Hydra

Eine Hydra kann vieles sein, ein vielköpfiges Ungeheuer, ein Süsswasserpolyp und eine Insel.
Auf Hydra gibt es Kunst, Katzen, Klamotten, eine Bar namens Hydonetta,
aber kaum Trinkwasser. Die Lieferungen von müffelndem Trinkwasser per Schiff aus Athen hat man eingestellt, es gibt nun eine Meerwasserentsalzungsanlage.
Die Insel ist struppig und karg, Landwirtschaft geht damit nicht. So betreibt man Fischerei und die Touristenwirtschaft.
Es gibt keine Autos auf der Insel, bis auf das der Stadtwerke. Man hat Esel. Satellitenschüsseln, Antennen und Plastikstühle sind verboten, ebenso Swimmingpools und Tennisplätze. Richard Branson, genau der Blondling mit dem Virginrappel, hat eine Wohnung hier und wollte eine Hotelanlage bauen. Man ließ ihn nicht.
Kunst von lebenden Menschen gibt es ebenfalls. Die Sonne hat Jeff Koons produziert, über die rote Treppe weiß ich nichts.
Die Katzen sind entgegen der alten Geschichten mittlerweile sehr gepflegt und werden gefüttert.


Leo

Letzte Woche war ich stalken. Zu schauen, wo jemand lebt, gelebt hat, hat was Faszinierendes. Man sieht, fühlt, riecht das, was der andere auch sieht, fühlt, riecht. Und man fühlt sich ihm nah, obwohl man es nicht ist, nie sein wird.
Zugegeben, einen lebenden Menschen habe ich noch nie gestalkt, aber manchmal Dichter. Rilke, Hölderlin, Schiller, Goethe.
Und jetzt eben Leonard Cohen.
Die Reisegruppe ist nicht so begeistert, zieht aber mit mir hoch ins Dorf auf Hydra, Stufe um Stufe, um sein Haus zu suchen, den Lebensmitteladen, in dem er Marianne kennen gelernt hat und seinen Weg zum Strand.
Die Freunde kennen mich. Ab und an habe ich ne Meise und folge einem Pfad und einem Ziel, abzuhalten bin ich nicht.
Dann, am Haus, suche ich die Stromkabel, auf dem der Vogel wohl gesessen haben mag, der ihn zum Lied inspiriert hat. Zwei habe ich zu Auswahl. Dann gibt es das Lied von Handy. Ich bin höchst gerührt, das Umfeld allerdings lächelt milde und hält das Lied für höchst depressiv.
Ich bin sozusagen mit Leonard allein. Irgendwie.

Es gibt noch mehr Stalker.
Leonard Cohens Hydra 2
So sieht es im Haus aus
ARTE Hydra

So kommt man hoch.

Das ist die Nachbarschaft.

Das die Strasse.

Das ist das Haus von der einen Seite. Mit Kabeln.

Das ist das Haus von der anderen Seite. Mit Kabeln.

Das ist die Haustür.

Und das der Türklopfer. Geklopft habe ich natürlich nicht. Das Haus gehört der Familie und ich glaube nicht, dass sie scharf sind auf Leute, die ein bisschen in ihren Opa verknallt sind.

Und das ist der Weg zum Strand.

Ein Rätsel

Wo war ich gestern? Assoziieren Sie und schreiben Sie es in die Kommentare. Ich schalte alle frei, wenn die richtige Lösung dabei ist.
Solche Rätsel habe ich früher öfter gemacht. Und das Fräulein hat ein paar gewonnen. Ach.
(Nachtrag: Excellensa hat mir gerade geschrieben, dass das Fräulein heute Geburtstag hätte, ihren 36.)

Viel Glück.


Kleine Hilfen
Es hat mit einem großen Poeten zu tun. Und es ist ein Platz am Mittelmeer, nicht Frankreich, nicht Italien. Wobei bei Italien die Richtung stimmt.
Der Poet ist noch nicht lange tot und er hat seine Gedichte gesungen.
Auf dem Foto ist eine Gedicht und eben auch Liedzeile abgebildet. Das Lied ist auf Englisch.

Herzlichen Glückwunsch an Kreuzdame und Brigitte.
Beide haben gleichzeitig geschrieben, dass ich auf Hydra war, auf den Spuren von Leonard Cohen. Like a bird on a wire….
Das Foto ist tatsächlich um die Ecke von Cohens Haus gemacht worden.