WmDedgT 07/19

Eigentlich habe ich Ferien, so kann ich noch ein bißchen liegen bleiben. Eine Stechmücke ist dagegen. Sie hat sich unter das Moskitonetz geschlichen und übt Landeanflug auf meinem Ohr. Sich selbst aufs Ohr schlagen ist ein bißchen doof. Und so entwischt sie auf Grund meiner Hemmungen immer wieder. Ich bin dann wach. Herr croco ist schon früher aufgestanden und schaut jetzt nach mir. Er erwischt das Mistvieh und jetzt haben wir einen Blutfleck im Moskitonetz.
Wenigstens scheint es dieses Mal keine allergische Reaktion zu geben. Ja, ich weiß, außer mir hat das niemand. Das hilft aber nichts, ich bin der Verabredungsplatz aller Mücken im Umkreis von einem Kilometer. Wo sollen wir uns treffen? Ja, bei croco. Ich habe sogar ein Reisemoskitonetz aus dem outdoor Handel, nein, es sind sogar zwei. Auf Reisen in die Tropen bin ich der absolute Stressfaktor, was auch an meiner Beschäftigung mit Parasiten im Studium zu tun haben könnten. Ich hatte sie alle schon unter dem Mikroskop.

So, also dann gibt es Frühstück, in stiller Erwartung des Mechanikers, der sich mit dem Rad des Aufsitzrasenmähers beschäftigen soll. Er kommt nicht und so lese ich zuerst die Zeitung und dann das Internet leer. Dann kommt er doch und Herr croco geht.
Ich treffe noch eine Verabredung zum Sport, ohne geht nicht, habe zu viele Ausreden.
Die Waschmaschine wird geleert, die Putzlappen eine Runde durchgekocht.
Ich putze Bad und soweiter, das mit der Putzhilfe hat nicht geklappt diese Woche.
Ich setze mich an den Schreibtisch und fange an, Arztrechnungen zu sortieren. Sommerferienarbeit. Es hat sich einiges angesammelt. Die Beihilfe, als mein Arbeitgeber, zahlt die Hälfte, wobei der Abzug immer größer wird. Sag ich mal so, es wäre schön, wenn er die Hälfte zahlen würde. Die andere Hälfte wird von der Versicherung beglichen, hoffentlich. Andere Rechnungen gehen an einen anderen Kostenträger wegen eines Unfalls. Das Ganze nochmals, allerdings ohne Schnickischnacki für Herrn croco.
Ja, ich bin faul, lasse immer Rechnungen zusammenkommen. Ausfüllen von Formularen ist mir körperlich so zuwider, dass ich trotz vorhandener Intelligenz oft drei Vordrucke brauche, bis alles stimmt. Ja, Papier, nein, kein Internet.
Mit einer Abrechnung werde ich fertig.
Dann gibt es Gemüsepfanne mit Hühnchenschnipseln und Nudeln.
Zum Nachtisch warten Kirschen. Gekaufte allerdings, die beiden eigenen Kirschbäume haben in konzertierter Aktion Starenschwärme abgeernten, bevor sie reif waren. Kurzzeitig habe ich die Anschaffung einer Selbstschussanlage erwogen aber wieder davon abgesehen. Sollen sie doch.
Ein langes Telefonat mit der frisch aus dem Krankenhaus kommenden Mutter beruhig mich. Bin ja immer in Habachtstellung.
Ruhe ein bißchen und mache mich auf zum Sport. Die Freundin sieht bleich aus und ist nur wegen mir gekommen. Sport macht so keinen Sinn und so fahren wir irgendwo hin, trinken was und spazieren zwischen Rosen rum.
Ich kann ja keinen small talk, sie auch nicht, und so sind wir schnell beim Grundsätzlichen.
Wieder zuhause, warten Anrufe vom Handwerker und einer Kollegin. Ausführliche Antworten sind gefordert.
Dann gibt es ein sehr unzivilisiertes Abendessen vor dem Fernseher. Obstsalat mit Jogurt für mich und Wurstbrot für Herrn croco. Alles auf Glastellern.
Ein Anruf aus Amerika berichtet dann von einer Bullenhitze und üblen Gewittern in den Rockies. Ein Anruf bei der Mutter folgt, ob sie denn auch im Bett ist und nicht auf der Couch eingeschlafen ist.
Dann ist der Tag zu Ende. Ich lese noch ein bißchen und schlafe hoffentlich schnell ein.

Was habe andere Menschen den Tag über gemacht? Bei Frau Brüllen kann man das nachlesen.

Twitterlieblinge im Mai 19 Teil 1

Diesen Mai 2019 werde ich wohl Zeit meines Lebens nicht vergessen.Drei schwere Krankheiten in der Familie, ein wunderbares Fest, wie ich noch nie eines erlebt habe, und eine verstörende Nachricht.
Eine junge Frau, die ich persönlich getroffen habe, hat Teile ihres Lebens erfunden. Und sie hat darüber geschrieben.
Ich weiß nicht, was sie dazu gebracht hat. Ich weiß nicht, wie es ihr jetzt geht. Ich habe ihre Geschichten gerne gelesen. Dass es sich um Literatur handelt, hat sie immer wieder in den Kommentaren geschrieben, wenn jemand etwas genauer wissen wollte. Überall lese ich schnelle scharfe Urteile.
Sind wir denn Richter? Wir sind Menschen, schwach, und in so vielem unfähig. Mancher wünscht sich mehr Buntheit in seinem Leben, es gefällt ihm nicht so wie es ist. Und so erzählt er Geschichten.
Ich bin ja schon so alt, als dass ich das verurteilen könnte. Ich habe Kinder erlebt, die Eltern erfunden haben, die sie nicht hatten. Sich schwere Krankheiten ausdachten, um vielleicht beachtet zu werden, oder gar geliebt. Einer hat eine Kneipe erfunden, die er geleitet hat, neben der Schule. Und ein anderer hatte einen Uniabschluss und Arbeitsstellen, die es nie gab. Ich habe ausnahmslos alles geglaubt, bis es plötzlich aufgedeckt wurde. Keiner konnte mir erklären, wie es dazu kam.
Und jeder fiel von der obersten, angesägten Stufe der Leiter ganz nach unten, jede Stufe brach durch. Da standen sie, nackt und bloß, und alles alles andere, was sie je gesagt und gemacht haben, war nichts mehr wert.
Was muss das für eine Anspannung sein, sich die Wahrheit und das Konstrukt gleichzeitig zu merken. Und die Angst, dass eines Tages alles auffliegt, begleitet einen bis in die Träume.
Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Vielleicht kann man verdrängen.
Ach, was soll ich sagen.
Es bleibt ein zärtliches Gefühl für all die Gefallenen.
Trotz alledem.

Golden Kleben

Manchmal scheint es so, als ob sich eine Regenwolke direkt über einem verklemmt hat. Und einen verfolgt und aufspürt, egal wo man auch ist.
Soviel Krankheit um mich herum, gepaart mit Unvernunft. Aufdrängen mag ich mich nicht. Ich bin ja so ein Mich-steller. Ich muss wissen, woran ich bin. Dann kann ich Wege suchen. Muss annehmen, dass andere nicht so sind. Tablette, zack, weg, Operation, dann sieht man weiter. Nein, nichts geht weg, wenn man es sich auch noch so wünscht oder einfach nicht dran denkt. Aber gut, jeder hat einen anderen Weg mit dem Grauen umzugehen.
Das klingt jetzt alles sehr kryptisch, soll es auch.
Es sind mir nahe stehende Menschen, die alle am selben Tag ähnliche Diagnosen bekommen haben.
Nun. Anderes Thema. Womit ich mich jetzt beschäftigt habe, ist Kintsugi. Die japanische Art zu kleben. Ich kenne es ja nur so, dass man etwas zerbrochenes klebt und dann enttäuscht ist, weil man die Naht sieht.In Japan soll man die Naht sehen, man vergoldet sie sogar. Ich habe das jetzt ausprobiert an einem Reisemitbringsel. Für einen Erstversuch sieht es passabel aus, hat aber wenig zu tun mit der japanischen Kunst durch reparieren zu veredeln.

Dieser begeisterte Franzose hat mich auf die Idee gebracht.

Das war meine Anleitung

Und hier ist mein etwas jämmerliches Ergebnis.