Corona einundsiebzig

Jetzt schreibe ich schon : Corinna einundsiebzig.
Langsam reicht es mir. Mein Gehirn macht Blödsinn.

Diese täglichen Berichte über neue Ausbrüche, das Restaurant in Leer, der Gottesdienst einer Baptistengemeinde in Frankfurt, ein Flüchtlingsheim in St. Augustin, wieder ein Fleischereibetrieb.
Leute, muss das sein?
Die Risiken sind bekannt, lasst es einfach.
Die Überraschung, dass eingepferchte Menschen sich gegenseitig anstecken, ist sowas von geheuchelt.

Heute waren wir weiter weg spazieren. Es war schön am kleinen Fluss und an der Klosterkirche. Auf dem Wanderweg den Bach entlang waren aber zu viele Leute. So sind wir steil den Berg hoch und durch den Wald. Und so waren wir ganz alleine, auch mal schön ;).

Jetzt zu einem ernsthaften Musiker, zu Helge Schneider.
Ich war in mehreren Konzerten, eines in der Philharmonie in Köln und eines in der Beethovenhalle in Bonn.
Er ist ein Jazzmusiker mit Witz und einem skurrilen Humor.
Gerade habe ich die Sendung im Bayrischen Rundfunk gehört: Jazz und mehr: Helge und Ludwig

Die Mücke und Beethoven.

Helga bei Inas Nacht

Corona siebzig

So schönes Wetter. Im Garten sitzen und lesen, das ist der Nachmittag. Dann ein Telefonanruf, ich gehe rein und als ich aufschaue, regnet es. Mein Sitzkissen ist nass, und der Côte-azur-Krimi ist nun feucht vom Mittelgebirgsregen.

Wussten Sie, dass jeder Berliner Baum kartiert ist? Und dann man ihn mit Wasser versorgen kann und muss? Es regnet viel zu wenig, auch für die Strassenbäume.Gies den Kiez, für die Berliner.

Den Regengeruch mag ich sehr.
Wussten Sie, dass das Pflanzenöle sind, die frei werden, wenn es regnet? Petrichor nennt man den Geruch. Wasser riecht nämlich nach nichts. Ich finde auch, Regen riecht nicht überall gleich. Den Regenduft kann man übrigens kaufen.
Es riecht nach Regen.

Michael Holm hat entscheidend meine Liebe zum Regen unterstützt.

Corona neunundsechzig

Was für ein schöner Tag!
Im Garten sitzen, lesen, überbackene Tomatenbrote zu Mittag. Dann ein bißchen durch den Wald cruisen, im Café draußen sitzen und Kuchen essen, durch die Stadt bummeln und im Freien einen Salat essen, mit Walnüssen.
Eine Last ist von mir gefallen. Einem Menschen, dem es sehr schlecht ging, geht es wieder besser. Und er ist sehr gut untergebracht.
Durch das Dorf brettern Motorräder. Den Kennzeichen nach ist das halbe Rheinland hier eingefallen. An der Tanke fährt ein Trupp wild aussehender Motorradfahrer vor. Sie steigen ab und jeder zieht sofort eine selbst genähte Maske aus der Brusttasche und zieht sie über die Ohren.
Im Café sind wir übrigens die einzigen Gäste.

Erika Pluhar, ich mag sie sehr. Früher habe ich viel von ihr gehört, und manche Lieder kann ich Wort für Wort mitsingen. Im Netz findet man sie aber kaum. Ich habe selten jemanden so intensives erlebt in einem Konzert wie sie. Eine unglaubliche Präsenz, sie ist einfach nur da, erzählt und singt.
Eine begnadete Schauspielerin ist sie auch.
Und doch wird sie immer wieder nur auf ihr großen Lieben angesprochen, Udo Proksch, den man nicht in Worte fassen kann, und dem Genie André Heller. Und ihre verstorbene Tocher Anna. Wenn ein Mensch schon alles erlebt hat, was man erleben kann, dann ist es Erika Pluhar.

Sie ist 80 geworden im letzten Jahr.
„Sie erinnert sich an ein prägendes Erlebnis in ihrer Kindheit: Sie war mit Jungen in der Donau baden – und fürchtete sich vor den tiefen Strudeln im Fluss. Die Jungen rieten ihr, sich von den Strudeln herunterziehen zu lassen und am tiefsten Punkt am Grund abzustoßen. „Für mich ist das zu einer Parabel geworden: Man muss der Trauer wirklich die Tiefe lassen und sie wirklich bis in die tiefste Tiefe ausloten. Dann kann man wieder auftauchen und weiterleben.“

Erika Pluhar und Andre Heller im Interview.