Ausgesetzt auf den Bergen des Herzen

Vor fünfzehn Jahren war es  noch ein gottverlassenes Nest in den Bergen an der Grenze zu Spanien. Halbzerfallen, ein bißchen trostlos und unglaublich eng. Nun ist das Dorf schneeweiß geworden. An die Poussada wurde angebaut und man hat mühevoll einen Park angelegt. Sogar ein Geschäft für Töpferwaren gibt es.

Das alles ist aber kein Grund hierher  zu kommen. Das ist einzig und allein die atemberaubende Aussicht. Und das Gefühl, man schwebe über den Ebenen. Vom Speisesaal aus ist es am schönsten, am Morgen, am Mittag und am Abend. Immer wieder ist es anders. Man könnte betrunken werden von der Landschaft. Vom Alentejo, der Ebene des Tejo.

Die Mauersegel und die Schwalben ziehen ihre Kreise, unter uns. Wie Pfeile durchschneiden sie die Luft. Stundenlang kann man ihnen zuschauen, wie sie elegant und waghalsig zugleich, knapp an Felsen und Mauern entlang ihre Bögen fliegen.

An der Rezeption erzählt sie, dass es kein Lebensmittelgeschäft mehr gäbe. Dafür sei man Weltkulturerbe. Und die Leute, die wir auf der Staße träfen, alles Touristen seien, wie wir. Fast keine Einheimischen mehr, nur noch ein paar alte Leute. Schön und traurig.

Ob sich noch jemand außer mir nach  dem alten  Marvao zurück sehn?

Rilke–Ausgesetzt_auf_den_Bergen_des_Herzens.html

Rundes Ende

Mit Kawumm geht es den Berg hoch. Es ruckelt und zuckelt, wackelt und wuckelt. Bequem ist sie wahrlich nicht, die Straßenbahn durch Lissabon, doch abenteuerlich schon.
Und knapp ist es. Nicht für das gelbe Bähnchen, sondern für die Passanten. Manchmal müssen sie sogar den Bauch einziehen, damit es reicht. Picknick und Geburtstagsfeier am Straßenrand, auch so etwas ist möglich.
Rundkurs, so steht es im Reiseführer. Und so  wartet man beim Bergab auf den Monizplatz, doch er kommt und kommt nicht. Dafür geht es wieder den Berg hoch. Jetzt sind die Häuser nicht mehr so schön und es quetschen sich kaum noch Touristen zwischen Wand und Bahn. Ist man oben angelangt, wird die Bahn geräumt. Alle raus. Und was heißt Rundkurs auf Portugiesisch? Das E hinter der 28 klärt sich jedenfalls. Das E steht für Estrella, das ist der Name des Platzes, der Stern. Und, wenn man so will, der Name des Friedhofes, der dort liegt.
So steht das E auch für Ende, in jeder Hinsicht.



Das grosse E.

San Francisco hat wirklich eine kleine Schwester. Sie liegen beide am Steilhang, haben fast die selbe Brücke zum anderen Ufer und man kann mit wackeligen Straßenbahnen ihre Hügel erklimmen.

Die Haltestelle am Monizplatz lässt nichts Gutes erahnen. Ineinander veklumpte und drängelnde Touristen warten auf die Linie 28. Mit bösem Blick verteidigen sie ihren halben Meter Warteplatz. Die Chancen stehen schlecht und wir geben einfach auf. Die Linie 28 kann mich mal, muss ja keinen Rundkurs fahren durch die Stadt, nicht nötig. Doch was ist das? Am Nachbargleis taucht unvermutet ein leeres Fahrzeug auf, ach, Linie 28 E. Prima. Und der Sitzplatz wartet auch schon. Los geht es. Soll ich euch mitnehmen?