Twitterlieblinge im Mai Teil 2

Noch ein paar Tweets aus der ersten Hälfte des Mai.

Twitterlieblinge im Mai 19 Teil 1

Diesen Mai 2019 werde ich wohl Zeit meines Lebens nicht vergessen.Drei schwere Krankheiten in der Familie, ein wunderbares Fest, wie ich noch nie eines erlebt habe, und eine verstörende Nachricht.
Eine junge Frau, die ich persönlich getroffen habe, hat Teile ihres Lebens erfunden. Und sie hat darüber geschrieben.
Ich weiß nicht, was sie dazu gebracht hat. Ich weiß nicht, wie es ihr jetzt geht. Ich habe ihre Geschichten gerne gelesen. Dass es sich um Literatur handelt, hat sie immer wieder in den Kommentaren geschrieben, wenn jemand etwas genauer wissen wollte. Überall lese ich schnelle scharfe Urteile.
Sind wir denn Richter? Wir sind Menschen, schwach, und in so vielem unfähig. Mancher wünscht sich mehr Buntheit in seinem Leben, es gefällt ihm nicht so wie es ist. Und so erzählt er Geschichten.
Ich bin ja schon so alt, als dass ich das verurteilen könnte. Ich habe Kinder erlebt, die Eltern erfunden haben, die sie nicht hatten. Sich schwere Krankheiten ausdachten, um vielleicht beachtet zu werden, oder gar geliebt. Einer hat eine Kneipe erfunden, die er geleitet hat, neben der Schule. Und ein anderer hatte einen Uniabschluss und Arbeitsstellen, die es nie gab. Ich habe ausnahmslos alles geglaubt, bis es plötzlich aufgedeckt wurde. Keiner konnte mir erklären, wie es dazu kam.
Und jeder fiel von der obersten, angesägten Stufe der Leiter ganz nach unten, jede Stufe brach durch. Da standen sie, nackt und bloß, und alles alles andere, was sie je gesagt und gemacht haben, war nichts mehr wert.
Was muss das für eine Anspannung sein, sich die Wahrheit und das Konstrukt gleichzeitig zu merken. Und die Angst, dass eines Tages alles auffliegt, begleitet einen bis in die Träume.
Vielleicht ist es aber auch ganz anders. Vielleicht kann man verdrängen.
Ach, was soll ich sagen.
Es bleibt ein zärtliches Gefühl für all die Gefallenen.
Trotz alledem.

Biolehrertage

Wenn die Bäume ihre Blätter haben, die ersten Wiesenblumen blühen, Bienen und Hummeln fliegen und die Vögel ihre erste Brut aufziehen, ist es für die einen reinste Romantik, für die anderen harte Arbeit. Es sind Biolehrertage. Im Herbst und Winter fahren Deutsch- und Sprachenlehrer ins Theater und ins Kino, organisieren Lesungen und Bibliotheksführungen. Ihr Lieblingsbiotop ist dunkel und warm. Meines ist hell, wuselig und fühlt sich uferlos an. Der Versuch, alles zu kanalisieren, kostet Nerven.
Ein Beispiel erklärt es vielleicht. Die Zöglinge verteilen sich über das Gelände mit einer Liste der zu suchenden Bäume, erkennbar an den Blättern. Daneben sind Fotos derselbigen. Es wurde vorher besprochen, was gebuchtet und gesägt, gefiedert und gelappt bedeuten. Für die Suche von zehn Blätter gibt es eine halbe Stunde Zeit.
Die Anweisungen sind genau und präzise und lassen eigentlich keinen Spielraum zu. Eigentlich. Keinen.
Die ersten kommen zurück. Der Hausmeister hätte ihnen verboten, Blätter zu pflücken. Kann eigentlich nicht sein, da die Bäume nach Biolehrerwünschen gepflanzt wurden und genau zu Pflückzwecken existieren.
Dann trifft der Hausmeister ein und berichtet davon, dass er die ersten Schüler von der Kastanie gepflückt hatte, die dabei waren, einen Ast abzureißen um an die Blüten zu kommen. Eine Gruppe, zugegebenermaßen nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, haben Gräser mitgebracht und eine Probe eines Frauenmantelblattes. Welche Bäume sind das, Frau Croco? Ein Baum hat einen, und nur einen Stamm, und den gibt es nächstes Jahr noch. Gras und Frauenmantel gehören eindeutig nicht dazu.
So, die Kastanienblüte bekommt eine Vase und und der Rest muss der Reihe nach die verlangten Blätter hochhalten. So sortieren sich langsam Ahorne von Buchen und Kastanien. Ein grober Überblick, mehr ist heute nicht drin.
Nächste Woche geht es auf die Wiese, die ersten Wiesenblumen blühen. Mal sehen, wie die Wiese danach aussieht.