WmDedgT Januar 18

Am 5. eines jeden Monats will Frau Brüllen wissen, was wir so gemacht haben den lieben langen Tag.

In der Nacht zuvor waren wir spät und aufgekratzt von einem Eishockeyspiel zurück gekommen, so dass wir nicht gleich ins Bett gingen. Und ich Doofie hatte noch Kaffee getrunken. So kostete es mich einige Mühe, um 9 Uhr aufzustehen. Frühstück und etwas Zeitung, dann sortierte ich die Bettwäsche in einen Korb, die ich zur Mangel bringen wollte. Wir beratschlagten, ob wir zusammen in die Stadt fahren, doch es war keine gemeinsame Linie zu erkennen. Also jeder für sich. Nach der Mangel war noch Einkaufen angesagt, mit den üblichen Sozialkontakten. Ich liebe es ja, alles in einem Laden zu kaufen, ein Mal pro Woche. Einkaufen als Freizeitbeschäftigung ist mir ein Greuel. Dann fuhr ich zum Arbeitsplatz des Mannes, eine Kollegin wurde verabschiedet, und ich wollte auch Tschüß sagen. Anschließend ging es zum Herrenausstatter. Er hatte angerufen, dass die Auswahl an bestellten Blazern da wäre. Sondergröße: großer schlanker Mann. Es passten beide, was eigentlich nie vorkommt. So also zwei, bis dieses Ereignis in drei oder vier Jahren wiederholt werden muss. Der  gleiche Einkaufsmuffel wie ich.

Zuhause gab es Samstagsessen, Fleischkäse, Spiegelei, Salat. Danach musste ich schlafen. Anschließend wurde abgewechselt zwischen Internet und Korrekturen. So lahm wie zur Zeit war ich nie. Träge und widerwillig erledige ich meine Pflichten. Spät am Abend gab es Brezeln, Käse und Salami, dazu Nachrichten und Pulp fiction. Superkombi übrigens. Ich finde ja, Tarantino hat sehr viel skurrilen Humor. Dann Bett.

WmDedgT 09/18

Es geht heute nicht in die Schule, sondern in die große Stadt, naja, größer als unsere halt, aber das will nichts heißen. Es ist wieder ein Arzttermin, Überprüfung der Tat der letzten Woche. Herr croco kommt mit, zur Sicherheit. Das letzte Mal stand ich so unter Medikamenten, dass ich die Heimfahrt als Donauwalzer hätte anlegen können. Pünktlichkeit ist angesagt, doch Herr croco beschließt, noch schnell ganz wichtige Telefonate zu führen und ein bißchen die Spülmaschine auszuräumen. Dann, wie das so ist bei knapp, stapeln sich die Lastwagen vor uns, es gibt eine Umleitung durch die Pampa und die Eisenbahnschranken wollen nicht hoch gehen. Ich muss dann doch warten, vermutlich zur Strafe wegen fünf Minuten zu spät. Das Wartezimmer dafür bietet eine geile Zeitschriftenkombi, Haper’s Bazaar und das Philosophiemagazin in fortlaufender Nummerierung. Ich lese mich fest. Dann bin ich dran. Da ich den Arzt so schön finden, ist es eigentlich egal, was er mir sagt. Nun, ich muss wieder kommen, ist aber nicht so schlimm. Jedenfalls bekommt er durch ein kleines Detail meinen Beruf und die Fächer raus. Klug ist er auch noch. Wenigstens bekomme ich keine Medikamente, die mir den Verstand verschwurbeln.
Herr croco muss geschäftlich noch wohin. Das Wohin befindet sich in einer umgebauten Feldscheune. Ich bin hin und weg. Das Schicksal hat ja verhindert, dass ich mal groß was Altes in was Neues umbaue. Und ich bereue es sehr, wenn ich in einem solchen Gebäude stehe. Dann geht es heim. Die Notration Rote Grütze wird mit Vanillesoße verschnabuliert und Herr croco geht arbeiten. Ich habe ganz viel vor, muss aber schlafen, da ich die Nacht davor kaum geschlafen hatte vor Aufregung. Kaum aufgewacht, habe ich immer noch viel vor. Doch es kommt anders. Ein Anruf und los geht‘s. Ich organisiere gerade eine Veranstaltung und muss jetzt wieder Listen schreiben. Dann ist die Wäsche dran und die Unterrichtsvorbereitung. Langsam bekomme ich Hunger, Herr croco kommt erst um kurz vor Neun. Ich stelle Käse, Brot, Trauben und Feigensenf auf den Tisch. Als er kommt, höre ich nur „So ein blöder Tag.“ Schlimmes Zeugs sei passiert und dann geht noch das Garagentor nicht zu. Wir wuchten daran rum, hängen ein und aus, nichts tut sich. Bis wir den Schlingel finden: eine Feder ist gebrochen. Ich schreibe noch ne Email an den potentiellen Reparateur und dann essen wir. Es ist zehn Uhr. Ein kurzes Gespräch mit meiner Mutter und dann noch etwas Internet und Nachrichten von der Festplatte. Im Bett lese ich noch ein bißchen Krimi und ein bißchen Kafkas Briefe an Milena. Und denk an den Menschen, der mir das Buch geschenkt hat. Und umarme ihn aus der Ferne.

Frau Brüllen möchte wissen, was wir so den lieben langen Tag treiben. Und das schreiben wir gerne auf, an jedem 5. eines Monats.

WmDedgT 07/18

Schade, dass der Tag nicht gestern war. Da hätte ich vom Spaziergang am Rhein mit Schiffchen gucken und dem Besuch des Kolumba-Museums in Köln berichten können. Nun aber hat Frau Brüllen gebeten, man möge berichten, was man genau am 5. eines jeden Monats so macht.

Es sind ja Ferien hier. Aber das mit dem Ausschlafen habe ich noch nicht so drauf. Stehe früh mit Herrn croco auf, frühstücke und packe meine Tasche. Im Fitnessstudio wartet schon die Freundin. Mit dem Verabreden klappt es ganz gut und wirkt prima gegen den inneren Schweinewelpen. Am Morgen senken wir den Altersschnitt an den Geräten, was sehr entspannend ist. Man muss nicht mit den Jungs mit Muckis und geölten Haaren konkurrieren. Eine Stunde Ausdauer und Geräte genügt, dann noch etwas auf die Massagerolle und wir sind fertig wie zwei Brezeln. Nebenbei wird noch upgedatet darüber was so geschehen ist die letzten Tage. Zuhause wird geduscht und geruht. Duschen im Fitnesstudio mag ich nicht, es gibt keine Kabinen und die Muße für meine Eincremereien fehlt auch.
Zu Mittag gibt es Obstsalat und Vanillepudding, den Herr croco fast alleine wegputzt. Somit sind fast alle Johannisbeeren und Stachelbeeren aus dem Garten aufgegessen. Das Modell Marmelade habe ich dieses Jahr verworfen, hab noch so viel übrig vom letzten Jahr. Die Apfelernte wird riesig und der Nussbaum biegt sich schon vor lauter grünen Kugeln.
Dann kommt die Putzhilfe*. Da wir uns sonst kaum sehen, wird vieles jetzt geregelt und abgesprochen. Ihre Vorschläge sind wie immer gut. Der Blick auf den perfekten Haushalt ist bei mir etwas verstellt und ich bin froh um Tipps. Ich setze mich ins Arbeitszimmer und räume und räume. Dann kommen Beihilfeantrag und die Krankenversicherung dran.Ich mach das so ungern, Rechnungen sortieren, in Listen eintragen, kontrollieren. Das ist der Nachteil der ganzen Privaterei, man streckt das Geld vor und muss es nachher wieder eintreiben. Und hat den Ärger, Abzug wegen dem, Abzug wegen was anderem. Nie bekommt man sein Geld zurück. Wir trinken Kaffee zusammen, und klären wieder. Wir haben so ne Art Recyclingabkommen, sie kennt immer jemanden, der das brauchen kann, was wir nicht mehr benötigen. So bleiben die seltsamsten Sachen im Kreislauf, heute Gläser mit Macken weg.
Um sieben riecht das Haus frisch und alles glänzt. Sie geht, Herr croco kommt. Wir essen zu Abend, er muss noch arbeiten und ich schaue ausnahmsweise fern. Sportkanal. Ein Wettrennen, Länderkampf England Schweiz, mit beleuchteten Drohnen in einer Stierkampfarena. Die Kandidaten tragen Brillen, auf denen sie die Kamerabilder der Drohen empfangen. Sie steuern sie rasend schnell die Ränge rauf und runter und durch aufgeblasene Tore, dass es eine Freude ist. Zum Schuss landen sie, wenn alles gut geht, in einem Fangnetz hinter einem Red-Bull-Bullenmaul.
Bin hin und weg.
So, dann ist Bettzeit. Ich scheuche Herrn croco vom Schreibtisch auf, lese noch und schlafe schnell ein.

  • Ja, sie ist angemeldet. Nein, sie hat keine Zeit mehr übrig.