WmDedgT 1/2017

Frau Brüllen will es wissen. Und zwar, was wir am 5. eines jeden Monats so machen. Hier ist mein Tag.

Aufstehen muss ich erst um acht. Ein Luxus, zu Schulzeiten ist es meist halb sieben. Das ist für meinen Körper und meinen Verstand fast wie Mitternacht.
Draußen liegt ein bißchen pudriger Schnee und die Sonne scheint, ein perfekter Ferientag. Geschippt werden muss nicht, also wird es ein entspanntes Frühstück.
Der Mann nimmt mein schōnes Auto, ich den Packesel, damit ich den Wäschekorb zur Mangel in die Stadt transportieren kann. Ich hol noch schnell Geld aus dem Automaten und frage beim Goldschmied nach, ob ich die geschenkten Ohrstecker zu Clips umarbeiten lassen kann. Ich habe ja keine Löcher, aus Gründen. Nun, es geh nicht, schade. So gebe ich sie mit Bedauern zurück.
Die Freundin, nach dem letzten Beitrag müsste ich sie fragen, ob sie es wirklich ist, also, sie wohnt in einem anderen Dorf und ich hole sie ab. Ich nehmen einen Riesenumweg durch ein verzauberte verzuckerte Tälchen, aus Schönheitsgründen. Wir wollen uns einfach unsere letzten Wochen erzählen. Und gleichzeitig ein neues Café begutachten. Unser großer Plan ist nämlich, dass wir eines Tages alles hinschmeißen und ein Bistro aufmachen. Und so gucken wir jeden neuen Laden an und diskutiere, was wie sein soll, und was nicht. Nun, hier sind die Lampen super, aber weder Gestühl noch Aufteilung gefallen uns. Übrigens ist die Karte auch ein büschn laaangweilig, aber günstig. Ich persönlich glaube, dass wir das nie machen werden, weil wir nur Spaß am Planen haben, wir die eigentliche Arbeit aber sofort delegieren würden. Und uns immer kleine Bands oder Dichterlesungen zur Unterhaltung gönnen würden.
Nach ausführlichem Update über die gesamten letzten Wochen, bringe ich sie wieder heim und eise den Mann für zwei Toast Hawaii aus der Arbeit raus. Danach ruhe ich zuhause etwas aus, lese, der Mann kommt und hat Zeit für einen Spaziergang bei Eiseswind ums Dorf. Keiner ist draußen, nur wir. Ein Fenster öffnet sich für einen Neujahrsgruß. Ich ziehe mir die Kapuze meiner neuen irischen Strickjacke über die Ohren, viel hilft es nicht. Zuhause gibt es Tee, der Mann geht wieder arbeiten. Ich mache mich an Nähzeugs, was seit zwei Jahren rum liegt. Hosennähte, Abtrockentücher umsäumen, so Flickzeugs halt. Nebenher ziehe ich mir die Podcasts der Landesschau Baden Württemberg über das ipad rein. Da wird mir immer so wohlig dabei. Die Nähmaschine tut es erstaunlicherweise noch, für den Fadenverlauf in der Spule muss ich aber im Prospekt nachschauen.
Um acht kommt der Mann von der Arbeit und hat Hunger. Wir essen, also wir verspern, und gucken dann Nachrichten. Anschließend sind zwei aufgezeichnete Folgen von Scott & Bailey dran. Ich nerve etwas, weil ich nebenher twittere und ein bißchen Candy cush spiele. Kurz nach elf ist Bettzeit, doch leider ist für mich kein Einschlafen möglich. Nach langem Hin- und Hergewälze stehe ich auf, trinke Apfelsaft und schreibe das hier.

WmDedgT 9/2016

Frau Brüllen will es wissen: was machst Du eigentlich so den ganzen Tag?

Habe mich mit Schulterschmerzen aus dem Bett gewälzt, um dann im Badezimmer die passenden Schulterübungen zu machen. Was ja eigentlich Rückenübungen sind, aber nun tut eben die Schulter weh. Zwei Löffel Müsli und eine Tasse Kaffee können den fehlenden Schlaf nicht ausgleichen. Ich nehme keine Schmerztabletten, wird schon gehen.
Die Fahrt in die Schule ist ereignislos wie immer. Im Vorbereitungsraum der Chemie bin ich zuerst alleine und kann in Ruhe alles was ich für meine Stunden brauche, aus dem Schränken in meine Kiste räumen. Glasgeräte, Chemikalien, Stativmaterial. Wir müssen Ordnung halten, wir sind 14 Kollegen. Da kann man nicht mal einen Aufbau ein paar Tage stehen lassen. Alles wird wieder zerlegt, gespült, weggeräumt. Es ist wie in einer WG. Bleibt Zeugs liegen, ärgern sich alle und suchen das Ferkel. Jedenfalls habe ich zur Zeit keine Chemielehrerhände, keine Jodflecken, keine kleinen Schnittwunden, keine Brandblasen, dafür Nagellack.
Gas ist da, juhu, dafür ist der Beamer kaputt, Mist! Eigentlich wollte ich das richtige Ergebnis an die Wand werfen, damit die Kundschaft vergleichen kann mit ihren Ergebnissen. Ende der Stunde kommt ein Schüler drauf: es gibt doch noch den Tageslichtprojektor. Genau, und ich finde noch eine Gammelfolie, auf der die Ergebnisse auch zu finden sind. Stunde ist gelaufen, super.
Nun noch Cheftermin, der sich aber verschiebt. So gibt es Kakao im Lehrerzimmer und ein paar Frechheiten vom Jungkollegen. Dann Cheffe und weitere Planungen der nächsten Monate.
Danach laufe ich noch in die Brennnesseln am Lehrerparklplatz und weiß nun endgültig, dass das nicht mein Tag ist. Zuhause gibt es noch ein halbes Römertopfhuhn, das im Ofen noch ne Runde übergebraten bekommt. Dazu Reis und zum Nachtisch Apfelmus von den Frühäpfeln.
Geplant war eine erneute Apfelsammelaktion und dann Bügeln. Beide Projekte versanken im Tiefschlaf, in meinem eigenen. Dann gab es eine Dorfrunde, leider wieder ohne Pokémons. Ich gebe es auf. Den Abend verbrachte ich mit Lesen, Spiegel und Internet, dann mit Nachrichten von der Festplatte. Das war es.

WmDedgT 7/16

Frau Brüllen will es wissen.

 

Es wurde ein müder Tag, ich sag es gleich.

Um eins, um zwei, um drei in der Nacht, und wer weiß wann noch, bin ich aufgeschreckt und dann nach einer kleinen Hauswanderung wieder in einen dämmerigen Schlaf verfallen. Als der Wecker klingelte, wähnte ich mich in einer ganz anderen Welt und brauchte einige Zeit, bis ich aufstehen konnte. Die morgentlichen Dehnübungen und die Gymnastik fanden im Nebel statt, so auch das Frühstück. Die gepackte Tasche nahm ich ohne die drum rum drapierten Bücher mit, was danach noch Folgen hatte. Das Auto parkte ich so, dass ich bei den Brennnesseln aussteigen musste. Die Schüler tröpfelten so langsam ein, weil noch dringende  andere Verpflichtungen sie vom Pünktlichsein abhielten. Die Tabellen musse ich leider alle anmalen, da ich die Bücher, aus denen ich sie projizieren wollte, auf dem Arbeitszimmerboden zurück gelassen hatte. Wenigstens waren sie nicht so kompliziert, dass ich sie nicht auswendig gekonnt hätte. Ja, mein Gedächtnis spurt langsam wieder. Und ja, ich mache Unterricht bis zum Schluss, keine Eisdiele, kein Iceage, kein Firlefanz. In der Eisdiele wäre ich sicher gleich eingeschlafen, so müde war ich. Einmal an die Tafel lehnen, und ich hätte geschnarcht.

Über die Mittagspause hatte ich mich bei Freunden angesagt, Geburtstagsgratulation. Davor hab ich noch einen Strauß in der Gärtnerei binden lassen, lauter gelbe Blumen. Wieder zuhause, gab es eine Überraschung, der Mann hatte Kuchen mitgebracht. So fiel die Schnellkocherei aus. Um zwei kam schon der Elektriker. Es sollte eine Steckdose anbringen an einer Stelle, an der noch keine war. Wir haben sowieso kaum Steckdosen, was hier im Haushalt zu einigen Stolperfallen führt. Er nutzte die Gelegenheit, den Strom der ganzen Bude lahm zu legen durch Anbohren der Hauptleitung. Es war ihm schrecklich peinlich, das nutze aber nichts. Es war dann so laut, an Schlaf war nicht zu denken. Eine Tasse Kaffee mit dem Herrn Elektriker führte   zu kaum etwas. Dann folgten dringende Schreibtischarbeiten und Vorbereitung auf den Spanischkurs.  Der Mann löste mich bei der Elektrikeraufsicht ab. Bei der Fahrt durch die Stadt stellte ich fest, dass in meiner Abwesenheit die Hunnen die Straßen überfallen hatten. Zumindest sah es so aus. Es war Sperrmüll und Suchtrupps hatten die Ware auf links gedreht. Was genau im Sprachunterricht besprochen wurde, weiß ich auch nicht mehr. Ich war mittlerweile auf der Reflexebene angelangt, und konnte nur noch auf Stammhirnbasis antworten. Dafür hatte eine was zu trinken mitgebracht, Wasser, Sirup, Minze, bei mir ohne Sekt. Das hier mich am Leben.Wieder zuhause, war  der Elektriker immer noch da. Also immer noch kein Schläfchen. Als er dann weg war, gab es schnelles Abendbrot und Nachrichten, die ich aber verschlafen habe. Ein Kollege rief an, und hatte wichtiges zu berichten. Gleichzeitig rief ein Studienfreund an und hatte wichtiges zu berichten. Das nahm mir aber mein Mann ab. Eine Folge gestreamte Erbschaft auf Arte geguckt, und dann ins Bett.

Ach ja, um zwei schreckte ich wieder hoch.