Corona sechsundsiebzig

Heute gabe es Impfung gegen Pneumokokken. Lange war kein Impfstoff lieferbar, jetzt aber schon. Pneumokokken sind Bakterien, die eine Lungenentzündung erzeugen und sich bei einer Virusinfektion durch SARS-CoV2 noch oben drauf setzen.
In der Schlange vor der Praxis wartete auch ein älterer Herr, der zuerst aus seinem Leben erzählte, und wie das mit den Mädchen früher war. Und was sturmfreie Bude bedeutete, und wie das schief ging. Dann begann er über Corona zu reden, und wie ungefährlich das sei. Und niemanden kennt einen Kranken. Ich schon, sagte ich. Er kam etwas ins Schwimmen. Nun, richtig krank seien die ja nicht. Doch, sagte ich, so krank dass zwei kaum noch atmen können, obwohl sie gesund sind. Dann wechselte er zum Altenheim, wo die Leute eh sterben, nun eben halt früher. Er war mitleidsfrei, der ältere Herr. Dabei gehört er offensichtlich zur Risikogruppe. Ob er keine Angst habe, dass er die Krankheit bekomme? Aber nein, wie gesagt, er kenne keinen, der krank sei. Logisch, was sonst.

Letzte Woche habe ich einen Bekannten gefragt, ob er wüsste, wo denn plötzlich die ganzen Deppen herkämen? Er meinte, die hätte es immer gegeben. Nur würden wir ihnen einfach im Moment zuhören.

Wie es einem Wissenschaftler geht, der auch Gefühle hat, zeigen Caroline Kebekus und Mai Thi Nguyen-Kim.

Das mit dem Gitarrenstück von gestern und meine Beerdigung haben mir zu denken gegeben. Ich habe Herrn croco gebeten, mir ein Schwert mit reinzulegen. Ich denke, wenn man mich in 1000 Jahren wieder ausbuddeln sollte und meine ganzen verheilten Brüche sieht, denken sie vielleicht, ich sei ein Folteropfer. Wenn nun ein Schwert da liegt, vermuten sie, dass ich eine Kriegerin gewesen sei. Man muss sich schon rechtzeitig mit dem Nachruhm beschäftigen.

8 Gedanken zu “Corona sechsundsiebzig

  1. Woher manche Menschen diese Überzeugung nehmen, dass ihnen schon nichts passieren wird? Ich gehe immer davon aus, dass es auch mich und meine Lieben treffen kann und verhalte mich danach. Deswegen verstehe ich u.a. auch die Impfgegner nicht. Manchmal beneide ich aber für einen Moment auch die „Deppen“. Wahrscheinlich kommen sie sorgloser durchs Leben.

    • Vielleicht sorgloser aber kürzer. Ich denke, diese Ignoranz ist auch durch Angst gespeist. Sie halten solche Gedanken nicht aus: nicht sein kann was nicht sein darf.

  2. Hahaha, bitte ein Schwert mit ins Grab!
    Ein genialer Spaß, zukünftige Archäologinnen zu verwirren, die sonst hauptsächlich Müllberge abräumen dürften … mal überlegen, welche Artefakte noch reizvoll wären.

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