Corona achtundzwanzig

Die Sonne scheint wie blöd. Ich habe meine Blumentöpfe vor die Haustür gestellt, allerdings in Wannen. So dass ich sie schnell wieder herein holen kann, wenn es friert. Gestern habe ich festgestellt, dass Friedhofsgärtnereien geöffnet haben dürfen. So habe ich jetzt doch meine Tulpenstrauss und blühende Ranunkeln.

Die eingeflogenen Erntearbeiter beschäftigen mich. In Rumänien  stehen sie stundenlang dicht an dicht am Flughafen. Kein Sicherheitsabstand. In Ungarn wurden darauf hin die Flüge gestoppt. Chaos überall.

Dabei bekommen sie nicht viel, pro Kilo grünem Spargel 50 Cent. Bei weißem Spargel ist es etwas mehr. Dann müssen sie noch Unterkunft und Verpflegung davon bezahlen. Quelle

Zuerst dachte ich, jetzt können ja die Leute aus der Gastronomie und den Hotels in der Pfalz und anderswo eingesetzt werden. Doch davon spricht keiner mehr. Es seinen ja Spezialkräfte, man könne da nicht jeden nehmen. Zu dem Preis. Doch wird der Spargel aus Frankreich und Spanien auch nur von Fachkräften gestochen? Ich kann mich erinnern, dass im Süden Spaniens viele Schwarzafrikaner auf den Feldern und in den Folientunneln waren. Auf La Palma lebten zwischen den Bananenstauden dunkelhäutige Menschen in Hütten aus Brettern und Folien.

Fände sich wirklich niemand anderes mehr für etwas mehr Geld? Erntehelfer war doch früher ein Studentenjob. 9.35€ beträgt jetzt der Stundenlohn, für Unterkunft und Essen sind ca. 12.50€ fällig. Wieviel sie an die Vermittler abgeben müssen, weiß ich nicht. Saisonarbeit in Deutschland

Im Internet sieht man jetzt die ausgehobenen Massengräber auf einer Insel vor New York. Weiße Kiste an weißer Kiste. Das tut weh. Einfach schnell weg. Vor Jahren bin ich über einen Friedhof gegangen, der an ein Konzentrationslager im Moor angeschlossen war.  5000 Gräber gab es da. Und es dauert sehr lange, diese abzulaufen.

Und doch geht alles weiter, irgendwie. Der wütende schweizer Arzt von gestern geht mir nicht aus dem Kopf. Und unsere westliche Arroganz.

Gestern haben wir Maria Theresia auf ARTE fertig geguckt. Sehr eindrucksvolle Serie ist das. Wie Politik von Beratern abhängt, und vom Verbündete finden, ist mir jetzt wieder klar geworden. Die Schauspieler sind sowas von toll, die Ausstattung ebenfalls. Nur hat man zur 3. Folge die Maria Theresia ausgetauscht, alle anderen Schauspieler sind geblieben. Nummer zwo nimmt man einfach den Liebreiz nicht mehr ab. Ich wäre übrigens mit dem Ungarn abgehauen, aber mich fragt ja keiner. Meine Großmutter hat sie so verehrt, dass sie eine ihrer sieben Töchter Maria und die nächste Theresia taufen hat lassen.

Zum Schluss noch ein Aufmunterungslied. Irgendwie passt es in die Zeit. Und es kommt ein Krokodil drin vor.

 

 

7 Gedanken zu “Corona achtundzwanzig

  1. Spargestechen ist tatsächlich nicht so einfach. Wenn man falsch sticht, zerstört man die Wurzel und ruiniert schlimmstenfalls das Feld. Außerdem muss man die Stangen ja auch noch heil aus der Erde ziehen, für ein Kilo Spargelbruch gibt es weniger am Verkaufsstand. Und das alles auch noch in einem gewissen Tempo. Abgesehen davon ist es körperlich sehr anstrengend, und nicht zu vergessen, Wetter gibt es draußen auch.

    Wenn die osteuropäischen Spargelstecher von ihrem nicht gerade üppigen Lohn auch noch so viel für Kost und Logis abgezogen bekommen, ist das einfach fies. Ein guter Spargelstecher schafft fünf Stangen in der Minute, 120 Kilo in einer Tagesschicht (Quelle). Ich könnte fast wetten, dass die Unterkunft im Mehrbettzimmer und die Verpflegung auf diesem Spargelhof nahe Münster keine 11,50 Euro am Tag wert waren. So etwas ist nicht nur dreist, es ist auch dumm. Bereits seit 2015 haben Landwirte hierzulande Schwierigkeiten, genügend Erntehelfer aus Osteuropa zu finden, in den vergangenen Jahren ist deshalb schon so einiges auf den Feldern verfault. Osteuropäische Erntehelfer arbeiteten lieber in Belgien, weil dort höhere Stundenlöhne gezahlt werden.

    • Handwerkliches Geschick und körperliche Belastbarkeit, das passt ja eigentlich gut zu den Mitarbeitern der Gastronomie. Die bekommen aber Kurzarbeitergeld und dürfen nicht viel dazuverdienen. Das habe ich jetzt irgendwo gelesen. Tja.

      • Es hängt davon ab, wie hoch ihr normales Nettogehalt ist. Vom 1. April bis zum 31. Oktober 2020 darf man in der Kurzarbeit eine Beschäftigung in einem systemrelevanten Sektor aufnehmen und muss sich diesen Verdienst nicht aufs Kurzarbeitergeld anrechnen lassen. Allerdings darf das Gesamteinkommen aus noch gezahltem Arbeitseinkommen und dem Kurzarbeitergeld sowie dem Hinzuverdienst das normale Nettoeinkommen nicht übersteigen (Quelle: Arbeitsagentur). Lebensmittelhandel und Landwirtschaft sind explizit aufgeführt.

  2. Mist, ein HTML-Tag vergessen. Können Sie das reparieren?

    Warum nur gibt es bei nur wenigen WordPress-Blogs eine „Bearbeiten“-Funktion?

    • Danke. Vielleicht ist das mit den 8-10 Stunden auf den Feldern nicht passend.
      Link habe ich repariert. Ich weiß nicht, wo man bei WordPress zulassen kann, dass Kommentare geändert werden können.

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