Ja, wo laufen sie denn?

Da rennen sie wieder im Kreis, die mit den langen Beinen voraus. Dann kommen die Willigen, dann die Unwilligen und zum Schluss die, die nicht können, weil sie zu klein, zu füllig oder halt grobmotorisch sind.
Mich macht das traurig und ich fühle sehr mit.
Man blamiert sich halt öffentlich.
Schön finde ich es, wenn eine Lehrkraft mit den Langsamen mitläuft. Und auch mal nochmals werfen lässt.
Und doch ist es eine seltsame Veranstaltung. Man jubelt den Besten zu, das ist auch gut so. Doch diesen Jubel haben die guten Schüler im normalen Unterricht nicht, da gibt es eher Neid oder Schweigen.
Es kommt nicht so oft vor, dass die Klugen auch schnell und die Schnellen auch klug sind. Die mit den guten Leistungen sind nicht die Stars, die Sportlichen schon.
Ich komme ja aus einem Bundesland in dem es auch Preise und Belobigungen gab für gute Leistungen in allen Fächern. Ein Buch und eine Urkunde als Preis. Ich fand das schön.
Ein Kollege sagte mir mal, dass das die guten Schüler nicht bräuchten, sie hätten ja schon die guten Noten. Naja.

Die Landesschülervertretung des Landes Rheinland Pfalz fordert jetzt die Abschaffung der Bundesjugendspiele.

Die Bundesjugendspiele, an denen alle Schülerinnen bis zur 10. Klasse teilnehmen müssen, sind eine Zwangsveranstaltung und nehmen den Schülerinnen die Freiheit, selbst über ihre sportlichen Aktivitäten zu entscheiden. Statt den Spaß am Sport und die Motivation zur körperlichen Betätigung zu fördern, setzen die Bundesjugendspiele die Schüler*innen einem starken und absolut unfairen Wettbewerbsdruck aus. Daher fordern wir endlich die vollständige Abschaffung der Bundesjugendspiele.

Es geht immer um schneller, weiter, besser.
Andererseits ist das in allen anderen Fächern auch so, nur eben nicht so öffentlich. Man muss halt die Wörter kennen, Formeln anwenden und Texte verstehen können. Dafür gibt es auch Noten.

Die Bundesjugendspiele bieten kaum Raum für individuelle Verbesserung und führen zu Demütigungen für weniger leistungsstarke Schülerinnen. Die Kategorisierung nach Leistung und Geschlecht vernachlässigt wichtige Faktoren wie individuelle körperliche Voraussetzungen. Stattdessen fordern wir für alle Klassenstufen die Einführung von Sportfesten auf freiwilliger Basis, die den Fokus auf Miteinander und Teamarbeit legen und das Verständnis für den wichtigen Platz jedesr einzelnen Schülers*in innerhalb der Gruppe fördern

Fußballturniere, Handballspiele, Volleyball für Jungs und Mädchen. Spaßspiele mit viel Wasser und Bällen.
Das wären sinnvolle Alternativen.
Versuche gab und gibt es. Aber nun, man muss es auch wollen.

So, jetzt aber Tiktok.

Töpfern im Kleinen

Wo ist Russell Crowe?

String theory vom Fachmann erklärt

Lasso in modern

Tankkunst

Bei Wurfs daheim
Es geht weiter
Noch was mit Tieren

Und das sind Schwirrhölzer

Und das macht Spass

6 Gedanken zu “Ja, wo laufen sie denn?

  1. Gut beschrieben von dir in seiner Absurdität und Peinlichkeit. Und gut, dass das demütigende Ritual der Bundesjugendspiele endlich hinterfragt wird. Wer sportlich Erfolge feiern will, findet dazu neben der Schule genügend Möglichkeiten.
    Ich war immer Vorletzter.

  2. Ich war eine relativ gute Turnerin, aber Leichtathletik und Mannschaftsspiele (reine Mädchenklasse übrigens), na ja, körperlich eher zu den Kleinen, Zarten gehörend, war ich nicht gerade die Favoritin. Wenn ich nicht ansonsten gut gelitten gewesen wäre, die Wahl der Mannschaftsaufstellung wäre schon die Demütigung schlechthin: die unbestritten zwei besten Sportlerinnen wählten je nach Leistungseinschätzung ihr Team nacheinander aus. Spannend war das selten.

    Warum gehörte nur Tanzen nicht in den Sportunterricht?

    Bundesjugendspiele haben mich entsprechend nie interessiert, aber ich konnte sowohl bewundern als auch gönnen.

    • In Bayern, Gymnasium, steht durchaus immer wieder mal Tanzen im Lehrplan für das Fach Sport. Aber da steht auch, die Schüler und Schülerinnen „begründen die besondere Schutzbedürftigkeit von Natur und Umwelt und kennen die Gefahren, die durch rücksichtslos betriebenen Sport entstehen können“ – und das wird auch nicht gemacht. Die Sportlehrkräfte, männlich, die ich kenne, mögen Tanzen nicht besonders, und machen das deshalb kaum.

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