Corona vierzig

Die Radiowerbung im WDR besteht heute aus Möbelhäusern und Prozenten.
Man solle strömen: Küchen, Küchen,Küchen.
Es ist nicht zu fassen, so obszön ist das.

Hier kann man die Bettenbelegung verschiedener Krankenhäuser nachschauen. Für die WDR-Hörer und und andere Möbelkäufer in so ungefähr 10 Tagen. Isch könnt misch widda uffresche.

Und wenn noch einer „das ist eh nur ne Grippe“ sagt, haue ich ihm das hier um die Ohren:
COVID19 ist eine Systemische Gefäßerkrankung

Montag soll in NRW die Maskenpflicht eingeführt werden. Ärzte sehen diese nach wie vor kritisch. Die Praxis, in der ich heute war, hat Maskenpflicht. Ich sitze also gesichtverbarrikadiert 40 km von zuhause in einem Wartezimmer, in dem noch eine junge Frau sitzt, ebenfalls gesichtsverbarrikadiert. Plötzlich sagt sie „ Hallo, Frau croco! Kennen Sie mich noch?“. „Ohne Maske vielleicht, so eher nicht.“ „ Ich hatte vor 10 Jahren bei Ihnen Unterricht.“ Sie wohnt 40 km in die andere Richtung.
Ich glaube, das mit der Anonymisierung durch eine Maske kann ich vergessen.
Die menschliche Software ist der elektronischen immer noch überlegen.

Hier noch ein Maskensinger

12 Gedanken zu “Corona vierzig

  1. Als jemand der sein ganzes Berufsleben gewohnt ist mit Maske und somit auch mit maskierten Kollegen zu arbeiten bin ich gerade sehr verblüfft, wieviele Menschen z.B. davon ausgehen, dass man ein Lächeln (oder ein genervtes Gesicht) unter einer Maske nicht wahrnehmen könnte oder andere Menschen nicht erkennen könnte.
    Auch die von uns betreuten Kinder erkennen uns in der Regel sehr bald.
    Schwierig ist es wohl für hörbehinderte Menschen, die sich an der Bewegung der Lippen orientieren.
    Gruß
    Natalie

    • Der Focus wird sich auf Stimme und Augen verschieben.
      Die Verständigung in OP-Sälen und unter verschleierten Frauen ist ja noch nie bemängelt worden.
      Es wird halt ein bißchen dauern.
      Die Mundbewegung fehlt halt. Für Hörgeschädigte müsste man viel mehr Gebärden einsetzen.
      Doch das können nicht alle. Meine Cousine liest alles vom Mund ab.Für sie wird es sehr schwer werden.

  2. Was mich zur Zeit auch extrem nervt, sind die politischen Rangeleien, zu denen das Thema Lockerung der Maßnahmen benutzt wird. Der eine schreit hü, der andere hott. Herr Klingbeil von der SPD hat das gut auf den Punkt gebracht, als er in Richtung Laschet und Söder von Hahnenkämpfen potenzieller Kanzlerkandidaten gesprochen hat. Ziemlich widerlich, dass so ziemlich jedes Thema zur politischen Profilierung dient. Dass es aber immer schlimmer geht, zeigt der Blick nach Amerika. Wie dort der Präsidentendarsteller D.T. die sogenannten Presse- Briefings zu Wahlkampfauftritten umfunktioniert hat, ist einfach ekelhaft.

      • Ja, auch wenn ich nie gedacht hätte, dass ich das mal sagen würde: im Moment finde ich Söder auch besser.
        Und es ist wirklich ein zu ernstes Thema, um es politisch zu instrumentalisieren. In dem Zusammenhang haben sich ja auch mal wieder FDP und AfD zu Wort gemeldet, erwartungsgemäß war aber nichts brauchbares dabei.

      • Söder hat‘s. Nie htte ich gedacht, dass ich das mal sagen würde.
        Die anderen Parteien sind völlig überrascht worden, da kommt kaum Sinnvolles bei rum.

  3. Mein Smartphone erkennt mich nicht mehr. Es soll ja so intelligent sein und mich, wenn ich es wollte und es in den Einstellungen änderte, nach mehreren Versuchen auch mit Maske erkennen. Aber eher schreibe ich meinen Einkaufszettel wieder auf Papier, als Lehrerin für mein iPhone zu werden. Das mit dem Erkennen unter uns Menschen auch in maskierten Situationen ist wahrscheinlich so ähnlich, wie das Lesen ganzer Texte, bei denen die Wörter horizontal angeschnitten oder Buchstaben vertauscht wurden. Unser Gehirn hat eine extrem hohe Rechenleistung. Zusammen mit unserer Intuition sind wir der KI schon noch überlegen.

    • Genau so. Ich denke, die künstliche Intelligenz ist ein Popanz. Unsere Lebenserfahrung ist jedem elektronischen System überlegen. Und ohne Strom sind sie nichts, die Kleinen.

  4. Die junge Frau muss Sie gemocht haben, sonst hätte sie Sie nicht angesprochen. Ich hatte vor einigen Jahren mal beruflich in meiner früheren Schule zu tun und hatte mich gerade im Sekretariat angemeldet, als er reinkam. Obwohl es viele Jahre her war und er seither einen extrem dicken Bauch bekommen hatte, erkannte ich ihn sofort. Er mich zum Glück nicht. Was hätte ich auch sagen sollen? Belästigen Sie immer noch 14-Jährige?

    • Wie schrecklich! Vielleicht hätte man das auch sagen sollen. Meist sind es nur Gerüchte und keiner sagt es laut und deutlich. Das hätte Ihnen damals als Jugendliche sicher geholfen.

      • Er war unser Mathelehrer vom 7. bis 10. Schuljahr, außerdem hatten wir ihn auch noch in Physik, aber nur zwei Jahre, war im Wechsel mit Chemie, glaube ich. Er machte im Physikunterricht viele Experimente und suchte sich dann immer ein Mädchen heraus, das ihm bei der Vorbereitung im Nebenraum helfen sollte (es waren immer dieselben). Wir unterliefen das, indem wir immer zu viert gingen – das war ihm dann zuviel, er schickte dann zwei weg, aber so war man wenigstens nicht allein mit ihm, wo es sonst keine Zeugen gab.

        In der Oberstufe waren wir ihn dann los, das war eine andere Schule und im Gegensatz zu einigen anderen Lehrern unterrichtete er dort nicht. Ich hatte längst Abitur, als ich mal ein Mädchen kennenlernte, die einige Jahre nach uns bei ihm Unterricht hatte. Sie erzählte mir, dass er bei ihnen viel krasser wurde à la: „Du möchtest es nochmals erklärt haben, dann setz Dich auf meinen Schoß.“ Diese Mädchen beschwerten sich offiziell über ihn – doch man glaubte ihnen nicht. Ein paar Jahre später, die Mittelstufenschule feierte Jubiläum, traf ich meinen Klassenlehrer und sprach ihn darauf an. „Wir dachten, das seien Phantasien pubertierender Mädchen.“ Woraufhin ich antworte: „Schauen Sie ihn sich doch einmal an: Schweinsäuglein, Schweißgeruch und ein Faible für knallgelbe Socken in Sandalen. Glauben Sie ernsthaft, davon träumen junge Mädchen?“ Er war erschüttert und schockiert, als er hörte, dass sich so etwas schon zu unseren Schulzeiten subtil abzeichnete. Warum wir nie etwas gesagt hätten?
        Weil wir wussten, dass uns keiner glauben würde.

      • Wie traurig. Wenn es niemanden an einer Schule gibt, keine Vertrauenslehrer, keine Sekretärin, der man sich anvertrauen kann, ist man unglaublich allein mit solchen Erlebnissen. Früher war es sehr schwer, mit solchen Informationen durchzukommen bei der Leitung. Es ist leichter geworden mittlerweile. Habe da als Lehrerin auch schon genug mitbekommen.

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