Heute im Wartezimmer

Zwei Brigitte habe ich geschafft.
Wollen Sie hören?
Dieser Sommer wird also geprägt sein von bunten und fließenden Gewändern, die immer aussehen, als ob sie Flügel hätten. Hier ein Läppchen, da ein Zipfel. Nun gut, muss man mögen. Die Schuhe sind so hoch geworden, dass man nicht mehr von Ausziehen sondern von Absteigen sprechen muss. Auch gut, in jungen Jahren habe ich gelernt, auf ganz dünnen und ganz hohen Absätzen zu gehen und zu stehen.
Vermutlich käme ich mit etwas Geländetraining in die alte Form zurück.
Auch das Gehen auf Plateausohlen ist mir geläufig. Wichtig ist nicht die Höhe des Briketts unter der Fußsohle sondern das Gefälle innerhalb des Schuhes. Wird das zu groß, erhöht sich der Wackelkoeffizient dermaßen, dass man keinen Vormittag in ihnen störungsfrei verbringen kann.
Das interessiert Sie nicht? Egal.
Nun zum Eigentlichen.
Ich habe seitenweise Oberschenkel und Hintern gesehen. Halbnackig, im Bikini oder kurzem Rock. Und, wie zu erwarten bei den guten Kameras, hatte jeder Popo Dellen. Jeder sichtbare Oberschenkel war gewellt.
Ja und, sagen Sie jetzt.
Nun, zu jedem Hinterteil gehört üblicherweise ein Kopf. Und die Köpfe zu den Dellen sind weltberühmt. Schauspielerinnen erste Güte und Bekanntheit hat man aufgelauert und ihre Rückseite geknipst.
Und zu welchem Zwecke?
Aus pädagogischem Eros. Man möchte zeigen, dass so weltberühmte Menschenkinder auch nicht anders sind als alle andern.
Ja, was erwartet ihr denn? Ein normaler Freibadbesuch oder ein Gang durch die Umkleide im Fitti machen doch klar, wie nackte Menschen aussehen. Dass da keine Gummihaut drüber ist.
Zum Verzweifeln ist das, dass man dafür extra Schauspielerinnenpopos braucht.
Ach ja, Ärztin wie immmer, hat bestimmt auch Dellen, ich auch.

Fremdeln

Wir waren lange weg und kommen zurück, so anders ist die Wohnung . Als ob es das Haus fremder Leute wäre. Es ist aufgeräumt für Besuch. Die Luft ist still und kühl. Die Wände sind verschoben und der Küchentisch steht anderswo. Es ist Klopapier da und die Zeitungen von Wochen liegt hoch aufeinander. Die Pflanzen haben alleine gelebt und sind etwas seltsam geworden. Im Kühlschrank wohnt ein Jogurt, schon lange. Einer hat vergessen zwei Tassen abzuspülen. Und im Gefrierfach liegen seltsambleiche Beutel ohne Schrift.

Auch die Aussicht ist anders. War vor dem Küchenfenster immer dieser Zweig? Auf den Stufen vor der Tür sind Tritte Fremder. Und daneben steht ein Eimer mit Vertrocknetem.

Wir haben uns getäuscht. Hier wohnen wir nicht. Komm, wir gehen.