Bad drei Teil drei

Jetzt endlich: das Natriumchlorid, also das Kochsalz. Wir hatten ja damit angefangen, Sie erinnern sich. Das Bergwerk in Merkers.
Nun, in Thüringen hat man richtige Lagerstätten. Die geförderten Salzbrocken kann man in Wasser auflösen und auskristallisieren lassen.
An anderer Stelle, am Meer, hat man genug Sonnenenergie, in flachen Becken das Wasser verdunsten zu lassen.
Aber was macht man, wenn man so lahme Solequellen hat mit geringem Salzgehalt?
Man könnte das Holz der umliegenden Wälder nehmen und das Salz einkochen, Salzsieder war mal ein Beruf. Dann ist halt irgendwann der Wald weg.
Oder man nimmt den long way, man lässt den Wind die Arbeit machen. Die Sole läuft über Äste von Weißdornbüschen, immer und immer wieder, so dass sich die Sole mit Salz anreichert. Also um Grade salzhaltiger wird. Also ein Gradierwerk.

Bad Nauheim hat fünf davon. Bei dieser irren Hitze nehmen wir das, was direkt anfahrbar ist. Dort sitzen schon Menschen auf Banken und mitgebrachten Klappstühlen und genießen die Verdunstungskälte direkt an der Wand. Man merkt es sofort, dass dort wo gerade kein Wasser tröpfelt, es gleich wärmer ist.
An den äußeren Streben fließt auch etwas Wasser entlang. Und dort bilden sich ganz feine Salzkristalle, die wie eine Blase aussehen und einem in der Hand zerbrechen. Leider ist mir die Hitze in den Verstand gekrochen, so dass ich kein einziges Kristallfoto mache.

Bad drei Teil zwei

Nun geht’s zum zweiten Ortsheiligen von Bad Nauheim: Albert Einstein.
Ja, das hätten sie nicht gedacht, oder?
1920 fand dort eine Konferenz wichtiger Naturwissenschaftler
statt, Thema war die Relativitätstheorie.
Die Wissenschaftler waren über die Stadt verteilt, da die einzelnen Räume im Sprudelhof nicht ausreichen. 2600 Teilnehmer! Ein berühmtes Foto wurde auf der Treppe des Sprudelhofs gemacht, heute wird sie renoviert. Auf dem Foto haben ich 25 Frauen gezählt. Das macht man so als Naturwissenschaftlerin.
Das Bad mit der Nummer acht gibt es nicht mehr, da ist ein Parkhaus. So habe ich eben den Eingang zu Nummer sechs fotografiert.
Und wo fand ein Teil der Konferenz statt? In der Kurstrasse Nr. 7.
Und wo haben wir geschlafen? Genau.


Ein weiteres berühmtes Physikerfoto ist von der Solvay Konferenz in Brüssel 1927
.
Ich finde, Heisenberg sieht ein bißchen verwegen aus, klar, er lässt nicht nicht festlegen (Insider) und Frau Curie krank. Wenn Sie noch weiter Lust auf Physikerfotos haben: hier sind noch weitere Solvay Konferenzen aufgeführt.

Die Wiederentdeckung der Konferenz
Einstein und die Relativität




Bad Nummer drei

Bad Nauheim hat zwei Ortsheilige und fünf Gradierwerke, einen Sprudelhof und einen Johannisberg. Mehr muss man nicht haben. Die Lage nördlich von Frankfurt, sanft an den Taunus geschmiegt, könnte nicht besser sein.

Bei ersten Ortsheiligen handelt es sich um the one and only Elvis Presley. Er war in der Nähe stationiert und lebte hier zuerst im Hotel, dann hatte er ein Haus gemietet. Es gibt ihn als Bronzefigur, als Wandgemälde, als Platz und als Stele. Der einzige Ort, der auf sowas verzichtet, ist sein Wohnhaus. Da lebt jetzt einfach jemand ohne Schild.
Wenn Sie mögen, es gibt jedes Jahr ein Elvis Festival in Bad Nauheim.

Nach einer solchen Überdosis Elvis kann man sich gut erholen im Schlosspark. An so heißen Tagen gibt es da schattige Ecken, viel Geflügel und seltene Bäume, so die kaukasische Flügelnuss. Sie sieht bei der Hitze noch am flottesten aus, liefert edles Holz, aus den Blättern kann man Fischgift machen und Bastelmaterial aus den Früchten.