Ich fasse es nicht. Die Spargelstecher sind zum Teil aus Quarantänegebieten in Rumänien. Die Bürgermeister haben Unbedenklichkeitsbescheinugungen ausgestellt.Quelle. Den Bauern hier wird langsam mulmig. Hoffen wir mal, dass alles gut ausgeht.
Gartenarbeit bei diesem Wetter ist eine Freude. Ich habe die Rosen ausgepackt. Sie haben schon Blätter. Zwei Rosensträucher wurden leider von den Wühlmäusen erlegt. Ich konnte sie einfach aus dem Boden ziehen.
Den Elektriker im Baumarkt getroffen, auf Abstand. Für ihn seien es gute Zeiten. Die Leute fahren nicht in den Urlaub, haben Geld in der Tasche und bestellen nun bei ihm. Für die lokalen Geschäfte läuft es ganz gut. Man ruft an, bestellt was und sie bringen es nach Hause. Hosen, Bücher, Fernseher, alles gibt es. Ich liebe meine Kleinstadt.
Ich merke, wie die Krise mir Energie entzieht. Der Schwung ist weg, alles lähmt mich. Was ich vor habe, kann ich ja auf morgen verschieben, oder gleich lassen. Menschen um mich herum inspirieren mich, fordern mich, ich brauche sie. Und jetzt sind sie weg. Telefonate gleichen das nicht aus. Und so werde ich, die von und mit Interaktionen lebt, aggressiv. Und kann mich selbst nicht leiden.
Die Sonne scheint wie blöd. Ich habe meine Blumentöpfe vor die Haustür gestellt, allerdings in Wannen. So dass ich sie schnell wieder herein holen kann, wenn es friert. Gestern habe ich festgestellt, dass Friedhofsgärtnereien geöffnet haben dürfen. So habe ich jetzt doch meine Tulpenstrauss und blühende Ranunkeln.
Die eingeflogenen Erntearbeiter beschäftigen mich. In Rumänien stehen sie stundenlang dicht an dicht am Flughafen. Kein Sicherheitsabstand. In Ungarn wurden darauf hin die Flüge gestoppt. Chaos überall.
Dabei bekommen sie nicht viel, pro Kilo grünem Spargel 50 Cent. Bei weißem Spargel ist es etwas mehr. Dann müssen sie noch Unterkunft und Verpflegung davon bezahlen. Quelle
Zuerst dachte ich, jetzt können ja die Leute aus der Gastronomie und den Hotels in der Pfalz und anderswo eingesetzt werden. Doch davon spricht keiner mehr. Es seinen ja Spezialkräfte, man könne da nicht jeden nehmen. Zu dem Preis. Doch wird der Spargel aus Frankreich und Spanien auch nur von Fachkräften gestochen? Ich kann mich erinnern, dass im Süden Spaniens viele Schwarzafrikaner auf den Feldern und in den Folientunneln waren. Auf La Palma lebten zwischen den Bananenstauden dunkelhäutige Menschen in Hütten aus Brettern und Folien.
Fände sich wirklich niemand anderes mehr für etwas mehr Geld? Erntehelfer war doch früher ein Studentenjob. 9.35€ beträgt jetzt der Stundenlohn, für Unterkunft und Essen sind ca. 12.50€ fällig. Wieviel sie an die Vermittler abgeben müssen, weiß ich nicht. Saisonarbeit in Deutschland
Im Internet sieht man jetzt die ausgehobenen Massengräber auf einer Insel vor New York. Weiße Kiste an weißer Kiste. Das tut weh. Einfach schnell weg. Vor Jahren bin ich über einen Friedhof gegangen, der an ein Konzentrationslager im Moor angeschlossen war. 5000 Gräber gab es da. Und es dauert sehr lange, diese abzulaufen.
Und doch geht alles weiter, irgendwie. Der wütende schweizer Arzt von gestern geht mir nicht aus dem Kopf. Und unsere westliche Arroganz.
Gestern haben wir Maria Theresia auf ARTE fertig geguckt. Sehr eindrucksvolle Serie ist das. Wie Politik von Beratern abhängt, und vom Verbündete finden, ist mir jetzt wieder klar geworden. Die Schauspieler sind sowas von toll, die Ausstattung ebenfalls. Nur hat man zur 3. Folge die Maria Theresia ausgetauscht, alle anderen Schauspieler sind geblieben. Nummer zwo nimmt man einfach den Liebreiz nicht mehr ab. Ich wäre übrigens mit dem Ungarn abgehauen, aber mich fragt ja keiner. Meine Großmutter hat sie so verehrt, dass sie eine ihrer sieben Töchter Maria und die nächste Theresia taufen hat lassen.
Zum Schluss noch ein Aufmunterungslied. Irgendwie passt es in die Zeit. Und es kommt ein Krokodil drin vor.
Vor achtzehn Tagen habe ich schon mal berichtet, wie Menschen in anderen Ländern diese Zeit erleben. In Corona neun habe ich von Christine in Cannes und Wolfram aus dem Südwestern Frankreichs berichtet.
Jetzt möchte ich das Blog Berlin 8900 km vorstellen. Claudia ist mit einem Japaner verheiratet und lebt in der Nähe von Tokyo. Sie erwarten ein Baby. Und sie erklärt vieles sehr Interessantes aus dem alltäglichen Leben.
Ein Ehepaar und ihr kleiner Sohn lebten drei Jahre in Singapur. Sie sind jetzt auf dem Weg zurück nach München. Auf dem Landweg. From Singapore to Munich
Marion und Alexander sind nach Dänemark gezogen und berichten von ihrem Leben dort. Meermond nenne sie ihr Blog. Die Fotos vom blauen Meer sind gigantisch.
Durch Smilla Dankert habe ich bei Twitter einen Artikel gefunden, in dem ein wütender schweizer Arzt die Fehler des Westens analysiert. „Die lässige Grosszügigkeit, wenn andere sterben, ist in unserer Gesellschaft nicht zu übersehen.“
Ansonsten sind jetzt die ersten Erntehelfer da aus Rumänien. Es gibt strenge Auflagen, die dürfen die Höfe nicht verlassen. Ob das den Spargel wert ist? Bisher gibt es noch keinen im Supermarkt.
Allerdings haben sie jetzt wieder Discopersonal als Security. Sie schäkern mit den jungen Kassiererinnen und weisen Kunden zurecht. Eine der Kassendamen zwinkert mir zu. Er hat ein unglaubliches Selbstbewusstsein, meinte sie.
Ja, antwortet ich, er hat bestimmt lange dafür gebraucht.
Er schaut sehr irritiert: Mir hat es noch nie geschadet.
Kommt noch, dachte ich, kommt noch.
So, jetzt noch ein paar gesungene Tulpen.
Mit Heintje.