Milchsee

Was für ein Tag heute.
Zuerst fahre ich ein verlorenes Kind heim, das den Bus verpasst hat.
Als ich dann meine Küche betrete, begrüßt mich vergnügt eine große Milchlake auf dem Boden. Ein ganzer Liter ist ausgelaufen, der Verschluss war undicht und ich hatte sie quer in den Kühlschrank gelegt. Aus jeder Ritze guckt mich Milch an. Ich räume aus und möchte auswaschen. Aus der Leitung kommt dann nur eiskaltes Wasser.
Mittlerweile ist Herr croco eingetroffen und kümmert sich. Die Heizung hat Störung und somit ist das Wasser eben kalt. Er kann alles wieder in Gang bringen. Dann gib es Würstchen aus der Mikrowelle, Brot und Tomaten. Das Wasser ist immer noch eiskalt. So kommt der Wasserkocher zum Einsatz. Aber nicht lange. Eine Stichflamme aus der Steckdose und ein verschmorter Stecker später wird das Modell gecancelt. Licht gibt es nun auch nicht mehr. Herr croco findet heraus, dass die Sicherung Nr. 18 rausgeflogen ist.
Mit lauwarmem Wasser wasche ich Glasplatte um Glasplatte, Schieber um Schieber. Dann die Butterdose und alles, was im Kühlschrank war. Alles. Alles einzeln.
Und immer noch tropft Milch aus dem Kühlschrank auf dem Boden. Die Vorratsschublade unter dem Kühlschrank muss nun auch dran glauben. Da ist aber keine Milch, dafür ein paar abgelaufene Gläser. Also werden sie auch aussortiert.
Zwischen Kühlschrank und Vorratsschublade finde ich nun doch eine Dichtung. Sie war nach hinten gerutscht und ich habe sie noch nie bemerkt. Dahinter liegt die Milchquelle, na endlich.
Froh bin ich um mein Werkzeug des Tages, das Frühstücksmesser, ganz dünn und mit abgerundeter Spitze. Mit ihm kann ich Küchenpapier und Lappen in alle Ritzen schieben.
Ab und an kommt Herr croco vorbei um Hilfe anzubieten. Aber ich will alleine sein und nicht reden, über nichts.
Zu guter Letzt habe ich eine Tüte voller vollgesogener Papiertücher, abgelaufenem Zeugs und allerhand Strandgut aus dem Kühlschrank jn einer großen Papiertüte.
Ich hebe sie vom Boden auf und sie platzt. Und alles fliegt durch die Küche. Na dann, das war der Tag bis halb vier.

Warum der Milchozean im Hinduismus so eine große Rolle spielt, ist mir jetzt erst klar geworden. Um an den Unsterblichkeitstrank zu gelngen, musste man ihn tausend Götterjahre lang quirlen. Nun ahne ich, was das heißt. Ich bin schon mit einem einzigen Liter überfordert.
Im Buddhismus und der iranischen Mythologie gibt es im Himmel auch einen Milchsee. Er muss nicht gequirlt werden, enthält dafür auf einer Insel den Lebensbaum. Auch nicht schlecht.

Es geht weiter: seit langem liege ich Herrn croco in den Ohren mit Zeugs machen im und am Haus. Er hört irgendwie nie zu, dachte ich. Er hat aber doch zugehört. Ein dicker Katalog mit Bodenbelägen kommt mit ihm. Es gibt Rabatt, also nur jetzt.
So suchen wir innerhalb einer halben Stunden Bodenbeläge aus. Ich bin schnell in sowas, hatte auch lange Vorlaufzeit. Jahre halt.
Ums Haus ist seit kurzem alles gekärchert und ich fange an auszumisten. In der digitalen Welt benötigt man kaum mehr Materialen für den Unterricht auf Papier. Ich hab ja noch DDR Schulbücher. Bei Ebay bringen gerade die noch was. Aber gerade diese will ich behalten.
Und Abituraufgaben in fünf dicken Ordnern, ne ganze Sackkarre voll steht rum. Mein Bundesland stellt zögerlich auf Zentralabitur um und ich hab eh alles digital, was ich bisher eingereicht habe.

Selten gefällt es mir bei anderen Leuten zuhause so, dass ich gerne dort wohnen möchte. Doch die Roomtour im SWR bringt Menschen, die sich eine eigene interessante Welt schaffen. Die Wohnung des jungen Mann von neulich mit den Pflanzen im Flur hat mir schon sehr gefallen.
Nun kommt plötzlich diese Wohnung im Tanzsaal mit Quallen und Delfin, die mich verzückt.

Shot & forgot ist ein wahrer Detektiv.
Aus gefundenen oder gekauften Diasammlungen rekonstruiert er das Leben der Menschen, die dargestellt sind. Er ist sehr findig und gibt nicht auf. Im Moment sieht es aber nach Scheitern aus, er sucht einen Mann, der in den Sechzigern auf einem Skateboard durch den Central Park fuhr. Und vom Live Magazin fotografiert wurde. Das ist die vierte Folge. Die davor sind aber auch sehr interessant.

Vom Spülsaum der TikTokWelt.

Herr Ribbeck, gerappt.
Beware the Omas
Kinder, hier lernt ihr was
Das unsichtbare Baumhaus
Konichiwa
Wenn Profis arbeiten

Nordlichter, Pippi und die Nachgeborenen

Zur Zeit schaue ich die herzerwärmende Serie: Northern Lights. Zwei Menschen treffen sich durch Zufall, oder besser, weil der eine den anderen rührt. Und dann stellen sie langsam fest, wie verwoben ihre Leben sind. Und dass sie sich helfen können.
Die beiden Settings sind Dublin und der Camino de Santiago.
Jedenfalls haben die Menschen trotz aller Trauer eine besondere Ausstrahlung, finde ich. Naja, ich bin befangen, Irland und Spanien.
Ich bin ja nicht alleine. Deutsche lieben Irland. Und das liegt auch am Irischen Tagebuch von Heinrich Böll. Und an den Iren.

Auch so ne Heldin. Aus der wilden Göre ist eine gesetzte Dame geworden.
Pippi Langstrumpf lernt Deutsch. Warum man sie ganz besonders gerne hat in Deutschland mag daran liegen, dass sie wohl das erste nicht erzogene Kind in der deutschen Öffentlichkeit war. In meiner Erinnerung war sie frei, ein Traum, der kaum zu verwirklichen war. Dachte ich.

Wir Nachkriegskinder haben Fragen gestellt, die man uns unwillig beantwortete. Oder auch nicht beantwortete. Kinder, die nach Krisen geboren werden, werden rausgehalten. Man erzählt wenig bis nichts. Weil Erzählungen Scheitern und eigene Fehler beinhalten. Und die mag man eben mit der nächsten Generation nicht ausdiskutieren. Die geht das nichts an. Und diese leiden und wissen nicht warum. Unausgesprochenes ist nicht weg, sondern bleibt als Gespenst erhalten. In der TAZ habe ich einen interessanten Artikel dazu gefunden:
Nachwendekinder


Und hier die übliche Tiktoksammlung

Wie schön
Die Zeit vergeht und ändert alles
Löwen fangen klein an
Tragling (Wikipedia zum Tragling)
Oma ärgern
Wie hoch….?
Upps!
Was für eine bestechende Idee.
Oh!
Mutiges Bienchen
Ach Kumpel
A Kalorienbombe. Aber guat.
Einer geht noch
Der Parkplatz im Kofferraum