Morpho

Blauer Schmetterling

Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht.
Ein perlmutterner Schauer,
glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
so im Vorüberwehn,
sah ich das Glück mir winken,
glitzern, flimmern, vergehn.

Hermann Hesse
 
 

Welches ist Ihr Lieblingsschmetterling?
Meiner ist der Morpho.
In irgendeiner Kellerkiste habe ich zwei Exemplare, eines ein Familienerbstück, das andere ein Mitbringsel aus Brasilien. Lebend mag ich sie einfach lieber. Im Schmetterlingsgarten in Luxemburg flattert er einem um die Ohren. Sie sind so groß wie eine Handfläche und von einem betörenden Blau, zumindest auf der Oberseite. Klappen sie zusammen, sieht man gemustertes Braun. Das Blau ist kein Blau im eigentlichen Sinne, also kein Farbstoff. Es entsteht durch Lichtbrechung an den Schuppen der Oberseite. Deshalb schillern die Flügel so.
 

 
 

 
Wenn man ihn erst auf einem Blatt hat, kann man ein bißchen am Blatt zupfen, dann gehen die Flügel zu. Pustet man dann vorsichtig drauf, gehen sie wieder auf. Eigentlich sollte man das nicht tun, das nervt die Tiere sehr. Doch ein Mal geht schon, denke ich.
So sieht übrigens die Puppenstube der Bananenfalter aus.
 

 

Barsch und Krebs

Mit einer Biologin zu verreisen, kann anstrengend sein. Umwege wegen einer Allee aus Baumfarnen, Touren entlang von Entwässedungskanälen, weil es da Seidenreiher gibt und eben Geierkolonien können da schnell tagefüllend werden. Es ist einfach die Freude, ganz besondere Lebewesen zu sehen. Und wenn es den Waran eben nur im Zoo gibt, dann geht es da hin. Dabei geht es nie um die Vollständigkeit. Das habe ich mir schon in den ersten Wochen des Biostudiums abgeschminkt. Man kann nie alle Tiere und Pflanzen kennen. Aber die besonderen schon. Und man muss wissen, welche Merkmale wichtig sind um sie bestimmen zu können. Ganz ehrlich, es ist einfach die Freude an der Vielfalt des Lebens. Dieses „überall ist Wunderland“.
So gibt es zwischen Schengen und Remich ein paar ehemalige Kiesgruben, die ursprünglich als Standort für ein Kernkaftwerk geplant waren. Massiver Widerstand der Bevölkerung lies schon in den 70ern die luxemburgische Regierung ihre Meinung überdenken, und zu beschießen, die Seen zu renaturieren und das mit der Kernkraft erst garnicht anzugefangen. Frankreich hat dann alleine losgelegt und Cattenom gebaut. Die drei rauchenden Kühltürme sieht man fast von jeder Ecke aus am Horizont vor sich hin dampfen.
Das Naturschutzentrum Haff Réimech besteht aus einem großen Informationszentrum umgeben von mehreren recht tiefen Seen. Einer davon ist Badesee, die anderen sind Brutgebiete vieler verschiedener Wasservogelarten. Man kann gut drumrum spazieren und beobachten. Vogelfotographen mit ihren riesigen Objektiven sind unterwegs, sie tragen sie wie Babys im Arm. Es gibt sogar Stellen, wo man fischen darf. Zwei ältere Herren erklären uns wie das geht in einer so bezaubernden Sprache zwischen Saarländisch und Französisch. Wenn man denkt, Jean Claude Juncker ist ein Einzelfall, so muss ich widersprechen: sie sind alle so, also fast alle, charmant und herzlich und lächelnd.
Den Barsch hier haben sie behalten, die anderen Fische werden großzügig wieder ins Wasser geworfen. Wie man dem Barsch fachgerecht die Rückenflosse entfernt, die Haut abzieht und ihn ausnimmt, lass ich mal weg.
Um die Ecke werfen drei Jungs Reusen ins Wasser. Sie fangen Krebse und zeigen sie uns auch. Ach, das ist er ja, der Amerikanische Flusskrebs, der Kamberkrebs. Essen kann man ihn, ja, aber eigentlich darf man ihn nicht einfangen. Ein bißchen Brot reicht, sagen die Jungs.
 

 

 

 

 

 

 

 

Über Gipfel und Wipfel im Zipfel

Berühmt wurde die Saarschleife duch dieses Bild der sorglosen Fröhlichkeit: Lafontaine und Schröder.
Heute sind die Frauen ausgetauscht, die Macht ist weg.
Den Platz, an dem die Paare saßen, gibt es noch.

Doch das Drumrum wurde aufgehübscht. Es gibt einen Baumwipfelpfad mit vielen Erläuterungen, spielerisch, interessant und mehrsprachig. Genau das braucht man da, Französisch hört man, Luxemburgisch, das Amerikanisch der Soldaten, die hier in der Nähe stationiert sind. Der Pfad führt zu einem Turm hoch über den Baumwipfeln.
 
 


 

Auf dem Turm zeigen Pfeile in alle Himmelrichtungen, nach Trier, nach Metz, nach Luxemburg. Und Richtung Villroy & Boch, dem Arbeitgeber in der Ecke, mit Fabrikverkauf. Vor Jahren, als es noch Schnäppchen im realen Leben gab, war es interessant und günstig da. Mitterweile ist es eine Anhäufung von Geschäften, die die Illusion von outlet verbreiten. So viele Fehlproduktionen und letztjährige Ware kann es doch nicht geben, dass man alle Outletcenter Deutschlands bestücken kann. Nun, es gibt interessantere Hobbies.
Jedenfalls ist der Platz sehr schön, und kühl ist es so hoch über dem Boden auch. Es scheint aber nicht allen gut zu gehen. Eine Menge ausrastender Kleinkinder pflastern den Weg zum Turm. Leider hatte ich nur einen Lolly um den ersten zu bestechen.
Der Blick von oben ist übrigens atemberaubend.

 

 

 

 

 

Baumwipfelpfad Saarschleife