Unser Fritz

Der nächste Hammerbau liegt zu Fuß ein paar hundert Meter weit weg vom Normannenpalast. Aber welche hundert Meter! Der Bürgersteig ist schmal, der Verkehr reichlich. Dann aber steht sie vor einem, prächtig, in voller Schönheit: die Kathedrale.

Ich liebe ja Kathedralen. Hier ein Altärchen, dort eine Heiligenmumie, viel zu gucken.
Diese Kathedrale hat noch mehr zu bieten: sie hat einen eigenen Längengrad, quer durch das Mittelschiff.
Ein Loch in einer der Kuppeln lässt zu Mittag einen Lichtstrahl herein, der je nach Jahreszeit und Sonnenstand, am jeweiligen Tierkreiszeichen einen Lichtpunkt macht.
Es ist der Längenkreis 13,5 Grad Ost, genau der selbe, der durch Berlin geht.

Und unser Fritz liegt dort. Immer ein paar frische Blümchen auf dem Grab, oder besser an der großen Grabwanne aus Porphyr. Ja, Friedrich, der Stauferkaiser. Als Waisenkind untergebracht bei jüdischen und moselmischen Familien in Palermo, wuchs er in Süditalien als kosmopolitischer Mensch großer Toleranz auf. Die braucht er auch.
Gekrönt in Mainz, Aachen und Rom mit anschließender Selbstkrönung in Jerusalem ist sein Leben könungstechnisch kaum zu überbieten. Auch sonst spielte sich alles zwischen Machtausweitung und Falkenjagd ab. Ich weiß, ich verkürze unzulässig. Da ich nach dem Modell Informationsklau arbeite, bin ich immer nur so gut wie der Reiseführer, an dessen Gruppe ich mich andocke.
Ein gebildeter Mensch war Friedrich, er führte im Reich das römische Recht ein. Er trennte die Berufe Arzt und Apotheker, auch zur gegenseitigen Kontrolle. Und war von Neugier getrieben. Den Ursprung der menschlichen Sprache wollte er finden. Angeblich hat er Säuglinge von Bediensteten zwar pflegen und versorgen lassen, aber ohne weitete Zuwendung, vor allem ohne Anprache. Leider verstarben die Kinder, bevor sie in das Alter kamen, in dem Kinder sprechen. Tja!
Hier das ganze Leben von Friedrich Roger, ja Roger. Angeblich wurde er in einem Zelt geboren, mitten auf einem Marktplatz. Wer hätte das gedacht.

Teatri dei pupi

Bloggen bildet.

Ohne Windrose wäre ich nicht drauf gekommen, dass ein Puppenmuseum etwas interessantes sein kann. Mit Puppen sind nicht die eingesabberten Knuddelchen aus Kindertagen gemeint, sondern Stabpuppen und Marionetten. Auf Sizilien haben sie Tradition.
Opern werden heute noch mit ihnen dargestellt.

Hier weitere Infos
In Palermo gibt es ein verstecktes, dafür um so zauberhafteres Museum für Puppen an Fäden und Stäben.
Zuerst musste ich den Gefährten hineinziehen, auf keinen Fall wolle er etwas mit Puppen zu tun haben. Zwei Stunden später bekam ich ihn kaum mehr heraus. Es gab alles: afrikanische Fetische, asiatische Schattenfiguren und sizilianische Ritter. Vorerst zeige ich nur einen kleinen Teil, vielleicht schiebe ich noch welche nach.
Es ist etwas kompiziert, auf dem ipad Fotos hochzuladen und sie dann bei photobucket unterzubringen. Geht ja alles über Apps, die etwas störrisch sind und nicht wurstfingerkompatibel.

Palärmo

Sie müssen sich unter den folgenden Bildern einen Lärmteppich auslegen aus Hupen, Martinshörnern, quietschenden Bremsen und Schreien. Also irgend etwas infernalisches.
Zuerst glaubte ich, das nie und nimmer auszuhalten, aber nach Stunden war ich drin, im Fluss der Geräusche, des Gedänges, des Lebens.
Überall wurde gestikuliert, abgwehrt, empört geguckt, freundlich gelacht.
Distanz und Nähe, das ist der Charme dieser sizilianischen Menschen.
Wir haben uns treiben lassen in der Stadt, stundenlang.
Haben Mandelkuchen gegessen, einen kleine Cafe getrunken, gefüllte Osterkuchen geessen, frische Orangen gekauft.
Dann die Gebäude angeschaut, der Normannenpalast in all seiner Pracht machte den Anfang.
Die Palastkirche ist wahrhaftig goldig. Aber nicht nur Gott wohnt dort, nein, auch das sizilianische Parlament hat seinen Sitz im Gebäude. Und so teilt sich die Woche auf in Debattieren Dienstag bis Donnerstag und Besichtigung des Plenarsaales an den restlichen Tagen. Also, wir waren Dienstag.
So gibt es Abgeordente aus der Entfernung, aber eben keinen Plenarsaal.