Lauter Baden

Das Hauptziel der Urlaubsreise war zum einen das Vermeiden von Regen und zum anderen die Beschäftigung mit Baden.
Also Wiesbaden, Baden Baden und Baden an sich.
Genau genommen bin ich ja halbe Badenerin obwohl mir der Verwandtschaftsteil aus dem Südschwarzwald was husten würde. Alemannen sind wir. Aber sie leben ja nicht mehr, also wird nicht gehustet.

Also, fangen wir an.
Wiesbaden haben wir aufgesucht um eine alte Dame in einem Stift zu besuchen. Ja, das gibt es noch. Eine bezaubernde und sehr aufrichtige Dame, die ich immer schon sehr schätze.
Es gibt einen Kurpark, viele Juweliere, Kaffeekuchen und viele sehr alte Menschen. Dann gibt es das Casino.
Und am Abend dreht sich die Welt. Ein ehemaliges Luxushotel, das Palast Hotel, hat die schönsten Sozialwohnungen Deutschlands. Der Platz davor ist das Wohnzimmer all der Anwohner. Und es steht ein dampfender Brunnen da, der Kochbrunnen.

Es gibt dort das tollste Obstgeschäft ever, in dem jedes Obststück kunstvoll gestapelt wird. Kassenzettel gibt es nicht, aber was soll‘s.
Den gibt’s im Übrigen fast nirgends mehr. Irgendwie verschwindet das Geld in Kellnertaschen oder Ladenkassen ohne Belege.
Die Finanzierung während Corona hat sich wohl verlagert.
Dem kleinen preußischen Beamten, den ich wohl mal verschluckt habe, stellen sich die Haare.
In der Kirche werden die Verhältnisse geklärt, man hat den Schuldigen und zwei, die sich raushalten.

Wiesbaden war also insgesamt ganz anders als ich erwartet habe. Mehr so das vergoldete Art-deco-Städtchen mit Landesregierungsfunktion hatte ich mir vorgestellt. Alles noch da. Man merkt aber genau, dass die Zeiten sich ändern.