Corona 387

Ich muss mich beeilen, dass ich vor der Sperrstunde zu Hause bin. Das ist ein Satz, von dem ich nie dachte, dass ich ihn je sagen würde. Ich kenne ihn von meinem Vater, wenn er aus der Besatzungszeit erzählte, dass die Franzosen sehr scharf waren, wenn Leute auf der Straße rumliefen nach der Sperrstunde.Die Zahlen der Infizierten steigen weiterhin rasant, der Anteil der britischen Variante liegt mittlerweile bei 80 % . In Indien ist jetzt ein Virus entdeckt worden, der beide Modifikationen enthält, also die der britischen und der brasilianischen Variante. Ich hoffe nur, dass die Impferei etwas schneller geht. Hier haben die Hausärzte schon angefangen zu impfen und telefonieren ihren chronisch kranken Patienten hinterher. Auf dem Bolzplatz im Dorf hält sich keiner an irgendwelche Abstandsregeln. Und in einem Haus sah alles schwer nach größerer Kindergeburtstagsfeier aus.

Was bleibt an Vergnügungen für die Osterferien? Da nun die Semana Santa dieses Jahr entfällt, und mein Lieblingsziele Spanien oder Spanien oder Spanien komplett wegfallen, bleibt nur, mich meinem leicht verwilderten Garten zu widmen. Was da wächst ist alles irgendwie schön. Man kann es essen wie die Früchte der Apfelbäumche, die Beeren der Johannesbeer- und Stachelbeersträucher, die Maulbeeren, falls Vögel nicht schneller waren. Dieses Jahr möchte ich mehr Stockrosen. Ich habe zwar alles vorbereitet zum Anzucht der Sämlinge, aber ich hatte den Dreh noch nicht gefunden. Es war einfach zu kalt.

Mehr Wildnis wagen, genau so sieht’s hier aus. Spektrum der Wissenschaften widmet dem Gärtnern an eine ganze Serie von Artikeln. Die Pflanze in meinem Garten leben selbstbestimmt. Ich tue was ich kann, halte ihnen zu aggressives Unkraut vom Leibe, aber dann müssen sie schauen, wo sie bleiben. Zu sehr hätscheln bringt nichts und sie werden nur verzogen. Zu Füßen bekommen sie im Herbst Hornmehl und Steinmehl, das muss genügen. Manches gedeiht, manches bleibt gerade so, manches verkümmert. Was mich liebt, sind Storchenschnabel, Kletterhortensie, Farne und Rosen. Gemäht wird selten, so dass es viele Wiesenblumen gibt es Jahr über. Im kleinen Teich leben Molche, manchmal gibt es Laich von Laubfrösche und Kröten. Und ich glaube, dass auch eine Ringelnatter für länger hier eingezogen ist. Ich habe sie zumindest im letzten Sommer hier schwimmen sehen. Mit Schnecken und Blattläusen gibt es keine Probleme. Da sorgt schon die ganze Vogelschar dafür, die sich so bedankt, dass wir sie den Winter durch gefüttert haben.Es ist so ein Biologengarten, der Menschen mit Hochbeeten und Salat in strammen Reihe etwas verunsichert.

Ich weiß nicht, ob das stimmt, dass Gärtnern glücklich macht. Auf jeden Fall macht es glücklich, im Garten zu sein. Ich bin jedenfalls ein Hängemattenjunkie.

Corona 386

Was für ein Tag! Als ich heute Morgen am Rechner saß und wieder Listen und eingehende E-Mails verglichen habe und fast verrückt wurde dabei, kam die Nachricht, dass die Kanzlerin das Durcheinander von gestern zurückgenommen und sich dafür entschuldigt hat. Das hat wirklich Größe! Ich weiß schon, dass sie die Macht gesucht hat und sie auch ausfüllen wollte. Aber dass sie jetzt an einem Punkt angelangt ist, bei dem sie auch nicht mehr weiß, was zu tun ist, verstehe ich so gut. Die Rechtslage ist äußerst problematisch. Ich denke, dass wenn Corona vorbei ist, wir ein ordentliches Seuchenschutzgesetz brauchen. Da muss eine Behörde zuständig sein, ein Katastrophenministerium, das Rechte hat und durchgreifen kann. Diese Entscheidungen müssen wissenschaftlich untermauert sein. Selbstverständlich sollen sie dann als Paket im Parlament vorgestellt werden und dort beraten und verabschiedet. Ein solches Gegurke der Zuständigkeiten und der verschiedenen Eitelkeiten verschiedener Ministerpräsidenten darf es nie wieder geben. Es gab Zeiten, da habe ich Herrn Ramelow geschätzt. Im Moment denke ich aber, dass er ein gewaltiger Stinkstiefel ist. Diese abfälligen Kommentare nach jeder Ministerpräsidentenrunde haben schon besondere Qualität.

Meine vorgesetzte Behörde setzt Präsenzpflicht an für nach den Osterferien. Die Lehrer sollen die Schüler beaufsichtigen, während diese sich selbst testen. Das hat nun besondere Qualität. Die Kinder nehmen also in einem Raum, in der Maskenpflicht ist, die selbe ab und drücken sich ein Q-Tip in die Nase, oder spucken auf ein Plastikteil. Also wenn ich was verbreiten will, dann mache ich es genauso. Ach ja, in Rheinland Pfalz impft man nur die Grundschullehrer und die in den Förderschulen. Die am Gymnasium und den Berufsschulen werden schon überleben, ist auch ein zähes Volk das.

Zum Mittag gab es wieder grünen Spargel, dieses Mal in Papier gewickelt und aus dem Ofen, mit Ingwer und Möhrchen dekoriert. Dazu Kartoffeln und Hähnchenfilet. Zur Zeit habe ich einen Hang zu Festessen. Ansonsten wurden zwei Äste abgesägt, die der Sturm den Bäume abgerissen hatte. Dann wurden fünf kleine Vogelnestchen aufgehängt und ein Vogelhäuschen von einem toten Spatz befreit. Merkwürdigerweise fangen gerade die Pfingstrosen an ihre Blätter aus dem Boden zu strecken. Leute, es ist Ostern!

Die Nestchen sind allerliebst und vom British Shop

Corona 385

Achja, Frau Merkel ist fertig. Herr Kretschmann auch. Müde. Erschöpft. Ich hatte mir härtere Regeln versprochen von der nächtlichen Konferenz. Und in der Tagesschau wird wieder gejammert wegen finanziellem Ausfall.
Jetzt weiß wieder keiner, was ein Ruhetag ist. Rumliegen, Leute rumliegen. Gründonnerstag wird spannend.
Über Schule hat sich wieder keiner geäußert. Wir zählen da wohl als Großversuch. Mal gucken, wie es läuft.

Bei Joel habe ich die Montags Frage gefunden. Die Kaltmamsell hat mir noch mal Mut gemacht, einzusteigen. Wann ich angefangen habe zu bloggen? Das war im Januar 2005. Ich war vorher in kleinen Foren unterwegs, die sich hauptsächlich mit Gedichten beschäftigen. Mochte das damals sehr und schrieb eifrig mit. Im Unterricht sollte ich dann HTML unterrichten und ich suchte eine Form, wie ich das für die Schüler interessant machen konnte. So fand ich etwas bei myblog. Damals half mir Angela vom Strickblog sehr. Sie zeigte mir, wie man Bilder anderswo speichert, photobucket hieß das, und einbindet. Ute war mein erster Kontakt im Internet. Sie machte so tolle Fotos aus Meißen, ich war ganz begeistert. Dass sie das von Beruf ist, Journalistin, da bin ich nicht drauf gekommen. Wir kamen schnell in Kontakt und trafen uns sogar in Berlin und hingen einen lebensentscheidenden Abend in einer Bar rum. Das Wortschnittchen habe ich von Anfang an gelesen, Frau Klugscheißer, Cucina, Kitty Koma, Frau Herzbruch und Frau Novemberregen, Herrn Mequito. Alle anderen sind mit der Zeit aus dem Netz verschwunden.

Meine ersten Beiträge bei Croco myblog hab ich wieder gelöscht. Ich hatte damals eine Reptilienphase. Eine Reise nach Ägypten stand bevor, und ich hoffte, dort Krokodile in freier Wildbahn zu sehen. So gab es einfach der Reihe nach Texte, die sich mit Reptilien beschäftigen. Im Nachhinein drücken sie nicht das aus, was ich danach mit dem Blog sagen wollte.
Es sollte auf keinen Fall ein Lehrerblog werden. Fachliches bespreche ich in der Schule mit meinen Kollegen und akolleginnen, welche Arbeitsblätter, welche Filme, welchen Aufbau von Unterrichtsstunden. Was ich mit Schülern im Einzelnen erlebe, wollte ich auch nicht in die Welt hinausposaunen. Es gibt Schweigepflicht,und ich weiß im Grunde genommen nicht, wer aus meinem beruflichen Umfeld hier mitliest.
Es fällt mir allerdings sehr schwer, nichts über Gesamtkonferenzen oder ähnlich skurrile Veranstaltungen zu berichten.

So schreibe ich eben aus meinem Alltag, und was mich einfach so interessiert. Die Reisen dokumentiere ich. Früher waren dies Kästen mit Diapositiven, die noch im Keller lagern.

Ich hatte nie die Absicht, so wie die Kaltmamsell das eisern durchzieht, jeden Tag zu schreiben. Die Corona Sache bin ich einfach so rein geraten, nur aus Trotz und Bockigkeit. Ich wollte der ganzen Sache einen Widerpart bieten, mich nicht unterkriegen lassen. Und später mal nachschlagen, was so im Einzelnen war.
Ich wünsche mir sehr, dass Corona bald zu Ende ist. Auch im eigenen Interesse.
Ein Krokodil habe ich übrigens im Nil nicht gesehen, obwohl ich fast die ganze Zeitvon Kairo bis Assuan an Deck verbrachte und ins Wasser starrte.