Golden Kleben

Manchmal scheint es so, als ob sich eine Regenwolke direkt über einem verklemmt hat. Und einen verfolgt und aufspürt, egal wo man auch ist.
Soviel Krankheit um mich herum, gepaart mit Unvernunft. Aufdrängen mag ich mich nicht. Ich bin ja so ein Mich-steller. Ich muss wissen, woran ich bin. Dann kann ich Wege suchen. Muss annehmen, dass andere nicht so sind. Tablette, zack, weg, Operation, dann sieht man weiter. Nein, nichts geht weg, wenn man es sich auch noch so wünscht oder einfach nicht dran denkt. Aber gut, jeder hat einen anderen Weg mit dem Grauen umzugehen.
Das klingt jetzt alles sehr kryptisch, soll es auch.
Es sind mir nahe stehende Menschen, die alle am selben Tag ähnliche Diagnosen bekommen haben.
Nun. Anderes Thema. Womit ich mich jetzt beschäftigt habe, ist Kintsugi. Die japanische Art zu kleben. Ich kenne es ja nur so, dass man etwas zerbrochenes klebt und dann enttäuscht ist, weil man die Naht sieht.In Japan soll man die Naht sehen, man vergoldet sie sogar. Ich habe das jetzt ausprobiert an einem Reisemitbringsel. Für einen Erstversuch sieht es passabel aus, hat aber wenig zu tun mit der japanischen Kunst durch reparieren zu veredeln.

Dieser begeisterte Franzose hat mich auf die Idee gebracht.

Das war meine Anleitung

Und hier ist mein etwas jämmerliches Ergebnis.

Rothaut

Seit zwei Tagen sehe ich aus wie ein Basketball, im Gesicht. Die Lippen sind joliemäßig gewölbt, was ja nicht so schlecht ist. Alles glüht! Da ist sie wieder, die Allergie. Ich pass ja schon auf mit allem. Keine Zusatzstoffe im Essen, keinen Sellerie, keine neue Kosmetik, keine Pröbchen, immer das selbe Waschmittel, keine Hunde, keine Katzen, keine Pferde. Und nun war es das Hautöl, das ich seit Jahren verwende. Für den Körper. Und Freitag überlegte ich nur kurz, ob es auch im Gesicht geht? Nein, geht es nicht. Ich weiß es nun. Ach man. Ich jammere jetzt einfach eine Runde. Alles vom Gesicht abwaschen half nicht, die üblichen Antihistaminika, keine Chance. Jetzt bin ich am Tiefpunkt angelangt: Cortison. Hab ja einen Vorrat aus noch schlechteren Zeiten. Jetzt kann ich wenigstens aus den Augen gucken. Und muss nicht als Basketball in die Schule.
Ach Leute, Mandelöl, einfaches Mandelöl.

Unerzähltes

In einer fremden Sprache zu schreiben, so dass es nur Menschen lesen können, die mich nicht kennen, die ich nicht kenne. Dann könnte ich berichten von den letzten Wochen, und ich könnte vielleicht Geheimnisse andeuten. Traurigkeiten, Schmerzen und Leid, dafür ist kein Platz hier. Ich mag die Menschen um mich rum schützen, doch ihre Geschichten beschäftigen mich sehr. Ich bekomme sie geschenkt und kann sie nicht weiterreichen. Nahestehende, Freunde, die Kinder, all sie zeigen, wie bunt und tief und schrecklich das Leben sein kann. Und wie originell.
Ich könnte erzählen, dass ein Fluch gewirkt hat, dass Liebe unverhofft kommt und auch so unverhofft wieder geht. Dass es Zufälle geben kann, die es eigentlich nicht gibt. Dass nichts unausweichlich, dass Hoffnung immer nötig ist. Und dass es Glück gibt. Glitzerndes geheimnisvolles Glück.
Es sind aber die Geschichten der Menschen um mich rum, nicht meine. So bleiben sie dort.
Und das mit den Bienen erzähle ich vielleicht doch noch, irgendwann.