Corona einundvierzig

Die Sonne scheint, der Wind ist weg und es ist richtig warm.
Die Knospen des ersten Apfelbaumes sind aufgegangen und die Tulpen blühen um die Wette. Bin ich froh, dass ich im Herbst eine Pflanzorgie gestartet habe. Ich mag jetz die zarten Farben und die exotischen Formen der Blütenkelche.

Die Kursarbeiten sind schon angesetzt für die Zeit nach dem Schulbeginn. So muss ich langsam meine Schüler vorbereiten. Masken gibt es wieder zu kaufen, zu vernünftigen Preisen. Ich habe mir noch immer keine Stoffmaske genäht, irgend was blockiert in mir. Wir sollen sogar alle eine mit dem Landeswappen bekommen. Ich trage lieber die Chirurgenmasken. Ich habe noch irgendwo ein Kästchen mit Skalpellen aus dem Studium. Das könnte ich mir in die Tasche stecken, damit alles komplett ist.
Ob man sich an die Mimik der Augen gewöhnt? Ich schaue den Menschen meist auf den Mund, nicht in die Augen. Oder nur kurz.
Wenn ich in die Augen schaue, vergesse ich sofort, was ich sagen wollte. Und bin gefangen.

Wenn mir ganz langweilig wird, fange ich doch mit Archäologie und Ausgrabungstechnik an.
Hier gibt es Kurse für umme. Aber vermutlich ist es doch nicht die Zeit nachzudenken und dann noch so schwierige Sachen. Einfach in das pfanzliche Stadium verfallen und abzuwarten was kommt, das ist vielleicht die beste Strategie. Ich werde zur Tulpe, ganz einfach.

„Ich vermisse das Leben“.
Das schrieb mir heute ein Schüler.
Ich auch, mein Junge, ich auch.

Corona vierzig

Die Radiowerbung im WDR besteht heute aus Möbelhäusern und Prozenten.
Man solle strömen: Küchen, Küchen,Küchen.
Es ist nicht zu fassen, so obszön ist das.

Hier kann man die Bettenbelegung verschiedener Krankenhäuser nachschauen. Für die WDR-Hörer und und andere Möbelkäufer in so ungefähr 10 Tagen. Isch könnt misch widda uffresche.

Und wenn noch einer „das ist eh nur ne Grippe“ sagt, haue ich ihm das hier um die Ohren:
COVID19 ist eine Systemische Gefäßerkrankung

Montag soll in NRW die Maskenpflicht eingeführt werden. Ärzte sehen diese nach wie vor kritisch. Die Praxis, in der ich heute war, hat Maskenpflicht. Ich sitze also gesichtverbarrikadiert 40 km von zuhause in einem Wartezimmer, in dem noch eine junge Frau sitzt, ebenfalls gesichtsverbarrikadiert. Plötzlich sagt sie „ Hallo, Frau croco! Kennen Sie mich noch?“. „Ohne Maske vielleicht, so eher nicht.“ „ Ich hatte vor 10 Jahren bei Ihnen Unterricht.“ Sie wohnt 40 km in die andere Richtung.
Ich glaube, das mit der Anonymisierung durch eine Maske kann ich vergessen.
Die menschliche Software ist der elektronischen immer noch überlegen.

Hier noch ein Maskensinger

Corona neununddreißig

Ein eisiger Wind verdirbt einem heute den Spass am Draußen sein. So gibt es nur das im Hause rumwurschteln. Und natürlich all das Berufliche, darüber zu reden ist müßig. Die Schulleitung teilt was mit, die Landesregierung teilt was mit, die Fachschaft teilt was mit und will was wissen, der Personalrat teilt was mit, die Landesregierung teilt was mit……and so on.

Die Ladenbesitzer aus dem Bekanntenkreis basteln Zeugs um die Regeln für Kunden einhalten zu können. Und um ihr Personal zu schützen. Wohl dabei ist keinem. Die Bekleidungsläden sind voll mit schönen Sachen, die Buchläden mochten gerne frische Luft an ihre Bücher lassen.

Judith Holofernes interviewt ihre eigene Mutter. Diese ist Übersetzerin und hat sich als Kind überlegt, dass sie später so viel Geld verdienen muss, dass es für 10 Brötchen am Tag reicht.
Eine sehr interessante kluge Frau mit einem starken Freiheitsdrang. Ich bin begeistert.
Salon Holofernes

Und jetzt noch ein kleines Stück heile Welt.