Corona 157

Zwei neue Klassen und einen neuen Kurs habe ich in diesem Schuljahr. Der Rest bleibt beim alten. Schön: habe gleich zwei Mails bekommen, dass sie sich sehr auf den Unterricht mit mir freuen. Nach nur einer Stunde Unterricht hatte ich das noch nie. Die Kinder sind ausgehungert nach Schule, nach Unterricht, nach Menschen. Sie sagen, sie hätten zuhause nicht so viel gelernt, wie sie das in der Schule getan hätten über die Zeit der Schulschließung.
So versuchen wir, diesen Dampfer Schule in Bewegung zu halten, auch wenn einige Decks wohl geschlossen werden müssen. Das scheint das Ziel von Politik und Schulverwaltung zu sein: Verhinderung einer weiteren Schließung um jeden Preis.
Ob der Preis zu hoch sein wird?

Das Aufräumen des Arbeitszimmers artet aus. Die Riesensammlung an Unterrichtsmaterialen und Stundenverläufen muss kleiner werden. Ich sehe, dass ich zum Hamstern neige. Ich mache meinen Unterricht jedes Mal neu, was sehr aufwändig ist, aber dazu führt, dass es mir immer noch Spass macht. Ich bewahre aber alles auf, falls ich doch noch mal was benötigen sollte. Den Irrsinn dieser Argumentation sehe ich durchaus.

Heute waren Herr Laschet und Frau Merkel im Fernsehen und haben die hohen Coronawerte bedauert. Sie hat sich ein Hähähähä gegenüber dem Lockerer der Nation verkniffen. Und er spricht von Rücknahmen der Lockerungen. Soso. Zumindest hat NRW Bayern überholt bei der Anzahl der Coronafälle. Sauber, Herr Laschet.

Herr Spahn will den Karneval absagen. Darf der das denn? Haben wir nicht einen eigenen Karnevalsminister? Wir Rheinland Pfälzer lassen uns ungern von einem Niedersachsen die Fasnacht verbieten. Wenn, dann machen wir das selbst.

Einen Trost bietet Ernst Neger. Er weiß, dass alles wieder gut wird.

Corona 111+45 = 156

Im Blogbeitrag Cornona eins habe ich angefangen, Alltägliches im Zusammenhang mit Corona zu berichten. An diesem 14. März haben wir erfahren, dass die Schulen ab sofort geschlossen werden. Es folgten Wochen des reinen Fernunterrichtes. Danach kamen jeweils die Hälfte der Klassen und Kurse langsam wieder zur Schule. Die jeweils andere Hälfte wurde immer noch fernbeschult. Mit dem vorletzten Schultag am 2. Juli endete die Coronareihe mit dem Beitrag Corona hundertundelf.
Nun hat heute die Schule wieder begonnen. Die Schule ist voll, die Wege sind voll, die Schulhöfe sind voll. Fast alle tragen eine Maske, das mit den Abständen ist aber nicht durchzuhalten. Es sind einfach zu viele. Im Unterricht entfällt die Maskenpflicht. Händewaschen und „Fenster auf“ gelten immer noch. Im Lehrerzimmer herrscht eine Mischung aus kindlicher Zuversicht und Galgenhumor. Kaum einer rechnet damit, dass die Schule noch bis zu den Herbstferien geöffnet sein wird.
Alle haben Druck, jetzt noch schnell Organisatorischen zu regeln, bevor alles wieder Knall auf Fall, so wie im März, geschlossen wird. Die Schüler erzählen, wo sie überall in der Ferien waren. Am liebsten würde ich mir die Ohren zuhalten und laut Mimimimimi jammern. Ich will das alles nicht wissen. Ermahne sie aber, sobald ein bisschen Husten-Schnupfen-Halsweh auftaucht, das Haus nicht mehr zu verlassen. Und keinesfalls Richtung Schule aufzubrechen. Es wird alles nicht nützen, aber ich habe es jedenfalls gesagt.

Ansonsten beschäftige ich mich neben Arbeitszimmeraufräumen mit meinem Lieblingsregisseur. Bei seinem ersten Film muss ich wohl elf oder zwölf gewesen sein. Es war ein Sonntag Morgen, das weiß ich noch genau. Sonntag nach der Kirche war meine Zeit, da konnte ich das Programm bestimmen. Ansonsten wurde nach Mehrheit beschlossen, und der gehörte ich nie an. Sonntag kam Ballett, so lernte John Cranko kennen. Sonntag gab es balinesische Tempeltänze, mit der Folge, dass ich jahrelang lernte, wie man Beine und Hände verdreht. Und an einem Sonntag kam ein Film, der mich gefangen nahm. Nichts besonderes. Und es passierte nicht viel. Ein Mann reist mit einem Mädchen durch Deutschland um die Oma zu suchen. Diese Bilder! Diese Musik! Es war Alice in den Städten von Wim Wenders. Den Namen habe ich mir gemerkt. Und es ging weiter. Ich habe fast alle seine Filme gesehen, liebe sie, mal mehr, mal weniger, aber mir bleiben immer die Bilder und die Musik. Zu „Palermo shooting“ habe ich eine sehr internsive Beziehung. Nach einem existentiellen Erlebnis war ich in einem Frühjahr in Palermo, habe diese Fresco gesehn und war erschüttert. Erst zuhause erfuhr ich, dass es Wim Wenders ähnlich ergangen ist. Und dass er einen Film darüber gemacht hat.
Ach, Salz der Erde, Pina, es sind so viele neue, es gibt nicht nur Himmel über Berlin.
Wer schauen mag, die ARD stellt die Filme in der Mediathek vor.
Herr Wenders ist letzte Woche 75. geworden. Herzliche Gratulation!
Wim Wenders Filme in der Mediathek

Linkerei im August zwo

Morgen fängt die Schule wieder an und ich habe ein halb aufgeräumtes Arbeitszimmer unter dem Dach. Zuerst war es zu heiß zum Ordnung machen, jetzt bin ich zu schlapp. Meine Oberlippe zieren Herpesbläschen. So hat die Maske, wieder Mal, ihr Gutes.
Damit sich das Rumliegen und Schlaffsein nicht ganz als Nullnummer erweisen, hier ein paar gesammelte Links.

Mögen Sie mitreisen, obwohl Sie dieses Jahr zu Hause bleiben? So wie ich? Schauen Sie mal: Frau Rebis fährt auf dem Rad durch‘s Baltikum.
Wenn Sie ein bißchen Geld übrig haben, kaufen Sie sich doch eine Wohnhöhle in Granada, mit Alhambrablick. So eine Felshöhle ist hübsch kühl im Sommer und gut temperiert im Winter

Gestern hätte er Geburtstag gehabt: Roger Willemsen. Wir hatten lange keinen Fernseher, dann aber doch. Und er hatte eine Talkshow auf Permiere, die man ohne bezahlen gucken konnte. So erinnere ich mich wenigsten. Er war unglaublich. Seit 5 Jahren lebt er nicht mehr. So ein gebildeter, wortgewaltiger Mann fehlt sehr.

Vortrag zur Kommunikation als Mittel gegen Einsamkeit.

Frau Bauerfeind kauft Herrn Willemsen einen Schlafananzug.

Roger Willemsen befragt Madonna.

Nachtrag: