Reine Claude

Das Pflasterrondel ist entkrautet und der Kiesweg gerecht. Im hohen Eisenkübel haben sich Ameisen eingenistet, ein Riesennest, mehrere Kilo schwer. Ich kippe es aus und die Tiere kriechen in Formation an mir hoch. Mir reicht es. Ich hole das biologische Ameisengift. Das ist das, wofür man bei Raiffeisen keinen Schlüssel braucht. Mal sehen, ob es wirkt.
Dann gehe ich zum Jakob-Fischer-Baum nach hinten in den Garten. Die Äpfel sind noch größer als im letzten Jahr.
Zwei große Weidenkörbe voller Falläpfel wollen verarbeitet werden.
Der Nachbar bringt Renecloden vorbei und kündigt Zwetschen an für Morgen.
Himmel, welche Ernte in diesem Jahr!
Ich muss Prioritäten setzen. Apfelmus habe ich gerade genug eingefroren. So ist jetzt Kuchen dran. Der Name Renecloden kommt mir komisch vor.
Aha, Wikipedia klärt auf, Reneclaude ist eine Edelpflaume mit eingedeutschtem Namen.
„Prunes de la Reine Claude“
Es gab wirklich eineReine Claude, die Tochter von Ludwig XII von Frankreich und Ehefrau des Königs Franz I. Nach 9 Jahren Ehe starb sie mit 24 und hatte 8 Kinder geboren.
Jetzt backe ich also einen Kuchen ihr zu Ehren.


Mähdrescherbrände

Erster
Noch einer
Und noch einer


Tütentanz
Drei Sprachen erklärt
Wonderful world
Spanischer Humor
Ach so geht das
Einer regelt es
Motorsäge
Luftschritte
Made in China
Such einen aus
Vater bucht
Tetris
Reno
Kleine Welt
Was Menschen so anstellen
Katzenbaum
Sachen jiebt et!
Tänzchen

Von Magie, Mus und Mähdreschern

Ohne Not fährt niemand zu den Walen.

So muss die Stille sein, wenn große Schiffe sinken, oder Inseln untergehen.

Solche Sätze schreibt Dörte Hansen in Zur See
Satz für Satz sitzt. Die Familie Jansen nimmt immer mehr Gestalt an. Sie waren mal Kapitäne zur See, beobachten jetzt Vögel oder opfern sich dem Alkohol. Ganz nebenbei erfährt man, wie man auf den Inseln mit den Touristen lebt und sie gleichzeitig umgeht. Die Geschäftsfelder haben sich geändert mit den Jahren, Kunst und Seebestattung lohnen sich jetzt. Und manchmal bleibt jemand stur und zieht das mit Heavy Metal durch. Und es gibt den Wal und den Kampf um seine Einzelteile.
Es ist ein Hörbuch, bei dem man nichts nebenher machen kann. Nina Hoss liest, und ihre Stimme hat was Magisches. Jetzt fehlt sie mir sehr. Und ich hätte gerne, dass sie jeden Tag bei mir am Küchentisch sitzt und so redet. So käme Magie ins Haus.

Apropos Magie.
Heute Morgen habe ich Herrn croco erzählt, wie schlecht es manchen Menschen geht im Freundeskreis. Es ist ein Elend.
„Um mich herum stirbt es nur noch,“ sage ich.
In diesem Augenblick fliegt ein Kleiber gegen die Fensterscheibe in der Küche und bleibt tot liegen, die Beinchen nach oben. Er zuckt nicht mal mehr. Ich kann nicht hinschauen. Mir wird schlecht.
Herr croco beobachtet weiter. Plötzlich ruft er: “Er bewegt die Beinchen!“ Erst als der Vogel wieder sitzt und die schwarzen Äuglein umherwandern lässt, kann ich wieder schauen. Er lebt wieder und fliegt dann auch davon.
Beim späten Mittagessen auf der Terrasse berichte ich Herrn croco davon, dass ich einer Kollegin vom Kleiber erzählt habe. Und plötzlich hüpft der Vogel um den Tisch herum. Er hatte mich gehört!

Ansonsten mache ich Apfelmus. Die großen Jakob Fischer Äpfel hat der Wind in den letzten Stunden runtergeworfen. Es sind die noch nicht ganz reifen. Sie haben jetzt Dellen, aber Mus geht immer. In Stücke geschnitten, in Apfelsaft gekocht mit einer Stange Zimt und einer Vanilleschote aus Madagaskar, wird es gut werden, das Mus. In kleinen Tüten flachgedrückt, wird es eingefroren und erst im Winter darf es wieder raus, um sich um ein paar Herzchenwaffeln herum auszubreiten.

Heute Nacht wird die vierte Nacht sein mit dem tiefen Brummen. Die Mähdrescher ziehen ihre Bahnen, das Getreide muss rein, so halt auch mit Flutlicht. So geht es über Tage und Nächte. Es klingt wie ein tiefes Beben und schaut man auf die Felder, sieht es aus, als ob die Aliens endlich gelandet wären.
Und wie jedes Jahr kommt irgendwann Feueralarm und die Löschfahrzeuge aus dem ganze Umkreis treffen sich auf einem Feld: ein Mähdrescher brennt. Sie bringen das Wasser mit. Bis eine Leitung verlegt ist bis zum Bach, ist das ganze Feld abgebrannt. Das fangen sie erst gar nicht an. Wer kommt, muss die Tanks voll haben.
Mit großem Glück brennt dann nur die Maschine und ein kleines Stück der Getreidehalme.
Und man hofft, dass die Lohnunternehmer gut versichert sind.

••••••••••••••••••••••

Spider man
Und von hinten
Nina!
Kehrwoch
Geht doch!
Geometrie for beginners
Erdnussparty
Das kleine Mädchen
Steuersadist?
Musik!
Urlaub in Polen
Lehm!
Kämpfchen
Tänzchen
Bommel
Dolly double
Beste Wolleversion
Gartendepressi
Pflanzen aus Glas
Wachsmusik
Loki hat Recht
Monocab

Vom Altern, Baden und Lesen.

Die neue Mitgliedschaft in der öffentlichen Bücherei kommt mir sehr entgegen. Ich muss nicht mal hindackeln und leihen, es geht alles elektronisch. Ich lese jetzt die ZEIt online, das Sprachmagazin und alle möglichen Bücher. Mit den hochgelobten habe ich angefangen.
Elke Heidenreich über das Altern war das erste. Man muss sowas mögen, dass man zugeballert wird mit Zitaten über das Altwerten. Es scheinen viele berühmte Menschen überrascht worden zu sein vom Alter und seinen Symptomen.
Eine Struktur im Buch habe ich nicht erkannt, weiß aber jetzt, dass ihre Haut prima ist und sie einen jungen Liebhaber hat. Und dass sie schon mehrere Liebhaber hatte. Schön für sie. Sie schreibt wie sie redet. Ich glaube, ich hätte es mir besser als Hörbuch angehört.

Dann habe ich mit „22 Bahnen“ von Caroline Wahl ausgeliehen. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut: ein Buch über das Schwimmen. Meine Beziehung zum Wasser ist ambivalent. Als Kind hatte ich große Angst davor, hab spät schwimmen gelernt. Die Liebe kam später mit der Unterwasserwelt. Und den großen Wellen am Atlantik, diese Urgewalt hat mich gepackt. Irgendwann hat es mich verschluckt und wieder ausgespuckt. Seither schwimme ich nur noch am Ufer entlang.
Ich habe extra die Besprechung bei Frau Kaltmamsell ausgelassen, damit ich unvoreingenommen rangehe. Das hätte ich mal besser nicht getan. Sagen wir mal so: dem Buch hätte ein Lektor gut getan. Der eisblaue Blick, die überfahrenen Radieschen, die ewigen NIKE-Hosen, das locker sitzende T-Shirt, immer wieder die selben Begriffe.
Die Geschichte an sich ist interessant. Die alkoholkranke Mutter, die zu beschützende kleine Schwester, der undurchdingliche Russe in den sie sich verliebt, das Freibad, der tote Freund. Sie erzählt vom Mathestudium, nennt die Büchertitel, spricht aber eigentlich nicht über Mathematik. Es bleibt flach. So auch ihre Arbeit als Kassiererin im Edeka. Sie schaut die Kunden nicht an. Das geht doch rein technisch nicht. Und anscheinend hat sie nie die Probleme aller anderen Frauen an der Kasse, Tausch der Dienste, Pause, Urlaub.
Und sie geht in eine Videothek. Oh, wo gibt es denn sowas noch.
Die Armut ist das Thema. Kindergeld, Unterhalt, ihr Kassiererinnengehalt, das alles kann nicht viel sein. Und dann kauft sie einfach der kleinen Schwester ein Smartphone. Zack.
Und wer besorgt der Mutter den Alkohol? Von welchem Geld?
Ach ja. Aber was sie prima hinbekommen hat, ist die Beschreibung von Viktor. Genau so muss Viktor sein. Kein Lächeln, keine Regung, nur ab und an Starren. Darin üben sich die russlanddeutschen Jungs recht früh. Und wie die Familie sich bemüht, aus dem Ghetto raus zu kommen, wirkt sehr authentisch. Aber dass man als Programmierer in kurzer Zeit so viel Geld verdient, dass es für ein Reihenhaus und ein großes Auto reicht, bezweifele ich. Da hätte sie sich einen besseren IT-Beruf aussuchen sollen.
Na gut.
Jetzt kommt das nächste Buch, jetzt als Hörbuch. Dörte Hansen „Zur See“ gelesen von Nina Hoss, fängt mich von der ersten Sekunde an ein.
Man kann es nicht nebenher hören, jeder Satz ist wichtig.
Ansonsten ist hier Apfelmus einkochen, Unkraut rupfen, Krankenbesuche machen, Rückenkurs besuchen und noch einiges mehr. Und sehr sehr viel Menschliches.


So fängt man Mäuse
Haka für Hamburgerinnen
Hollywood für Hofladen
Mäh!
Freeze!
Tänzchen
Hochzeitslied