Da war ich IV

Im Graben um die Burg wacht ein Krokodil. Wie alles in dieser Welt ist es aus Plastik. Plastikpalmen, Plastikschiff, Plastikdrachen. Wir sind mitten im Industriegebiet gelandet in der Zentrale der Plastikmännchen. Nicht weil wir kurzzeitig reinfantilisiert wurden, sondern weil wir IHN kaufen wollten. Nun ja, man stellt sich ja alles so einfach vor. Und ab da wird es kompliziert.
Vom Museum mit den Zwergelefanten, die Geschichte bekommen Sie auch noch, war es nicht weit zur Bushaltestelle. Kein Problem, sagte die Frau an der Kasse. Wir könnten auch in den Hafen runter laufen, von dort aus ginge ein Bus in das Industriegebiet. Wir müssten nur schauen, dass der Bus ein X davor hat, Schnellbus! So wanderten wir Richtung Hafen von Bushaltestelle zu Bushaltestelle. Kein X- Bus. Wir umrundeten den Hafen, bewunderten die Fischerboote, wanderten weiter. Immer noch kein X-Bus. Meine Füße taten mir weh und so setzten wir uns auf die Kaimauer. Nach einer Viertelstunde kam er! Wir hüpften rein. Hal Far? Der Busfahrer zuckte, dann nickte er und fuhr los. Bis zur nächsten Haltestelle. Dann packte er sein Brot aus und bedeutete uns, wir mögen den Bus verlassen. In einer dreiviertel Stunde könnten wir wieder kommen, dann Hal Far. Das Dorf war im Besitz einer großen Tanke, eines Eiscafés und eines Restaurants. Im Eiscafe suchte man uns die Telefonnummer raus vom Taxi. Das käme dann aus Valletta. Ja, in 45 Minuten. Also haben wir uns gefügt, ein Eis gegessen und ein Kinnie getrunken. Der Busfahrer brachte uns dann nach Hal Far und wir waren mitten in der Plastikwelt. Kinder tobten herum und es gab Männchen zu kaufen, auch Feen und Krankenschwestern, Schiffe und aufklappbare Pyramiden. Eigentlich alles bis auf IHN. Nein, sie würden ihn nicht kennen, nein, hier hätte man ihn auch nicht hergestellt. Mit einem müden Doch auf den Lippen zogen wir von dannen.
An den nächsten Haltestelle stiegen immer mehr Schatten zu, dunkelhãutige Männer mit leeren Augen und gesenktem Kopf. Hier musste also das legendäre Flüchtlingslager sein. Und da war es auch schon. Mitten im Nichts standen gestapelte Container, kein Baum, kein Schatten, und drum rum Stacheldraht: die materialisierte Trostlosigkeit. Hierher will keiner. Angeblich freut man sich auch, wenn es zur Abschiebung kommt. Irgendwo vor der Stadt stiegen alle aus und gingen in verschiedene Richtungen davon. Wohin wussten wir nicht. In Valletta sah man sie nicht.
Ja, und den Luther bekamen wir dann am Flughafen, Made in Malta, Hal Far stand drauf.

(Die Fotos und Geschichten kommen übrigens in der Reihenfolge, wie geraten werden sollten)

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Da war ich III

Nun, da schon alles erraten ist, will ich doch noch ein bißchen erzählen. Valletta, die Hauptstadt Maltas, ist hellgelb, so wie Jerusalem. Und das sieht sehr schön aus in der gleisenden Sonne, so golden. Wie gesagt, es gibt ein eine große Anzahl von Forts, Befestigungen gegen alle möglichen Interessenten. Nach dem Betrachten der Diashow Malta Experience habe ich plötzlich ein maltazentriertes Weltbild. Niemand kommt an Malta vorbei, es liegt auf halbem Weg zwischen Gibraltar und dem Suezkanal, immens strategisch. Dann gibt es Hochhäuser für Bevölkerung und zahlreiche Hotelgäste, auch in hellgelb. Und direkt in Valletta trägt man Balkon. Wofür man diese Glasvorbauen nutzt, außer für Rausgucken bei Prozessionen, ist mir schleierhaft. Ja, man ist hier römisch-katholisch und sogar der Papst war hier. Zahlreiche Inschriften und ein Denkmal erinnern einen daran. Die Sprache der Einheimischen klingt arabisch, ist es auch. Angeblich sind viele Wörter aus dem Französischen, Italienischen und Englischen eingebaut. Eine Dame erkläre mir das so, dass sie sich mit Libanesen verständigen kann, dass sei eben auch eine semitische Sprache, allerdings mit lateinischen Buchstaben, was einen schnell kirre macht.
Vor allem wenn man sich einer der über 80 Buslinien anvertraut. Ja, wir haben Abenteuerurlaub gemacht. Haltestellenraten, mal auf Englisch, mal auf Maltesisch. Am besten, man fragt im Bus rum, wo man aussteigen soll, wenn man da und da hin will. Die Leute sind unglaublich hilfsbereit. Allerdings geben sie auch bereitwillig und ausführlich Antwort, wenn sie keine Ahnung vom Sachverhalt haben.
Die Schutzmacht, die man gerufen hatte um Napoleon los zu werden, war übrigens das Vereinigte Königreich. Die Lust am Kolonie sein legte sich aber recht bald. Restbestände an rot angelaufenen Engländern tummeln sich aber immer noch überall auf der Insel.

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Wo war ich? II

Nun, man hat es hier mit den Booten. Die ganz kleinen stellt man her, alle anderen repariert man oder beherbergt sie. Dabei kam die Gefahr immer mit dem Wasser und auf dem Wasser. Schaut man die Geschichte an, sieht man nur Gefahr. Man wurde weiter gereicht von Besatzer zu Besatzer. Eine Schutzmacht hat man sich ausgesucht, sich später aber wieder davon gelöst.