WmDedgT 05/18

Einmal im Monat fragt Frau Brüllen, was wir so machen den ganzen Tag.

Ausschlafen, es ist Samstag. Einfach nur ausschlafen. Neben mir zappelt es und macht so viel Unruhe, dass ich auch aufstehe, widerwillig. Die Sonne scheint, ich bin versöhnt. Frühstücken, Zeitung, und dann Werkzeug zusammensammeln für den Garten. Der Teich ist so üppig zugewuchert, dass es Lüftung braucht. Ich bin immer wieder verzückt von all den Pflanzen, die versuchen, das Wasser zu erobern. Sie schieben einfach ihre Blätter und Stängel rein, wird schon klappen. Die Seerosen haben Blätter bekommen die Tage und die Krebsscheren sind schon vom Grund aufgestiegen und sehen übel aus. Das tun sie immer, die äußeren Blätter sterben ab, nur die Knospe überlebt. Sie haben sich so vermehrt, dass sie raus müssen. Die Torfsäckchen zur Wasserreinigung aus dem letzten Jahr schwimmen oben auf. Ich fische und fische und plötzlich macht es pflitsch und das Netz reißt. Nö, bitte nicht, ich hab kein anderes. Jetzt in den Baumarkt fahren geht nicht, ich müsste mich ja umziehen. Ich steh in alter Sporthose und stramm sitzendem Perlenshirt am Teich und beschließe, die Kleidung anzubehalten und das Projekt abzubrechen.
Im Kühlschrank wartet ja die Dorade auf mich. Hab ich mich gefreut, als ich an der Fischtheke den ganzen Doradenschwarm auf Eis liegen sah. Für Dorade würde ich töten.
Diese bekommt ein Gemüse- und Kartoffelbett, damit sie es schön bequem hat. Und ab in den Ofen. Wir essen draußen, nach ein bißchen Stuhlgeschiebe und Klapptischchengestelle. Oh, ist das schön, in der Sonne sitzen, Fisch und Gemüse essen. Ich denke Spanien und Herr croco sagt Spanien!
Die Sonne muss genossen werden, also erfolgt die weitere Zeitungslektüre auf der Sonnenliege.
Dann folgt leider der Schreibtisch, Erstellung des Erwartungshorizontes für eine Leistungskursklausur. So wie es klingt, so ist es auch, grauslig und mühsam.
Dann gibt es Tee und Joghurt, irgendwie hat sich gerade diese Kombi eingebürgert.
Wieder Schreibtisch, dazwischen fragt mich Herr croco immer wieder was. Bin froh um Unterbrechungen.
Dann reicht es mir. Abendessen mit Brezeln, Fleischkäse und Feigensenf. Ich gucke eine Folge Mord mit Aussicht, dann gucke ich mit Herrn croco die aufgezeichneten Nachrichten an. Herr croco geht wieder an den Schreibtisch. Nach dem Mamatelefonat mit Beratung bin ich so müde, dass ich ins Bett gehe. Dort lese ich einen furchtbar schlecht übersetzten Krimi und schlafe schnell ein. Um drei sitze ich plötzlich hellwach im Bett und denke, jetzt könntest Du eigentlich
den Tagesbericht schreiben. Was ich hiermit getan habe.

Twitterlieblinge im April 4/18

Aber sowas von spät kommen jetzt die Tweets. Nicht dass ich keine Lust gehabt hätte, nein. Ich war einfach platt. Die Korrekturen liefen bis nachts um zwölf, viel Schreibtisch also. Dann kamen noch Zahn und Planung für Muttergeburtstag dazu. Ich bin wirklich ausgepumpt. Nun, es ist irgendwie Freitag geworden, eingekauft ist auch schon. Eine Klausur und zwei Arbeiten liegen noch da, aber morgen ist auch noch ein Tag. Ach Bügelwäsche, an Dich denk ich erstmal nicht. Die Sonne scheint und vielleicht kann ich in der Hängematte korrigieren.
In diesem Monat gab es Frühling wie nie. Allüberall blühten die Kirschen, dann die Äpfel und die Quitten. Birnen hab ich keine gesehen, unser Birnbaum ist diesen Winter leider verstorben. Der Blütenstaub der Fichten panierte alle Autos und Fensterscheiben, und Familie Macron war bei Familie Trump. Herr Söder hat sie nicht mehr alle und der nächste Royalboy ist eingetroffen. Man wird ihn Louis rufen, aber der Palast sagt, man soll das s weglassen, also Loui sagen. Nun.
Ich konnte mich, wie jeden anderen Monat eigentlich auch, nicht beschränken in den Lieblingstweets. Ich liebe sie ja alle.
Wer Lust auf mehr hat, Anne sammelt sie alle.

Ludwig eins

Die Pfalz hat was Italienisches. Die Farben der Häuser, die großen Felder mit Weinreben und die vergnügten Leute sehen einfach nach Süden aus. Das muss vorher gesagt werden, bevor man darüber spricht, dass hier ein bayrischer König seine Sommerresidenz hat bauen lassen. Villa Ludwigshöhe
Die Möbel brachte er Sommer für Sommer mit in die Villa am Hang der Pfälzer Waldes mit der herrlichen Aussicht über die ganze Pfalz.
Welch ein Glück wir doch hatten, als wir in die Villa kamen gerade das Stationentheater begann. Ein Schauspieler begleitet uns durch die Räume und berichtete von seiner Aufgabe, eine Biographie des bayrischen Königs Ludwig zu erstellen. Wortgewaltig und eindrucksvoll, sehr präsent und lebendig stellte er uns den König zwischen die pompeijroten Wände. Seine Liebe zu den Frauen, zur Kunst und zur Architektur stand plötzlich im Raum, wir sahen München wachsen, die Glyptothek sich füllen und die Wallhalla über die Donau gucken. Seine anfängliche Liberalität sahen wir schwinden, und den Aufstand der pfälzer Bauern verstehen. Das Hambacher Schloss liegt ja in Sichtweite der Villa. Und wir fühlten seine verzweifelte Liebe zur Tänzerin Lola Montez, die dann mit Peitsche und Leopard durch München schritt.
Dabei sah der König nicht nach Lebenmann aus. Er stotterte, hatte Pockennarben und hörte fast nichts.
Warum er für immer alle Franzosen hasste erfährt man in der Führung.
Dem Schauspieler Markus Maier kann man noch an zwei weiteren Orten in der Pfalz begegnen.

Schloss Villa Ludwigshöhe

Im Schloss gibt es noch eine Ausstellung mit Bildern von Max Slevogt und den Berg hinauf führt eine etwas wackelige Sesselbahn zu einem Aussichtspunkt. Oben wartet ein prima Essen und ausgezeichneter Kuchen auf die Mutigen.