Corona zweiundfünfzig

Tag eins der Schuleröffnung.
Alles ist anders und doch bekannt.
Die Jugendlichen sind verwirrt und zurückhaltend.
Auf die Frage, wie denn die letzten sieben Wochen waren,sagt einer: Einsam. Ja, bei mir auch, sage ich.
Ein Freuen will nicht aufkommen. Sie sollen ja auf ihren Stühlen sitzen bleiben. Die Fenster stehen offen. Und die Tische sind weit auseinander. Ich trage Munschutz, ich möchte, dass sie es auch tun.
Überall hängen Schilder mit Hinweisen. Eingänge sind gesperrt. Die Räume sind alle gut ausgerüstet, Seife, Papiertücher, Oberflächendesinfektionsmittel (was für ein tolles Wort, es hört fast nicht mehr auf!).
Ich bin geschafft von ein paar Stunden. Obwohl nur die Hälfte der Schüler da ist. Obwohl ich sitze beim Reden, geht mir die Luft aus. Ich darf keine Blätter austeilen, ich darf keine Referate halten lassen. Es gibt keine Partnerarbeit, keine Gruppenarbeit.
Es geht zu wie in der Hasenschule. Kennen Sie die noch? Ein unglaublich entzückendes Kinderbuch.

Hasenschnitzkunst aus dem Erzgebirge.

Und das ist die andere Hasenschule. Für Kinder, die das Lesen nicht gelernt haben.

5 Gedanken zu “Corona zweiundfünfzig

      • Ich auch nicht! Anders als im Buch, das ja eine der Zeit entsprechende klassisch-autoritäre Schule zeigt, damit will ich nichts gegen diesen Klassiker sagen, mag ich ihn doch auch, wird in der Menschen-Hasenschule auf das einzelne Kind eingegangen. Diese Kinder lernen in einer Form, die sie aufbaut und nicht weiter ausgrenzt. Allerdings vermute ich, dass die Kinder auch Eltern haben, die sehr bemüht sind. Aber das ist nur eine Vermutung. Auf alle Fälle war ich wirklich beeindruckt.

      • Den Namen fand ich auch so faszinierend. Genau das Gegenteil von dem, was man erwartet. Ob sie die Ironie ihres Schulnamens bemerkt haben?
        Die Gruppe ist ja sehr klein und deshalb läuft es so gut. Eine Freundin ist Sonderschullehrerin. Und die sagt, dass die Gruppengröße entscheidend sei bei Förderkindern. Deshalb ist sie mitterweile gegen Inklusion. Sie sagt, dass ihre Förderkinder untergehen und keiner mehr Zeit hat für solche Besonderheiten dieser Kinder.

  1. Pingback: Corona Tagebuch – Tag 49 | Au fil des mots

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