Corona 299

Morgen fängt in Rheinland Pfalz das Abitur an. 2 Meter Abstand, die Schüler müssen keine Maske tragen, die Lehrer schon. Das vestehe, war will.
Heute sind es wieder fast 1000 Tote. Kaum einen regt das noch auf. Spanien und Frankreich haben eine große Trauerfeier für ihre Coronatoten veranstaltet. Haben wir sowas auch?

Die Lehrerschaft von Baden Württemberg ist aufgebracht: die Masken, die sie bekommen haben, entsprechen nicht der Norm. Und sie riechen stark nach Mottenpulver, sagt die Verwandtschaft. Man könne sie nicht aufsetzten.

Ansonsten lese ich eintreffende Schüleremails, beantworte Nachfragen, schicke Tabellen. Und bereite alle auf die Videokonferenz vor. Diese sind sehr anstrengend, da die Truppe die Videofunktion abschalten muss, sonst verkrümelt sich das System. So spreche ich in einen schwarzen Bildschirm.
Vielleicht wird‘s ja besser im Laufe der Tage.

Soweit war der heutige Beitrag fertig, bis im TV die Erstürmung des Capitols durch Trumpanhänger gemeldet wurde. Was für ein gefährlicher Hetzer! Was für willige und hörige Anhänger!

Wo war die Polizei? Warum war das Gebäude gerade an dem Tag nicht geschützt? Und da steh einer mit einem Fell auf dem Kopf und Hörnern vorne im Saal und hält stolz die Fahne hoch!

Bidens Rede war berührend. Er hat fast geweint. Ich mag das alles nicht rekapitulieren, Sie haben es vermutlich selbst gesehen.

Eigentlich müsste jetzt Pence Herrn Trump des Amtes entheben wegen Volksverhetzung und den Übergang anständig gestalten.

Ach, erst wollte ich keine Musik heute, dann ist mir das da eingefallen. Trauer um die gute alte Zeit.

10 Gedanken zu “Corona 299

  1. Der Bundespräsident hat eine Gedenkfeier für die Corona-Toten bereits im September vorgeschlagen. Der Zeitpunkt steht noch nicht fest, was an der Entwicklung der Infektionszahlen liegen dürfte.

  2. „Spanien und Frankreich haben eine große Trauerfeier für ihre Coronatoten veranstaltet.“
    Davon ist mir nichts bekannt. Zumindest Frankreich betreffend sitze ich eigentlich an der Quelle. Es hat wohl hie und da örtliche Zeremonien gegeben, etwa in Forbach – aber keine nationale Trauerfeier.
    In Spanien war diese Zeremonie auch schon Mitte Juli – hat man damals wirklich geglaubt, es wäre vorbei?!?
    Ich meine: so eine nationale Trauerfeier brauchen auch nur die, die sich da in Szene setzen wollen. Die einen, um zu sagen, wie dumm doch die Regierung war, und die anderen, um zu sagen, wie gut sie das alles gemennetscht haben und wie traurig, es hat trotzdem zigtausend Tote gegeben. Für die Angehörigen ist das nur eine weitere Belastung, daß ihre verstorbenen Lieben einmal mehr für die Politik instrumentalisiert werden. In Frankreich wird in 14 Monaten ein neuer Präsident gewählt; der Wahlkampf hat heimlich längst begonnen.
    Und auch ohne Wahlkampf: wozu soll so eine nationale Trauerfeier gut sein? Wie soll sie orchestriert werden? Sollen die Namen aller Corona-Toten verlesen werden? Da wird aber einer heiser. Oder wird die Sache absolut unpersönlich, nur von großem Pathos durchdrungen und ohne tatsächlichen Bezug zu den zigtausend Einzelschicksalen?
    Nein, das kann nur, wie Paulus bekanntermaßen schreibt, etwas werden wie tönend Erz und klingende Schellen. Und dann sollte man auch genau das tun: einmal für ein paar Minuten den Mund halten, vulgo Schweigeminuten genannt, und die Glocken im Lande läuten. Trauern kann man nur um einen Menschen, den man geliebt hat. Die Höhle einer „nationalen Trauerfeier“ würde die echten Trauernden nur noch einmal um die Trauerfeier bringen, die ihnen schon im Frühjahr oder im Spätherbst und Winter verboten wurde.

    • Das mit Frankreich kann ich tatsächlich nicht belegen. Ich meinte, einen Tagesschaubeitrag gesehen zu haben, finde jetzt aber nichts mehr dazu. Ja, tatsächlich habe ich mir die Organisation nicht überlegt. Ich denke nur, dass sie ein Gedenken haben müssten. Eine Schweigeminute wäre viel schöner und würdevoller. Es ist aber auch ein Schuldeingeständnis: wir hätten es in der Hand gehabt, haben es aber versemmelt. Es sind nicht nur die Politiker, es sind wir alle.

      • So gesehen hat es die ganze Menschheit versemmelt. Aber konnte es wirklich anders laufen? In einer perfekten Welt vielleicht, wo niemand Fehler macht – aber die gibt es nicht. Manche Ereignisse überfordern sogar 6 Milliarden Menschen.

        Übrigens: einfach Wolfram, ohne Herr.

      • Eine perfekte Welt? Ach nein, die gibt es nicht. Perfekt müsste erst mal definiert werden. Überforderung, das trifft es. Es wird einfach langsam zuviel. Alle sind müde.

  3. Ich hätte gedacht, ich sei schon ziemlich ernüchtert, was die USA betrifft; aber die Ereignisse und Bilder gestern Abend haben mich doch sehr mitgenommen und erschüttert.
    Nach den Logo-Nachrichten heute (und wahrscheinlich entschlüpfte mir da irgendwo der Ausdruck, Trump sei ein politischer Brandstifter) haben die Kinder ganz fassungslos gefragt, ob Trump denn jetzt vor dem Auszug noch das Weiße Haus anzünden würde – und der erste Reflex wäre ja ein entschiedenes „nein, auf keinen Fall“, aber selbst da, was soll man da nun sagen? Hilflos, hoffend, dass die zwei Wochen friedlich zu Ende gehen und Trump irgendwie zur Verantwortung gezogen werden wird.

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