WmDedgT 1/20

Frau Brüllen will es wieder wissen, was wir so gemacht haben am 5. des Monats.

Ich warne Sie: es wird sehr sehr langweilig.
Es ist ja Sonntag und man kann ausschlafen. Muss ausschlafen, weil die Nacht eine schmerzensreiche war. Beine, Hüfte, Schulter. Bis ich mich dann zu einer Schmerztablette durchringen konnte, ist es vier Uhr.
Heute Morgen stelle ich fest, dass ich nicht der einzige Wanderer war. Herr croco war ab fünf unterwegs. So gibt es erst um zehn Uhr Frühstück. Eine Tasse Kaffee, zwei Löffel Müsli und eine Banane. Dann bekommen die Arbeiten auf dem Schreibtisch meine Zuwendung. Meist schaffe ich es, vor Weihnachten alles zu korrigieren. Dieses Jahr ist es übelst aufgelaufen. Es ist bald Notenabgabe und in zwei Wochen liegen die Abiturarbeiten auf dem Tisch.
Die Konzentration lässt nach mit der Zeit. So passt die Vorbereitung für das Mittagessen gut rein. Curryhuhn mit Kokosmilch, Pak Choi und Reis. Zum Nachtisch gibt es frische Himbeeren mit Jogurt. Ich weiß, sie sind weit geflogen. Und doch genieße ich sie.
Dann ein kurzes Nickerchen und es geht wieder an den Schreibtisch. Um halb fünf gibt es Tee, Hefezopf und Marmelade. Dann wieder Schreibtisch. Was ich da lese, ist anstrengend. Mittelstufenarbeiten mit vielen Fachbegriffen. Die Schüler sollen wissen, was auf sie zu kommt, wenn sie Biologie wählen in der Oberstufe. Die meisten kamen so einigermaßen zurecht. Nur eine Fünf, da wurde aber sowas von gar nicht gelernt. Zwei glatte Einsen sind auch schön.
Ein Geburtstagsanruf, ein Anruf bei der Mutter, dann Abendessen. Orange und Apfel mit Jogurt für mich, Käse, Salami, Tomaten und Brot bei Herrn Croco.
Die Nachrichten sind auf der Festplatte. Die schauen wir jetzt. Wir streamen sie nicht, weil das Vor und Zurück da nicht so gut geht. Ja, wir gucken immer ganz genau. Mir ist das alles sonst viel zu schnell. Dann diskutieren wir ein bißchen über die Tageslage.
Eigentlich wollte ich noch korrigieren. Doch der Kopf steht auf doof. So bleibt Shopping queen für Promis. Die Damen waren mir nicht bekannt, sie schlugen sich wacker. Genau nach diesen banalen Dialogen ist mir heute. Als ich mich erholt habe, geht es zu Arte und den Pariser Cabaretts.
Tanz und Showgirl war damals der einzige Beruf, der ein ordentliches Einkommen plus Unabhängigkeit bot. Was bin ich froh, dass ich heute von meiner Arbeit
leben kann, und nicht tanzen muss.
Nebenher schreibe ich noch den Tag auf, für Frau Brüllen.

2 Gedanken zu “WmDedgT 1/20

  1. Eine zeitlang hab ich auch so Guidosachen geschaut, man konnte so gut ein Schläfchen machen dabei. Heute mag ich das nimmer, lieber im Doris-Dörrie-Buch lesen oder auch mal `n Postkärtchen schreiben und jemanden spontan erfreuen. Ich fand diese Tagesschilderung kein bisschen langweilig, besonders krass der Satz über das Nichttanzenmüssen 🙂
    Nachtgruß von Sonja

    • Guidos Kommentare sind richtig witzig. Auch die Kleiderschränke der Damen sind interessant. Sie haben zum Beispiel ihre Schuhe im Kleiderschrank stehen.
      Das denke ich oft, was ich hätte arbeiten können, wenn ich in einer anderen Zeit gelebt hätte. Über Hausfrau wäre ich wohl nicht hinausgekommen. Meine Großmutter hat es damals geschafft, die Poststelle im Dorf zu betreiben, zu jeder interessanten Gerichtsverhandlung zu radeln und alles zu lesen, was ihr unter die Finger kam. Und sie betrieb noch ne kleine Auskunftei, so nebenher, neben dem Hof und 8 Kindern. Die beiden letzteren langweilten sie, zugegebenermaßen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.