Zwiespalt

Froh, aus diesem Moloch von Palermo nach Süden entkommen zu sein, empfängt einen das ländliche Sizilien mit dem grünsten Grün und dem gelbsten Gelb der Welt.
Hier ist alles so, wie sie sein soll, rund und schön und hell und leuchtend.
Der Strom wird aus Wind gemacht und Bauernhöfe laden zum Urlaub ein.
Hier ist alles in Ordnung.
Doch dann, die ersten Schilder, nach Corleone 33 km, die Hochburg der Mafia.
Hmmmm!
Vielleicht doch die Knöpfchen im Auto runterdrücken. Ach nein, das sind wieder nur die gesehenen Filme, die einen beunruhigen. Die Wirklichkeit ist langweilig, auf den ersten Blick zumindest.
Aber dann kehrt entgültig der innere Frieden zurück: es geht nach Cammarata.
Wenn was sein sollte, dann sage ich einfach, in Deutschland heißt eine berühmt Frau wie Euer Dorf.
Wenn was ist, dann kommt die und haut Euch.
Doch, das machen Sie, Frau Nuf, oder?

Wo Gugl wohnt

Auf dem Guglplatz sieht es in der einen Richtung so aus. Dreht man sich im halben Kreis um, so steht man vor dem Portal der Kathedrale. Ja, berühmt und verschlossen, sie ist beides. Der Seiteneingang ist am Nachmittag offen, Reisegruppensammelstelle. Der Junge aus der Normandie ist auch da.
Sehen Sie ihn, und seine Taube?

Der königliche Berg

Also gut. Nach Monreale braucht man eineinhalb Stunden, egal mit was. Mit dem Auto, zu Fuß oder mit dem Bus. Dafür bekommt man ein Dorf am Hang, einen Kreuzgang, einen Turm, eine Kirche, das alles in Gold und eine wunderbare Aussicht auf Palermo und die Bucht.
Und das alles in einer Pracht, die ihresgleichen sucht. Normannisch-arabisch-byzantinisch, also all die Kulturen, die den Mittelmeeraum geprägt haben. Königlich!

Hier der Lesestoff zu Monreale

Tauben gibt es auch, die sich mitunter in umliegende Cafes verirren. Über Mittag ist alles zu, so habe ich Zeit der Rettungsaktion bezuwohnen und sie zu würdigen. Die Traube ist also der irrigen Meinung, dort wo es hell ist, kann auch hingeflogen werden. So reibt sie sich auf an der Platstikplane. Ein halbherziger Versuch des Kellners macht das Vieh nur etwas wilder. Das amerikanische Touristenpaar, vielleicht sind es auch Holländer, geht behutsamer vor. Doch beim letzten Griff versagen sie mehrfach. Am Brunnen lungert eine Schulklasse aus Frankreich. Gegicker bei den Mädchen und wilde Sprüche bei den Jungs. Ein etwas rotbäckiger Junge im karierten Hemd ist lustig und ein bißchen großspurig. Er lässt Krümelchen fallen und freut sich lauthalts darüber, dass ihm die Tauben nachlaufen. So hätte er es gerne mit den Mädchen, die er aus dem Augenwinkel beschielt. Dann sieht er die Taube hinter der Plastikplane. Er marschiert schnurstracks ins Cafe, ein sicherer Griff und er hat das Tier. Ein Schritt und er ist draußen und lässt sie fliegen. Bewundernde Blicke seiner Kumpels, die Mädchen haben es nicht gesehen. Danach seh ich ihn wieder, in der Kathedrale stehend, mit gefalteten Händen, so dass man ihn in Ruhe fotographieren kann. Die Mädels seiner Gruppe, und ich.