So, es ist kälter geworden, der Sturm hat kaum was angerichtet. Die Ernte fällt aus, die Zeugniskonferenzen nicht.
Durch die Medien geistern um diese Zeit immer die Nachrichten mit, zusammengefasst, „Noten weg, Schule neu denken.“
Aha. Wie sollen dann die Rückmeldungen an die Eltern aussehen?
Die Zeugnisse in Prosa werden kaum verstanden, hier sind sie Pflicht in bestimmten Klassenstufe oder Schulformen.
Sie dürfen ja, wie es für Arbeitszeugnisse auch gilt, nichts Negatives beinhalten. Was ja auch schön ist, aber manchmal auch nicht weiter hilft. Sie gehen oft an der Realität vorbei.
Das Verhalten der Kinder und Jugendlichen wird extremer, das stimmt schon. Die Klassenlehrer erleben auch die Eltern als sehr anstrengend. Es kommen so viele Vorschläge, wie man denn ihr besonderes Kind besser unterrichten können. Man müsse ihr Kind nur richtig motivieren, dann würde das schon was. Aber das finde ja nicht statt. Schule schlecht, Lehrer schlecht, Kind hochbegabt und wundertoll.
Haben die ne Ahnung. Das Auftreten ihres Sprösslings dagegen ist ein ganz anderes.
Ein Beispiel:
Selbstbewusst bis zum Platzen, erläutert er verschiedene Gründe, warum er welche Aufgaben habe nicht machen können. Zeitmangel eben. Oder er sieht den Sinn nicht darin, Blätter zu sammeln, sie zu pressen und dann beschriftet abzugeben. Das interessiere ihn eben nicht. Ob ich denn nicht mal was unterrichten könne, was ihn interessiere?
Zum Beispiel? frage ich.
Na, was Praktisches, sagt er.
So wie Blätter sammeln und pressen? frage ich.
Funkstille…..
Einer geht noch.
Und jetzt müsst ihr stark sein, sehr stark:
Auch das schadet seiner Karriere.
Was geht er auch in so ne Sendung
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Ich bin ja Gesamtschüler der 70er-Jahre. Bei uns gab es von der 5 bis zur 8. Klasse sogenannte Lernentwicklungberichte. Da stand drin, was gearbeitet wurde, welche Tests mit Voll erreicht, erreicht und nicht erreicht gewertet wurden. Und es gab dazu Prosa-Texte. Die waren nicht immer „nett“. Hat uns damals aber nichts gemacht.
Die Frage ist immer, was ist „negativ“? Da kannste dann auch zum Schluss kommen, dass vergebene Zensuren „negativ“ sind. Eine 5 oder je nach Anspruch 3 oder 4 kann dann auch negativ rüberkommen.
Ich bin kein Fan von Zeugnis-Noten und anderen Noten. Was sie tatsächlich benoten ist ggf. ebenso zufällig wie alles andere auch. Die Objektivität, die sie vortäuschen, ist fatal.
Man braucht mehr Zeit für Rückmeldungen und qualifizierte Informationen. Aber da muss schon wieder Stoff gekloppt werden.
Großes Unglück!
Noten, seien es Zahlen oder Verbalbeurteilungen, zeigen immer die Sicht eines Menschen auf die Leistungen eines anderen. Man muss beides begründen können und auch auf Einsicht hoffen, beziehungsweise eine Veränderung der Arbeitshaltung anstupsten.
Es ist aber schwierig, da gebe ich Dir recht.
Ich habe ein gutes Gefühl für unangepasste Schüler, mich stört das überhaupt nicht. Aber viele können damit nicht umgehen, die Folgen sieht man dann in den Noten.
Ich gebe sehr, sehr ungerne Noten. Aber wenn ich denke, wie viele Schüler in den jeweiligen Klassen sind und wie viel Unterrichtsstunden sie in der Woche haben, hilft es nicht mehr, Rückmeldung über Gespräche zu haben. Die Zeit ist nicht da. Ich versuche es trotzdem, das ist aber nicht einfach.
Bin ja selbst Vater eines Sohnes, der inzwischen selbst Vater zweier schulpflichter Mädchen ist.
Während der Elternabende in der Grundschulzeit habe ich einige Diskussionen kopfschüttelnd und augenrollend verfolgt. Bei einer Gelegenheit wurde ich für den Elternbeirat vorgschlagen. Ich habe abgelehnt mit den Worten: Wie soll ich Sie vertreten wenn ich Ihre Ansichten nicht akzeptieren kann? Funkstille!
Meine Frau hatte sich für einige Jahre aus dem Berufsleben zurückgezogen. Das Haus, was wir gekauft hatten, war so finanziert, dass es von einem Gehalt machbar war. Wir haben aber mehrere Jahre auf Urlaub verzichtet, was wir aber nicht als Verzicht empfunden haben. Nach den morgendlichen Stunden im Kindergarten bzw. nach der Schule hat meine Frau sich um unser Kind gekümmert.
Heute ist es doch so, dass beide Elternteile arbeiten um einen gewissen Lebensstandard halten zu können, möglichst 2 Autos zu haben, in den Urlaub zu fahren. Morgens steht man unter Zeitdruck, Kind wird mit dem Elterntaxi zur Schule gefahren. Eine liebevolle und entspannte Betreuung der Kinder ist nicht möglich. In den Schulferien muss für eine Betreuung gesorgt werden.
Und dann wird von der Schule erwartet, dass sie das ausgleichen soll, was den Kindern im Elternhaus vorenthalten wird.
Ein damals befreundetes Ehepaar, Sohn gleichalt wie unserer, beschwerte sich darüber, dass den Kindern im Kindergarten nichts beigebracht wird, da wird ja nur gespielt. Als die 2 dann in die Schule kamen: Das ist ja alles viel zu viel, was sie da lernen müssen! Passte auch nicht zusammen.
Vielen lieben Dank für Deine langen Ausführungen. ja, so ist es wohl. Die Schule soll alles biegen und richten, die Eltern geben an wie es läuft. Viele Kinder sind tatsächlich unerzogen und emotional, es klingt brutal, verwahrlost. Der Umgang untereinander ist manchmal sehr rau. Der Respekt vor anderen Menschen ist nicht mehr eines der Haupterziehungsziele. Es gibt aber auch andere Klassen, auf die ich mich immer wie Bolle freue.
Ja das Verhalten wird extremer. Meinem 10jährigen Enkel hat ein körperlich ohnehin überlegener Junge das Nasenbein mit einem Tritt gebrochen als der Enkel schon auf dem Boden lag. Es gab keinen Anlaß für den jemand geschlagen, geschweigedenn getreten werden muss. Die Schule versucht es runter zu spielen und fragt als erstes was das „Opfer“ denn angestellt hat. Weil man einen Fußtritt ins Gesicht so besser „erklären“ kann oder was. Es macht mich traurig und wütend. Trösten und hoffen die richtigen Hilfen für den Enkel zu bekommen. Noch steht eine OP, vlt muss er den Schläger vor den Ferien nicht mehr sehen. Ach, es ist alles nicht mehr schön.Grüße aus der großen Stadt
Was? Die Schule hat das arme Kind zu schützen, und nicht den Täter. Es bringt zwar nichts, aber ich würde es bei der Polizei zur Anzeige bringen. Und es gibt keine Lehrkraft, die sich für das geschlagene Kind einsetzt? Ich bin entsetzt.
Habe den Landeselternbeirat vorgeschlagen, als Elternteil ist man ja sonst allein, weiß gar nicht was man in dem Schrecken am besten macht. Das ist meine Erfahrung aus der Schulzeit meiner Kinder. Da wurde immerhin ein schlagender Lehrer versetzt. Was ich unglaublich fand,denn es gab keine Info an die andere Schule, wer da kommt. Jahre später wurde er aus dem Schuldienst entfernt, viel zu spät. Eine Opferberatungsstelle ist auch eingeschaltet, mehr kann ich als Oma, aus Gründen, nicht machen. Ich habe viele ganz tolle Lehrer kennen gelernt in der Schulzeit der Kinder, aber die anderen, die gibt es leider auch.
Die Erfahrung, dass es nichts bringt eine Anzeige zu stellen habe ich auch gemacht als mein Sohn in der Bahn (wgn seiner Hautfarbe) attackiert wurde. Da hieß es noch vor Ort, dass man eh niemand finden würde. Sehr „hilfreich“ im Beisein des Opfers so zu reden. Es ist viele Jahre her, vergißt sich aber NIE.
Die gibt es noch, die schlagenden Lehrer? Ich habe schon ganz lange davon nichts mehr gehört.
Von strafversetzten schon. Die Schulleitung weiß ganz genau, was passiert ist und warum sie jemanden bekommen. Sie bekommen ja die Personalakte zumindest in Auszügen.
Die Polizei sieht es als Bagatelle, trotzdem. Und ein Anwalt wäre auch nicht schlecht. Er darf Akteneinsicht haben. Und ein Zivilprozess wegen Schmerzensgeld.
Man darf die Gewalt nicht zulassen.
Der arme Enkel.
Sendung „Lebenslinien“ über Fredl Fesl heute Abend im bayerischen Fernsehen!
Gruß von Sonja
Oh, danke schön! 😊
Wenn ich mir das Sprach- und Leseverständnis meiner erwachsenen, deutschen Kundschaft ansehe, dann fürchte ich, ein großer Teil der Eltern wäre mit schriftlichen Beurteilungen doch sehr überfordert. Unfehlbar ist kein*e Lehrer*in, aber ich vermute, dass die Lehrerschaft in der Regel weiß, was sie tut und nicht grundsätzlich bösartig ist. (Ich habe als Schülerin eine schlimme Ausnahme erlebt, aber die blieb zum Glück nur ein halbes Jahr an der Schule.)
Das tut mir leid. Schlimme Lehrer prägen einen mehr als sie es verdient haben. Ich habe eine ähnliche Erfahrung.
Das Leseverständnis hat sich sehr verändert. Vorgelesen wird nicht mehr, selbst liest man nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass mittlerweile 50 % eines Jahrgangs Abitur machen. In Bayern sind es weniger, dann ist eben der Abischnitt insgesamt besser.
Die Kinder werden nicht klüger, sondern man senkt die Anforderungen. Das wird ziemlich trickreich gemacht. Das führt aber zu weit hier und ich rege mich auf. Und es würde nichts ändern, so lass ich das.
Danke für den Fredl!
Gerne 😊.
Bei uns sind es geflügelte Worte geworden. Ich kannte den Rest nicht mer, nur das Pferd.