Corona 234

Gestern am Abend gab es ein schreckliches Attentat in Wien. Wer noch irgendwas aushält, mag dieses Artikel von der Zeitung Falter dazu lesen.

Über 15.000 Erkrankte und 103 Tote gestern, das wären fast drei Busse voller Menschen. Wäre da ein Unglück passiert, hätte man schon längst Schweigeminuten im Land abgehalten und Schilder mit WARUM? da stehen. Sie sterben einfach so.
Und unsere Medien beschäftigen sich mit dem wirtschaftlichen Ausfall des Lockdowns. Und dem doofen Herrn Merz, der, wenn alles dumm kommt, noch CDU-Vorsitzender wird und Kanzlerkandidat.

Tief in meiner Seele bin ich Botanikerin. Diese Wesen, die ganz langsam vor sich hin wachsen, kaum einem was zuleide tun und von den meisten heterotrophen Organismen als Nahrung betrachtet werden, haben es mir angetan. So rührt mich sehr der Schutz der Botanik durch Graffiti. Wahrnehmen, dass da etwas lebt, leben darf und einen Namen hat.

Gestern beim Bügeln habe ich mich mit Melania Trump beschäftigt. Ich dachte, bevor sie nur noch eine Fußnote der Geschichte ist, ist es vielleicht ganz interessant zu erfahren, wie man es schafft, einfach nur Puppe zu werden. Eigentlich erfährt man es im Film auch nicht, aber klar wird, welches Männerbild zu welchem Frauenbild passt. Und dass die Republikanerfrauen alle ähnlich aussehen müssen: sie tragen hohe Schuhe und enge Röcke, damit sie nicht fliehen können. Das ist natürlich meine Interpretation. Beim Film habe ich ein paar Mal gedacht: Renn, Melania, rennt!
Hier geht es zur ARTE-Dokumentation über Melania Trump. Ich gebe zu, dass das ganze Wahltheater nicht mehr aushalte. Und jedes Land irgendwie den Chef hat, den es auch verdient hat.
So hat Neuseeland wohl Jacinda Ardern verdient und wiedergewählt, eine einfühlsame und kluge Frau, die das Land nach dem Attentat in Christchurch versöhnt und sich um die Opfer nicht um die Täter kümmerte. So hat ihre Coronapolitik das Land nahezu frei von Codvid 19 gehalten. Und sie hat gestern Nanaia Mahuta zur Außenministern ernannt, sie ist Maori. Darauf einen unglaublich beeindruckenden Haka.

(Vielleicht hilft er auch bei der Wahl heute in den USA)

Corona 233

Bei jedem, der sagt “Oh, die Bars haben zu!“ zu denken, ach, du warst das.
Frau Merkel hat sich heute wieder sehr viel Mühe gegeben, ihrem Volk zu erklären was Sache ist. Es geht um die Anzahl der Kontakte. Das ist eben der Preis für die geöffneten Schulen und Kindertagesstätten. Gegen den Unterricht zuhause haben ja alle lang genug gewettert.
Sagen wir mal, eine Maske schützt den anderen, weil sie 90% der Tröpfchen anhält durch die Gegend zu fliegen. Das gilt für einen Kontakt. Beim nächsten sind es wieder 90%. Bei 10 Kontakten ist die Bonuskarte aufgebraucht und es kommt zur Amsteckung, rein statistisch gesehen. Also Kontakte runter.
Und wenn das nicht klappt, kommt der ganze Bums zu.
Auch wenn die skurrilen Demos gegen ein Virus zum Gottesdienst umbenannt werden. Gibt es einen Gott der Doofheit?
Wenn man heute die Deutschlandkarte anschaut, sieht man, dass zusammenwächst, was zusammengehört. Der Osten wird rot.
Ab 50 Infizierte pro 100.000 schaffen die Gesundheitsämter die Nachverfolgung nicht mehr. Und wir sind jetzt im Schnitt bei 120/ 100.000.
Da muss man schon selbst die Kontakte benachrichtigen, wenn man positiv getestet wurde.

Heute war so viel Belastendes, dass ruhige Musik gut tut.
Kennen Sie den Hang? Und wer hat‘s erfunden? Die Schweizer. Heute heißen sie Handpans, aus urheberrechtlichen Gründen.

Corona 232

Corona nervt. Besser: es nerven die Leute, die noch ganz schnell was machen müssen, was ab morgen verboten ist. Essen gehen, Fitness, Bars. Ich fasse es nicht. In München demonstriert man wieder gegen die Maßnahmen. Das wäre ein guter Angriffsort für den hauptberuflichen Anstecker.
Das Wort Triage nimmt wieder Raum ein.

In den USA steigen die Waffenverkäufe und die Geschäfte werden verrammelt. Herr Trump hetzt, trägt Handschuhe und streckt die Zunge raus. Herr Obama und Herr Biden springen wie junge Hüpfer zur Rednertribühne. Stelle mir gerade vor Frau Merkel oder Herr Merz hüpfen irgendwo hoch.

Heute bringe ich nichts zustande. Habe viel Schreibtisch hinter mir und bin endlos müde.
Dann kommen noch die Telefonate mit der Pflegekraft, Königin Elisabeth und dem Sanitäter hinzu, die meinem Blutdruck nicht gut tun. Irgendwie scheint es doch gut zu werden.

Es gibt aber doch ein paar niedliche Videos. Die Plakate hängen vor der Schule. Und sie werben für Pflegeberufe.

Ein Reinhard Mey geht noch. Ein sehr schönes und rührendes Liebeslied ist das.