapfelkernen. Solange Frau Kaltmamsell nicht wieder bloggt, müssen wir anderen ja Granatapfelkerne essen und bloggen.
Dann müssen wir drei Anrufe tätigen, zwei schwere und ein netter. Der nette ist mit meiner Mutter. Der zweite ist ein Beileidsanruf weiter weg mit trauriger Geschichte und der dritte ist ein Anruf vor einer schweren Operation. Es klingelt, Freunde kommen von einer traurigen Fahrt.
Ein bißchen umarmen und sie sind wieder weg.
Wohin man schaut zur Zeit, überall steht der Tod herum.
Dann Nachrichten und aufgezeichnete Kurzfilm von Arte.
Und jetzt brauche ich Süßkram, ganz viel Süßkram.

Was ich vergessen habe: der Tag fing ja heute Nacht um 1 an mit einem piepsenden Rauchmelder. Um ihn abzumontieren, braucht man eine 4 m Leiter und eine Frau, die die Leiter hält. Und so musste ich über den Vormittag 5 Tassen Kaffee trinken um wach zu bleiben. Und zu Mittag ging der Puls auf 150. Ich glaube, das passt zum Tag.

All die anderen Geschichten des heutigen Tages findet man bei Frau Brüllen.

Prüfung mit Goldhamster

Die Kaltmamsell macht Blogpause. So müssen wir anderen eben ran und die Blogwelt am Laufen halten.

Also, heute geht es um Alltagsdinge. Meine Alltagsdinge.
Und das sind im Moment die Korrekturen der Abiturarbeiten.
Ja, jetzt genau zum Halbjahr. Mein Bundesland hat nämlich vor geraumer Zeit beschlossen, sich aus dem G8/G9 Rummel rauszuhalten. Und im Stile des Landes der Rüben und Reben mit einem astreinen Kompromiss, und der lautet G 8,5.
Nicht dass es dann passieren könnte, dass man zuwenig unterrichtet, wenn im März die Abiturienten vom Acker sind. Man muss den Unterricht vorhalten, hat also mehr Stunden, als man bezahlt wird. Nun, die Diskussionen darüber sind gelaufen, das Land spart Geld dadurch. Es wird also bleiben.

Nun, wir sind das kleine gallische Dorf am Rand des römischen Reichs. Wir haben haben immer noch kein Zentralabitur. Wir sind sehr froh drum, obwohl es viel mehr Arbeit macht und man keinen zum Rumschimpfen hat. Wir machen unsere Abituraufgaben selbst. Eine Heidenarbeit ist das. Die Aufgaben müssen unter einem Thema stehen und trotzdem verschiedene Gesichtspunkte der Biologie der Oberstufe beinhalten. Also, nehmen wir an, das Thema lauter: der Goldhamster.
Klingt banal, ist es nicht. Da können jetzt Diagramme zum Wasserbedarf der Tiere, der Bodenbeschaffenheit der syrischen Wüste und des Wassergehalts verschiedener Nahrungsmittel rein. Ökologie des Lebensraumes. Dann stammten lange alle Goldhamster in Gefangenschaft von nur ein paar Exemplaren aus der Uni Jerusalem ab. So sind sie nah verwandt und es haben sich unterschiedliche Zuchtformen entwickelt, so der Langhaar- und der Kurzhaarhamster. Womit wir bei der Genetik wäre und der Vererbbarkeit der Haarlänge. Also Stammbaum.
Die Augen der Hamster haben nur zwei Zapfentypen, grün und blau. Wir haben einen mehr. Dafür sitzen die Zapfen enger. So sind wir bei der Sinnesphysiologie. Dann benötigt man die entsprechenden Materialien, Kurven, Diagramme. Und formuliert die Fragen nach den Lernzielbereichen.
Das kommt unten. Die Operatoren wie „erläutere“, „interpretiere“ und „entwickle Hypothesen“ müssen dazu passen.
Das wäre nun eine Aufgabe. In Biologie müssen wir drei unterschiedliche einreichen, zwei davon werden ausgewählt. Welche das sind, erfahren wir aus dem Öffnen eines versiegelten Umschlages, direkt vor den Schülern.
Die Schüler schreiben dann und wir sammeln ein. Was zu antworten ist, mussten wir schon bei der Einreichung festlegen: der Erwartungshorizont. Nur in Ausnahmefällen dürfen wir davon abweichen. Die Punktevergabe ist da auch schon festgelegt nach einem bestimmten Schema, das die Lernzielbereiche I, II und III umfasst. Im Prinzip ist I reine Wiederholung, II Anwendung des Wissens auf einen anderen Sachverhalt und III Transferleistungen, also richtig selbstständiges Denken. Die Bereiche sind ungefähr im Verhältnis 30:50:20 vertreten.

So, das war es für heute. Beim nächsten Mal geht es um Rotstifte. Ich muss jetzt weiter korrigieren.