Grün ist grün ist grün.

Sizilien, das Dreick.
Diese Darstellung findet man an jeder Ecke, als lackiertes Souvenir, auf Fahnen, als stolzes Symbol.
Drei Frauenbeine mit Kopf, schon ein bißchen pervers. Könnte ja auch „nach dem Massaker“ heißen. Nun gut, die Antike hat das Symbol vorgegeben, da kann man nichts machen.
Ansonsten ist Sizilien grün, es wuchert sozusagen aus jeder Öffnung.
So schicke ich heute nur diese Vegetationsbilder in die Welt hinaus. Das muss genügen.
Bereiten Sie sich solange auf die Fahrt nach Monreale vor. Raten Sie, wie lange man für diese 7 Kilometer braucht.

Ma fia, ma fia.

„Wer Angst hat stirbt jeden Tag, wer keine Angst hat, stirbt nur einmal.“
Mafia ist nicht romantisch. Mafia ist Macht, Mafia ist Unterdückung, Mafia ist Mord.
Landet man in Palermo, so wird einem schnell klar, wo man ist.
Der Flughafen trägt den Namen Borsellino & Falcone. Und auf der Autobahn zwischen dem Flughafenn und der Stadt erinnert eine rote Stele an den Ort, an dem der Richter Falcone und mit ihm mehrere hundert Meter Autobahn in die Luft gesprengt worden sind.
Giovanni Falcone und Paolo Borsollino, das sind die Untersuchungsrichter, die sich vorgenommen hatten, die Mafia zu niederzuringen. Sie haben es geschafft, teilweise, und auch wieder nicht.
Angeblich wird kein Bau hier erstellt ohne die Jungs von der Cosa Nostra, wie sie sich nennen.
Fast jedes Geschäft zahlt Abgaben. Ein paar Mutige tun es nicht. Studenten haben sich zusammengeschlossen und über die Nacht die Stadt zuplakatiert mit: “Ein Volk, das Schutzgeld zahlt, ist ein Volk ohne Würde”. Daraus erwuchs die Bewegung AddioPizzzo. Pizzo ist das Schutzgeld. Auf dieser Liste kann man nachschauen, welche Geschäfte keine Schutzgelder an die Mafia bezahlen.
Kann man mafiafrei Urlaub machen? Vermutlich ja.
Der Staat hat die Landgüter der verhafteten Mariabosse enteignet und dort kann man jetzt wohnen.

Der Urprung des Begriffes Mafia ist so dunkel und nebulös wie die ganze Organisation.
Vielleicht ist es die Abkürzung für den Hilferuf einer Mutter, als ihre Tocher vergewaltigt wirde, ma fia, ma fia- oder vielleicht auch arabisch oder ganz was anderes.

Ob man in Palermo merkt, dass es die Mafia gibt? Wenn es die Denkmäler nicht gäbe, vermutlich nicht so schnell.
Schaut man aber genauer hin, so sieht man die Mentalität der Leute, die das Ignorieren von Regeln beinhaltet. Man will sich nicht bestimmen lassen vom Staat und seinen Regeln. rechnung im Restaurant? Phhhhh… Einbahnstraße, Parkverbot? Ebenfalls phhhh.
So marschiert der Staat auf, überall ist Polizei, und das in Mannschaftsstärke. Ihr Blick sieht nicht nach freundlichem Schutzmann aus.

Das Foto ist vom Denkmal im Hafen, zu Ehren des Kampfes gegen die Mafia. Ein bißchen rostig geworden. Das Zitat oben ist von Richter Borsolino.
Er wurde wie Falcone von der Mafia umgebracht.

Links:

Mafia
Mafiafrei reisen
Schutzgeldfrei einkaufen
Geschäfte ohne Schutzgeld in Palermo, Stadtplan

Nabucco

Sie mögen keine Opern?
Nein?
Sie singen so laut und so hoch? Und nichts passiert?
Dann gehen Sie mal in Italien in eine Verdioper. Sie werden die Welt mit anderen Augen sehen.
Nabucco eignet sich gut.
Schon am Eingang werden sie alle treffen, die Pelzmänteldamen, die
schlanken grauhaarigen Herren im Anzug, die Intellektuellen mit dem finsteren Blick, die unbedarften jungen Gesichter.
Das Orchester beginnt, die ersten Sänger betreten die Bühne. Ein leises Raunen geht durch die Reihen. Zwischenapplaus. Leises Mitsingen der Arien.
Und dann der Höhepunkt. Der Gefangenenchor, so nenne wir Deutschen ihn. Va, pensiero, sull’ali dorate. Das Nationallied Italiens, der Wunsch nach Einheit aus volle Seele nach außen gedrückt, an den Stimmbändern vorbei.
Und das Publikum singt mit, und weint ein bißchen. Der Applaus danach brandet durch den Saal und die goldenen Logen hoch. Man ruft so lange und so laut bis der Chor das Lied noch einmal singt. Zugabe sozusagen.
Als Gast hat man die Aufgabe zuzuhören, sich anzupassen und alles zu bewundern. Ein falscher Zwischenklatscher, schon zischt das Publikum der Eingeweihten. Da klatscht man nicht, ihr Banausen!
Und dann erst das Gebäude, Gold und Schnörkel im Überschuss, aber auch Brösel und Abgeschabtes. Es war lange geschlossen, wegen der Baumängel, und, Sie wissen schon, der Mafia. Cosa nostra, wie sie sich nennt. Dazu aber später mehr.
Jetzt einfach nur schön.

teatro massimo