Corona einundvierzig

Die Sonne scheint, der Wind ist weg und es ist richtig warm.
Die Knospen des ersten Apfelbaumes sind aufgegangen und die Tulpen blühen um die Wette. Bin ich froh, dass ich im Herbst eine Pflanzorgie gestartet habe. Ich mag jetz die zarten Farben und die exotischen Formen der Blütenkelche.

Die Kursarbeiten sind schon angesetzt für die Zeit nach dem Schulbeginn. So muss ich langsam meine Schüler vorbereiten. Masken gibt es wieder zu kaufen, zu vernünftigen Preisen. Ich habe mir noch immer keine Stoffmaske genäht, irgend was blockiert in mir. Wir sollen sogar alle eine mit dem Landeswappen bekommen. Ich trage lieber die Chirurgenmasken. Ich habe noch irgendwo ein Kästchen mit Skalpellen aus dem Studium. Das könnte ich mir in die Tasche stecken, damit alles komplett ist.
Ob man sich an die Mimik der Augen gewöhnt? Ich schaue den Menschen meist auf den Mund, nicht in die Augen. Oder nur kurz.
Wenn ich in die Augen schaue, vergesse ich sofort, was ich sagen wollte. Und bin gefangen.

Wenn mir ganz langweilig wird, fange ich doch mit Archäologie und Ausgrabungstechnik an.
Hier gibt es Kurse für umme. Aber vermutlich ist es doch nicht die Zeit nachzudenken und dann noch so schwierige Sachen. Einfach in das pfanzliche Stadium verfallen und abzuwarten was kommt, das ist vielleicht die beste Strategie. Ich werde zur Tulpe, ganz einfach.

„Ich vermisse das Leben“.
Das schrieb mir heute ein Schüler.
Ich auch, mein Junge, ich auch.

6 Gedanken zu “Corona einundvierzig

  1. Pingback: Corona einundvierzig — croco – romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

  2. Ich hatte mich schon auf die „Tulipan“ im Britzer Garten gefreut. Jedes Jahr gibt es dort Tulpen in allen Farben und Sorten zu sehen. Man fühlt sich fast wie in den Niederlanden. Dieses Jahr ist sie gesperrt. Die Wege zwischen den Rabatten sind zu eng. Schade! Aber es gibt ein nächstes Jahr und ein nächstes und ein nächstes. Man muss bis dahin nur überleben. Das Leben zurückhaben kann man nicht mehr, wenn man es verloren hat. Da meine ich nicht wortwörtlich, also verbunden mit dem Tod. Millionen Menschen auf der Welt, die vor Krieg und Hunger flüchten, wären froh, wenn sie ein Stückchen ihres alten Lebens wieder bekommen würden, die Freiheit und die Menschenwürde.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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