Leo

Letzte Woche war ich stalken. Zu schauen, wo jemand lebt, gelebt hat, hat was Faszinierendes. Man sieht, fühlt, riecht das, was der andere auch sieht, fühlt, riecht. Und man fühlt sich ihm nah, obwohl man es nicht ist, nie sein wird.
Zugegeben, einen lebenden Menschen habe ich noch nie gestalkt, aber manchmal Dichter. Rilke, Hölderlin, Schiller, Goethe.
Und jetzt eben Leonard Cohen.
Die Reisegruppe ist nicht so begeistert, zieht aber mit mir hoch ins Dorf auf Hydra, Stufe um Stufe, um sein Haus zu suchen, den Lebensmitteladen, in dem er Marianne kennen gelernt hat und seinen Weg zum Strand.
Die Freunde kennen mich. Ab und an habe ich ne Meise und folge einem Pfad und einem Ziel, abzuhalten bin ich nicht.
Dann, am Haus, suche ich die Stromkabel, auf dem der Vogel wohl gesessen haben mag, der ihn zum Lied inspiriert hat. Zwei habe ich zu Auswahl. Dann gibt es das Lied von Handy. Ich bin höchst gerührt, das Umfeld allerdings lächelt milde und hält das Lied für höchst depressiv.
Ich bin sozusagen mit Leonard allein. Irgendwie.

Es gibt noch mehr Stalker.
Leonard Cohens Hydra 2
So sieht es im Haus aus
ARTE Hydra

So kommt man hoch.

Das ist die Nachbarschaft.

Das die Strasse.

Das ist das Haus von der einen Seite. Mit Kabeln.

Das ist das Haus von der anderen Seite. Mit Kabeln.

Das ist die Haustür.

Und das der Türklopfer. Geklopft habe ich natürlich nicht. Das Haus gehört der Familie und ich glaube nicht, dass sie scharf sind auf Leute, die ein bisschen in ihren Opa verknallt sind.

Und das ist der Weg zum Strand.

7 Gedanken zu “Leo

  1. Pingback: To calm down a heated world | Science Surf

  2. Ja, die Insel ist magisch. Ich habe die Bilder von dort sehr genossen. Ich war vor vielen Jahren dort mit dem Segelboot von Piräus aus. Unvergessen diese engen Gassen und ganz oben ein Feld mit betörend duftenden Jasminbüschen und ein bezaubernder Ausblick. Leider habe ich von L. Cohen damals nichts gewusst. Danke für den Bericht…
    Das Ablegen aus dem engen Hafenbecken war eine Geschichte für sich. Die Boote lagen dort in Vierer-Reihen hintereinander. Junge Männer sind gern nach den verschlungenen Ankern getaucht und hatten ihren lukrativen Spaß daran… hach, ein Sehnsuchtsort!
    Also, Birdie war keine Brieftaube! 😉

    • Nein, Birdie hatte keine geheime Nachricht.
      Es gab überall Tauben, und Spatzen.
      Es durftet wirklich nach Jasmin.
      Nach Anker tauchen? Wie toll!
      Wir haben am Hafen einen Tintenfisch beobachtet, den man nur gesehen hat, wenn er sich bewegte.

  3. Hatte gerade nachgeschaut, in meinem ersten Griechenland-Reiseführer in den Achtzigern hatte der Verfasser geschrieben, dass ihn LC auf Hydra aufforderte, das Motorboot zu reparieren. Sehr schöne Schilderung der Pilgerfahrt, da hätte ich auch nachgesehen. Ich war ja dieses Jahr in Syros, auf den Spuren von Markos Vamvakaris, gibt wahrscheinlich noch viele Inseln mit sehr privaten Pilgerzielen.

    • Herr Cohen hatte in Motorboot? Warum eigentlich nicht?

      Oh, den Musiker kannte ich bis gerade eben noch nicht.
      Ich hab noch ein paar ewige Pilgerziele. Patagonien zum Beispiel, Machu Picchu, Nashville….ob ich da je hinkomme?

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