wmdedgt / November 2015

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Frau Brüllen will es wissen. Immer am fünften eines Monats berichtet sie selbst und sammelt auch die Beiträge der anderen.

Nun, der Wecker geht um halb sieben. Eigentlich wäre ich ausgeschlafen gewesen, aber um zwei rum saß ich mit Alptraum im Nacken in Bett und konnte nicht mehr schlafen. Ich musste mich müde machen, und vergesslich, und schlief so um fünf wieder ein.
Das Aufstehen fällt also sehr schwer und dauert entsprechend. Ich bin froh, am Abend vorher schon die Kleiderfrage und die benötigten Unterlagen geklärt zu haben. Das Müslifrühstück landet teilweise auf dem blauen Pullover, kann aber ausgewaschen werden. Froh bin ich, dass ich in diesem Zombizustand nicht ans Steuer muss.
Herr croco fährt mich dann in die Nachbarstadt ins Krankenhaus.
Dort warten schon schön sortiert und beschriftet die Infusionsbeutel. Die anderen Patienten sind schon versorgt, jetzt bin ich dran. Die Piekserei durch den Port lässt mich meist erstarren, so geht die Nadel nie rein. Die Schwester wartet, bis ich wieder locker lasse. Dann läuft Flasche eins : Kochsalz. Das kalte Zeugs kühlt den Körper langsam von innen aus. Dann kommt die eigentliche Lösung, die ganz langsam tropft. Ein Infusionsautomat regelt die Tropfenanzahl, und meldet, wenn etwas nicht stimmt. Sein Ton führt beim mir fast zum Herzstillstand. Von den anderen Infusionsplätzen kommen nun Geschichten aus Dorf und Alltag, die ich jetzt aber leider weglassen muss. Nach über drei Stunden Getropfe rufe ich bei Herrn croco an und bitte um Abholung. Lauter unvorhersehbare Ereignisse führen dazu, dass ich fast ne Stunde warten muss. In der Zwischenzeit inspiziere ich den Unisexkrankenklo des Krankenhauses. Er ist völlig unspektakulär, da alles abschließbar ist und kein Pissoir vorhanden. Nun denn.
Dann werde ich abgeholt und darf mir das Mittagessen aussuchen. Italiener, Pizza Margerita. Ja, ich bin genügsam. Getränke brauche ich eigentlich nicht, habe ich doch literweise Zusatzflüssigkeit in mir.
Zuhause wurschtelt noch die Putzfrau, sie hat gerade die schlimmsten Baustellen in Arbeit. Als sie weg ist, gehe ich ins Bett und versuche meinen bebenden und müden Körper zur Ruhe zu bringen. Es klappt! Herr croco wartet noch so lange, bis ich wach bin. Er gibt Jogurt und er rast los zwecks Erledigung eines Marathonprogrammes. Mein Körper zittert und bebt immer noch, mein Verstand ist vernebelt und ich muss nun doch wieder liegen. Der Plan zu bügeln muss leider beerdigt werden.
So lese ich die Zeitung, ein bißchen Internet und schau mir dann die aufgezeichnete Nähsendung von gestern Abend an.
Als Schneiderinnentochter bin ich auf Fehler dressiert und mich stört alles, was krumm und schief ist. Es muss ein Rock mit langem Reißverschluss genäht werden, und ein Hemd soll partytauglich gepimpt werden. Die Kandidaten und Kandidatinnen sind interessant. Zwei kenne ich von ihren Blogs.
In der ersten Runde sind am Anfang die Schnitte vorgegeben und sie müssen nur der Puppe passen. Das gepimpte Hemd soll auch für die Puppe geschneidert werden. Dreieinhalb Stunden find ich zu knapp, auch für Schnellnäher. Und so gibt es eben Schludrigkeitsfehler, die die Profischneiderin sofort herausfinden. Guido Maria ist nur ab und an pingelig. Sind andere pingelig, verdreht er die Augen. Eine Designerin ist auch dabei, aber so nett, dass ich nicht weiß, was sie gesagt hat und wie sie heißt. Nebenher esse ich Äpfel aus dem eigenen Garten, ja, ohne Abneigung. Ich hatte ja kurzfristig eine Apfelphobie.
Jedenfalls gewinnt der rosa Schlangenlederrock der Schweizerin.
Dann finde ich, dass ich noch etwas mit und für meinen tauben Fingern tun muss. Ich lass mir vom NDR das Meer und die Halligen bei Sturmflut erklären und sticke nebenher. Mit Stickrahmen geht es schon ganz gut.
Dann kommt Herr croco zurückt und berichtet Erstaunliches.
Es waren eine politische Veranstaltung zu sozialen Themen und eine einer sozialen Einrichtung. Hochkarätig besetzt. Sind ja bald Wahlen.
Schon die Erzählungen strengen mich an.
Dann wird gegessen und dabei weiter berichtet.
Und dann fange ich an, den Tag zusammenzufassen.
Was hier mit geschehen ist.

Ach ja, vor dem Frühstück bin ich noch die Treppe herunter gefallen. Ein Bein war etwas sehr wackelig. Und ich habe jetzt Pflaster an den Händen, wir haben nämlich Pizzeriaverputz. Vermutlich ist auch der Po blau, vom Ploppplopppploppp.

Aber das ist nun auch egal.