Früchtchen

Gerade genieße ich sehr süßen Orangen. Ich finde sie in diesem Jahr besonders wohlschmeckend. Sie sind einfach im Laden gekauft, keine sizilianische Oma hat sie gepflückt wie die Jahre davor. Wobei ich glaube, dass die Oma eine erfundene Oma ist.
So war das mit den Südfrüchte im Osten. Wenn es welche gab, waren sie aus Kuba und ziemlich strohig.
Wir hatten nicht so oft Orangen oder Mandarinen, meist gab es Äpfel, die im Keller aufbewahrt wurden. Dafür gab es extra Apfelregale aus Holz, man musste die Früchte immer wieder kontrollieren. Sobald einer der Äpfel nur etwas faulig war, musste er sofort weg. Er steckte sonst andere an. Ich mochte den Geruch sehr. Wir wohnten damals in einem der ältesten Häuser der kleinen Stadt: Ein altes Fachwerkhaus, es war gründlich renoviert worden. Doch betrat man den Keller, war man im Mittelalter. Große gemauerte Bögen bildeten die Decke, der Boden bestand aus großen Steinquadern. Alles war feucht und es roch nach Moder. Der Platz war ideal für die Apfelregale, den Apfelsaft in Flaschen, das Sauerkrautfass und den Tontopf mit den Eiern in Wasserglas.( Wasserglas, kennt das noch jemand?)
Eigentlich durften wir nie mit, doch haben wir uns eingeschlichen, wenn die Eltern unten waren um den Saft in Flaschen zu füllten oder die Äpfel einlagerten. Man scheuchte uns aber schnell wieder nach oben.
Ob es den Keller noch gibt? Das Haus ist durch viele Hände gegangen und sieht mittlerweile sehr zerrupft aus.
Meine Eltern haben sich ihren Traum vom neu gebauten Haus auf dem Dorf erfüllt, wir mussten mit. Der Keller war nie so feucht und kühl wie der alte, Äpfel gab es nur wenige.

Hach: Antje Boëtius, mir geht das Herz auf. Die Meeresbiologin berichtet von ihren Forschungen, und sie ist die erste, die im Endlosinterview bei der Frage nach dem Abiturschnitt zurückfragt. Die Tiefseearchaeen, ich liebe sie. Was für eine faszinierende Lebenswelt.
Das ganze Interview der ZEIT aus der Reihe Alles gesagt?Dem Zufall eine Chance geben

In der Landesvertretung von Rheinland Pfalz in Berlin gibt es eine Ausstellung zur politischen Fotographie und Karikatur.
Ich glaube, nur für dieses Foto lohnt es sich.

Als Gegenmittel das hier. Wenn Sie sich auch so ein Logo basteln wollen, bitte sehr, hier entlang.

Noch was Schönes
Junger Mann in Lagerhalle

Mit Rosen werfen

Der Kaiser ist nackt. Endlich hat das einer gesagt und auf ein Mal geht es wie eine Welle durch das Land. Der Kaiser ist nackt.
Und plötzlich ist die Angst verschwunden, dass sie schon gewonnen haben. Man kann etwas tun, offen sagen, dass man diese Menschenverachtung nicht mehr erträgt, dass man in einem solchen Land nicht leben möchte in dem man Menschen ausgrenzt.
Und was sagt der Kaiser, also der ehemalige? Dass man die Demonstranten angekarrt habe, ihnen ne Bratwurst gekauft und Fotos manipuliert habe.
Das glaubt ihr doch selbst nicht!
Ein paar Demonstrationen habe ich schon mitgemacht, im Studium gegen Ersatzgeldzahlungen, nach dem Referendariat gegen die Arbeitslosigkeit, und immer wieder auf dem Synagogenplatz am 9. November. Da waren wir lange ganz wenige, seit zwei Jahren sind es sicher über hundert.
Mit Herrn croco war ich schon auf Berufsdemonstrationen, da waren es ein paar tausend Teilnehmer.
So viele Leute wie die Tage kann ich mir kaum vorstellen.
Die Tagesschau stapelt tief, im ZDF sollen es insgesamt 250.000 Menschen gewesen sein, die gegen die AFD und ihren Hass demonstriert haben.
Möge uns allen dieses Gefühl der letzten Tage erhalten bleiben: Wir sind viele!
Und ich bin mächtig stolz auf all die Menschen mit Rückgrat und ohne braunen Rand.

1931 schreib Kurt Tucholsky dieses Gedicht.

Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Da ist es her.

Nachtrag: Herr Hauptschulblues war da
Frau Kaltmamsell auch

Solidarność

Immer noch bin ich sehr ergriffen von den Demonstrationen gestern.
In Hamburg waren es fast 100.000 Menschen.Wir stehen einfach nur gegen Rechts. Herr Buddenbohm war dabei. Es sah aus wie auf der Danziger Werft in den 80igern, als die Solidarność zum Streik aufrief. Sie standen auch einfach.
In vielen anderen Städten waren trotz der Kälte viele viele Menschen unterwegs, die zeigen wollten, dass es ihnen reicht mit der Hetze und der Menschenverachtung. Eine Wohltat sind die Interviews im Südwestfunk. Menschen sprechen in ganzen Sätzen und ganz ruhig, warum sie jetzt vor dem Mainzer Dom stehen. Wie unterscheidet sich doch die Sprache und das ganze Auftreten dieser Menschen von den Schreihälsen, die sie sonst ins Mikro brüllen lassen. Ich glaube auch, dass die Medien umdenken müssen. Sie geben dem Dumpfen zu viel Raum.

Ansonsten ist es hier noch kälter geworden. Die Schneehaufen säumen die kleinen Strassen. In einen solchen bin ich gestern reingerutscht, rückwärts den Berg runter. Unter dem Schnee liegt eine eine dicke Eisschicht. Die Reifen drehten durch. So habe ich Herrn croco zur Hilfe geholt. Mit Schippen bekamen wir die Räder frei. Zwei weitere nette Menschen haben dann schieben geholfen. Ein paar andere sind nur rückwärts gefahren ohne ihre Hilfe anzubieten. Ich glaube, die Solidaritätswelle hat das Dorf noch nicht voll erreicht.

Nachtrag: Christian Streich

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Sie kennen die Geschichte „Ich liebe Schnee“?

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Bansky

Für Pausenaufsicht

Dumm gelaufen

Hula hula