Bittersweet

Königin Elisabeth geht es gut soweit. Sie ist recht munter und hofft.
Nein, ich kann trotzdem nicht. Es gibt keine Twitterlieblinge.
Meine Seele ist dunkel, ich traure.
Gestern stand ich an einem Grab eines ganz besonderen Menschen.
Heute wurde Sophie beerdigt.
Und übermorgen wird ein Herzensfreund zu Grabe zu tragen.
Nein, ich kann nicht.
Frau Kaltmamsell, Herr Rau und Kiki haben wunderbare berührende Texte geschrieben. Denen habe ich nichts hinzuzufügen.
Passt gut auf einander auf. Und seid nett zueinander.
Das Leben ist so kurz.

Die Königin kann nicht mehr

Königin Elisabeth ist krank, schwer krank. Und ich wohne wieder im Kinderzimmer.
Das fasst die letzten Tage zusammen.
Sie ist nur noch Haut und Knochen. Die Behandlung geht weiter und sie will sie durchstehen.
Auch wenn bei Nacht die Sanitäter kommen. Auch wenn sie kaum Kraft hat.
Sie will am Leben bleiben. Ihre letzten privaten Bereiche musste sie mit großem Widerstand aufgeben. Für das Anziehen, das Ausziehen und das Duschen kommt die Schwester.
Die Medikamente nimmt sie nur, wenn ich daneben stehe. Ab und an fällt sie in die Homöopathiefalle der Verwandtschaft. Wunderglaube. Ein bißchen ausreden muss ich es ihr schon.
Und ich koche Reh mit Sahnesauce, es gibt Schokolade und Kuchen. Mühsam löffelt sie. Es schmeckt ihr und doch kann sie kaum. Die Kraft reicht nur zu wenig, am Treppengeländer zieht sie sich hoch. Ich habe Stühle auf den Weg gestellt, damit sie sich halten kann, Pause machen.
Am Telefon macht sie auf putzmunter, dann ist sie so müde. Die anderen Helfer sind froh, dass ich übernehme. Sie kommen trotzdem zum Kaffee, alte Freunde.
Ihre Haare, ihr ganzer Stolz, wachsen grau nach, sind aber noch da, zum Erstaunen aller. Keine goldenen Ohrclips mehr, kein Chanel, kein Seidentuch. Nur die Basics. Und wenn noch Energie da ist, wird meine Garderobe kommentiert. Ich glaube, Schuhe ohne Absätze und weite Hosen kann sie einfach nicht verstehen. Und dass die Tochter wenig Interesse daran zeigt, eine sehr schlanke Tochter zu sein, ist ihr schon fremd.
Am Abend schläft sie vor dem Fernseher ein, und wenn ich sie ins Bett bringe, die arme müde Königin, verzeihe ich ihr alles.
Und morgen mache ich ihr einen Friseurtermin.

Linkerei im Juli

Es ist kühl heute und ich komme einfach nicht in Gang. Dieses selbstorganisierte Hausfrauendasein ohne echte Höhepunkte ist nichts für mich. Es zerfließt alles, die Ränder werden schwammig und alles ist beliebig geworden. Sonst hau ich einfach Waschmaschine um Waschmaschine durch, bügle, räume auf, wann gerade eine Lücke ist. Jetzt ist so viel Zeit, ich könnte nach dem Plan, ja, den gibt es, alles abarbeiten. Aber es geht kaum was. Oder ist das die Erholung?
Naja, jedenfalls habe ich noch ein paar Links, die ich gerne weiter geben würde.
Fangen wir mit der Homosexualität an. Ja, es ist Thema im Biologieunterricht. Immer wieder begegnen mir da archaische Vorstellungen, die ich mich dann bemühe zurecht zu rücken. Nein, man kann das nicht beschließen, wen man anziehend findet. Nein, man will nicht die Verwandtschaft damit ärgern. Nein, auch der Satan hat damit nichts zu tun. Es ist einfach Teil der Natur. So findet man auf Nachfrage in jeder Klasse Jugendliche die eine schwulen Hund oder ein schwules Meerschweinchen haben. So finde ich diese Führung in Hellabrunn zum Thema Homosexualität bei Tieren einfach nur toll. Hallo, ihr Münchner.
Jetzt zur Botanik. Wer das Buch von Herrn Wohlleben gelesen hat, weiß, worum es geht. Pflanzen sind Lebewesen, die miteinander in Kontakt treten. Tatsächlich und ohne esoterisches Geschwurbel. Wer sich die Forscherin Suzanne Simard anschauen mag, wird sich sehr wundern.
Möchten Sie wissen, wer Poupette war und warum sie in den Pyrenäen beerdigt werden wollte? Eine berührende Geschichte bei au fil de mots .
Svenja war mit dem Motorrad auf Island. Ich mag ihre Reisegeschichten sehr, aber die aus Island gefällt mir besonders gut. Schade, dass es mittlerweile so voll geworden ist da. Sagt die Touristin.
So, jetzt schau ich mal, was meine Waschmaschine so ganz allein und ohne mich gemacht hat. Vielleicht.
Oder wie Frau Wildgans sagt:
Wieviel Unheil allein durch Nichtstun verhindert werden kann!