Elf

Wortschnittchen hat mich beworfen, mit einem Stöckchen! Eine halbe Ewigkeit habe ich keines mehr bekommen. Ich freu mich sehr und lege jetzt los.

1 Was hat dich zum Bloggen und/oder Twittern gebracht?

Twittern weiß ich nicht mehr, aber Bloggen schon. Es war im Januar 2005 und ich stōberte nach einer Möglichkeit, ohne Aufwand HTML-Codes für den Unterricht einzusetzen. Es sollte keine Homepage sein, es sollte nichts kosten und jeder Schüler sollte seinen Beitrag getrennt bearbeiten können. So probierte ich myblog aus, mit ganz doofen Beiträgen. Die löschte ich später wieder und erzählte einfach aus meinem Leben.

2 Wie und warum hat deine erste große Liebe geendet?

Ach, das ist eine sehr traurige Geschichte. Ich mag sie jetzt nicht erzählen. Nur ein Satz : sie war einseitig und er lebt nicht mehr.

3 Hand aufs Herz: Hast du schon einmal etwas geklaut?

Nein, nie. Es war auch nicht nötig. Ich war auch nie hungrig und arm. Und Spaßklauen liegt mir nicht.

4 In welcher Situation hast du dich einmal körperlich schutzlos gefühlt? Und wie hat sich die Situation aufgelöst?

Ja, bei zwei sehr schweren Unfällen, die ich nur überlebt habe, weil andere schnell und selbstlos geholfen haben.

5 Hast du schon einmal eine Diät gemacht?

Eine mit weniger Essen, Bewegung und Almased? Ja, immer wieder.
Solche mit Kohlehydrate weglassen, nur Zitronenbonbons essen oder nach Sternzeichen und Blutgruppen? Nie.
Aber das nur, weil ich immer wieder vergesse, was ich nun nicht essen darf.
Bei mir taugt nichts gut, was man sich merken muss.

6 Deine Lieblingskünstlerin/dein Lieblingskünstler?

Das wechselt je nach Konzert oder Ausstellung, die ich besucht habe. Als klassischen Komponisten liebe ich Brahms. Als Bildhauer halten sich tapfer Auguste Rodin und Max Ernst.Von David Hockneys Landschaften werde ich trunken.
Björk mag ich, und Zaz, Frank Sinatra und Konstantin Wecker.
Also ein ziemliches Durcheinander, mit Stil und ohne Ziel.

7 Was war dein schönstes Ferienerlebnis?

Sind die Schulferien gemeint? Wir sind nur ein paar Mal in Familienurlaub gefahren. Mein Vater war beruflich viel im Ausland und hatte dann nie Lust wegzufahren. Und wenn, stand alles unter seinem Regiment.
So verbrachten meine Schwester und ich die Ferien meist mit Radfahren und Schwimmbadbesuchen. Das war sehr schön.
Mein schönstes Erlebnis aber war als Betreuerin bei einer Ferienfreizeit der Kirchengemeinde. Wir haben in einer Berghütte geschlafen. Es gab ein Matratzenlager und wir hatten nur kaltes Wasser zum waschen. Die Einfachheit hat mir sehr große Freude bereitet. Und die Kinder. Vorher wusste ich nicht, dass ich mich so gut mit Kindern verstehe.

8 Dein Lieblingskleidungsstück?

Ich liebe Samt. Ich habe zwei Samthosen und zwei Samtkleider, die meine absoluten Lieblinge sind. Und ich habe zwei Hosen mit Punkten.
In keines von allen passe ich im Moment hinein. Und so werfe ich mich am März auf die Antwort zur Frage 5. Oder auch nicht.

9 Dein größter Fehlkauf?

So etwas habe ich nicht, ich habe nur Schuhe, die ich selten anziehe 😉

10 Was würdest du gern in einem Nachruf auf dich lesen?

Tja, darüber habe ich viel nachgedacht in letzter Zeit.
Durch sie ist die Welt ein bißchen wärmer/besser/bunter geworden?
Klingt doch ziemlich anmaßend.
Aber eigentlich kann es mir Wurschd sein. Ich lese es ja nicht mehr.

11 Deine Einstellung zur Jagd?

Oh, eine sehr ambivanlente.
Als Biologin bin ich dafür. Wir haben in Mitteleuropa keine Raubtiere mehr, die den Bestand an Rehwild regulieren können. Der Verbiß an Bäumen wäre existentiell für den Wald. Da der Wald ein Wirtschaftsfaktor ist, hier ganz besonders, ist die Jagd nötig.
Als Mensch finde ich das Jägergetue abstoßend, das Hallali und die aneinander gereihten toten Hasen fürchterlich überheblich.
Und die Angebereien mit der Jagd völlig unnötig. Die Schüsse Sonntag Morgen um fünf eben völlig überflüssig.
Als Esserin liebe ich Rehbraten und Wildschweingulasch mit Knödel. Und einer muss halt alles für mich erledigen, vorher.

Meine elf Fragen sollen bitte beantwortet werden von
Frau Indica, weil sie die erste Bloggerein war vor elf Jahren, die ich gelesen habe und mit der ich einen wunderbaren Abend in Kreuzberg verbracht habe, mit Barbesuch.
Frau Tikerscherk, weil ich ihren Blick auf die Dinge mag, und ihre Sprache.
Und Frau Read On, vor allem weil ich mōchte, dass Sie ihre Geschichten aus Neu Delhi und Dublin lesen. Und sie mögen.
Das Stöckchen liegt frei rum, es kann also aufgenommen werden, von jedem, der möchte, auch in den Kommentaren.

Nun die elf Fragen:

1 Eine Abenteuerreise wartet auf Sie. Was wäre für Sie das absolute Abenteuer?

2 Sie dürften bestimmen, wer eine Spende von 10000 € bekommt. Wer wäre das und warum?

3 Für einen Tag dürften Sie in die Haut eines anderen Menschen schlüpfen. Von wem wüssten sie gerne, wie sich sein Leben anfühlt?

4 Und welches Tier wären Sie gerne, wenn das möglich wäre?

5 Hat schon mal ein Traum Ihr Leben beeinflusst?

6 Lieblingsbücher liest man gerne mehrfach. Welches haben Sie am häufigsten gelesen?

7 Wenn Sie in ein anderes Land fliehen müssten, dessen Sprache sie nicht sprächen und wo Ihre Berufsausbildung nicht anerkannt würde, mit welchen Fähigkeiten könnte sie sich den Lebensunterhalt verdienen?

8 Verraten Sie uns ihr Lieblingskuchenrezept?

9 Unter Ihrem Balkon soll jemand ein Ständchen singen. Sie dürfen sich Sänger und Lied wünschen. Also, wer und was wünschen Sie sich?

10 Auf welche fünf Lebensmittel können Sie nicht verzichten?

11 Die Elf ist die Zahl des Narren. Wenn Sie sich denn verkleiden würden, als was würden Sie zum Karneval gehen?

wmdedgt Dezember 2015 Couchen

Frau Brüllen wollte es ja wieder wissen: was mache ich eigentlich den ganzen Tag?

Um drei aufgewacht mit eingeschlafenen Armen und schmerzendem Rücken, habe ich zuerst im Badezimmer Gymnastik gemacht. In der Hoffnung, dass das was verrutscht war, sich wieder einrenkt. Munter wie ich war,  habe ich mich auf die Couch im Arbeitszimmer verkrümelt und dort das Internet leer gelesen bis ich so müde war, dass  das Bett sich wieder lohnte.

Um neun stand ich zum zweiten Male auf mit dem Gefühl, von jemandem verprügelt worden zu sein. Müde und schlaff, schaffte ich gerade das Frühstück. Dann kam wieder die Couch, jetzt im Wohnzimmer. Im Spiegel rumgelesen und gleich wieder alles vergessen. Um zwölf hatte ich genug Kraft gesammelt um einkaufen zu fahren. Die Post hatte schon zu, so bekam der Geburtstagsbrief ohne Wiegen seine Marke verpasst.  Anschließend habe ich im Regionalladen, selbst verwaltet und furchtbar umständlich geführt,  noch Weihnachtsgeschenke gekauft. Eine Runde im Supermarkt schloss sich an. Es war rappelvoll, fünf Kassen konnten Schlangenbildung vermelden, das sollte ein Spass werden. Am der Fleischtheke zwinkerte mir noch ein eleganter Herr zu,  im Gewühle verloren wir uns aber wieder.  Die Kassenschlange bescherte mir ein ernsthaft religiöses Paar mit zwei Wägen als Vordermann, das für seine geschätzten zwanzig Kinder einkaufte. Ach nö, es gab viel Knabberzeugs und Bier. So religiös waren sie dann doch nicht, obwohl Kleidung und Gesichtsausdruck auf was Freudloses deuteten. Die Party stell ich mir besser nicht vor.

Nachdem ich bei der Kassenfrau elegant das Paibäckzeugs abgelehnt und nach ihrer Tochter gefragt hatte, meine Welt besteht aus Müttern ehemaliger  und derzeitiger Schüler und Schülerinnen, schob ich mich und den Wagen zum Parkhaus. Dann bin ich zu Herrn crocos Arbeit gefahren, habe ihn abgeholt, ihn noch wohin gefahren und von Kollegen abstruse Geschichten erfahren, die ich leider hier nicht berichten kann. Zu Hause gab es dann Mohnkuchen und Couch.

Erst um sechs konnte ich mich aufraffen zu kochen. Mein erstes selbst gemachtes Blaukraut stand an. Geschnitten habe ich es, angebraten, mit Piment und Lorbeer gewürzt und in Rotwein und Portwein gekocht. Kastanien sollte es geben aus  dem Backofen. Und Rosenkohl und Schweineschnitzel in Sherrysauce mit  Aprikosen. Die Kastanien misslangen gründlich, sie waren zu hart. Ob sie zu lange in der Küche rumlagen? Keiner weiß es so genau. Jedenfalls hab ich für den Kohlkopf das Fleischermesser genommen. Es war schwer ihn in Streifen zu schneiden. Beim zweiten Male werde ich ihn hobeln in der Küchenmaschine, bin ja lernfähig. Jedenfalls hole ich Herrn croco vom Schreibtisch, wir essen und er verschwindet wieder.

Danach, Sie haben es sicher schon erraten: Couch. Aber nicht lange. Eine halbe Stunde auf dem Hometrainer mit „Zimmer frei“ vom ipad folgen, dann Duschen und Couch, dieses Mal mit Fernsehen, Commissario Brunetti suchte einen Mörder. Eigentlich ist es mir egal, wer durch Venedig lãuft. Vor lauter Vernarrtsein in Gondeln, blauen Kanal und alte Villen, kann ich der Handlung kaum folgen. Ich möchte auch bitte gerne so einen Balkon über dem Kanal. Naja, vielleicht in einem anderen Leben.

Dann kommt Herr croco vom Schreibtisch, möchte Apfelschitze und ich bekomme eine Orangina. Wir gucken Nachrichten von der Festplatte und anschließend den Clan, vom Mittwoch aufgezeichnet. Die Schwestern versuchen immer noch, den ekeligen Schwager umzubringen. Noch fünf Folgen, dann wissen wir, wer es war. Dass sie es geschafft haben, hatte man schon in der ersten Folge erfahren.

Die letzte Tat ist das Erheben von der Couch und die Umbettung in die Heia. Ja, mein Leben läuft unter dem Motto “ Liegen lernen“.