Wofür Geld da ist

Nicht falsch verstehen: ich bin sparsam, flicke Kleidung und bringe Schuhe zum Schuhmacher. Und Porzellan kommt nicht weg, wenn eine Macke drin ist. Das geht noch.
Aber ich habe nachweislich französische und italienische Gene in mir.
Also muss alles irgendwie schön sein, und oder gut schmecken. Die Aprikosen dürfen nicht nur irgendwelche sein, sondern so süß und so weich, wie ich sie mag.
Mein Vater war auch so. Er brachte Schinken mit aus Frankreich, und Käse und Brot. Nie wieder hat etwas so gut geschmeckt wenn er nachts vom Flughafen kam und uns Kinder weckte und wir gemeinsam aßen.
Er war sparsam, aber wenn er Geld ausgab, musste etwas schön sein oder gut schmecken.
Geld für Genuss, ich glaube, das ist es.
Das muss ich jetzt sagen, weil ich auf dem Rücken in einem französischen Hotelbett liege und gerade gut gegessen habe. Ein Hotel mit schöne Bettwäsche, großen hohen Fenstern und einem Pool im Sous sol.
Ich brauche das nicht andauernd, aber ab und an stehe ich auf Luxus und genieße ihn sehr.
Man muss es lernen, kein schlechtes Gewissen zu haben dabei. Das Leben ist so kurz.
Mein Nachbar, er ist mittlerweile 95, erzählt mir manchmal, was er alles versäumt hat im Leben. Das möchte
ich später nicht sagen müssen über mein Leben. Nicole Diekmann hat mich drauf gebracht, sie erzählt von ihren Eltern und der Tante:
Was bringt es Dir, die reichste Frau auf dem Friedhof zu sein?.

17 Gedanken zu “Wofür Geld da ist

  1. Oh ja, wir sind uns da sehr sehr ähnlich.
    Und wenn wir dem Luxus und dem Genuss fröhnen, lehnen wir uns zurück, schauen uns an, und sagen: Haben wir das nicht gut?! Wir sind uns dessen bewusst, dass es uns gut geht und dass wir uns Dinge leisten können, die uns erfreuen, es ist für uns nicht selbstverständlich.

  2. Komme nun selber aus Frankreich zurück. Ein kleines Landhaus, in aller Bescheidenheit. Der wahre Luxus war der Flug. Das richtige Lied dazu wäre „Der beherrschte Genuss ist der wahre Genuss“ von Insterburg&co. Weil‘s das aber nicht zum Teilen gibt, das nächstbeste: https://youtu.be/dBTGzjftLnA
    Komm gut wieder zu Hause an.

    • Landhaus klingt wunderbar und idyllisch und riecht ein bisschen nach Lavendel.
      Das Insterburg Lied kenne ich leider nicht. Ideal möchte den Luxus zum rumwerfen, das finde ich schon wieder anstrengend.
      Ist schon ein Kulturschock zurück. Ich finde ja immer, in Frankreich sind die Menschen freundlicher und höflicher als hier. Und meinem Gewurschtel aus Französisch und Spanisch reagieren sie entspannt mit Englisch, das hat was.

  3. Luxus, ja mag ich auch schon mal gerne. Aber nicht ständig. Auch -scheinbar- einfache Dinge können zelebriert werden. Vor Jahren sah ich eine Dokumentation aus Russland. Begleitet wurde eine alleinerziehende Frau mit 2 Kindern. Sie hatte sehr wenig Geld, aber sie hat es möglich gemacht das
    1. die Wohnung sehr gemütlich war, 2. sie selbst und die Kinder anständig aussahen 3. das Essen sehr lecker, obwohl simpel, aussah. Insofern, Geld ist nicht alles. Kreativität kann ein ganz großer Luxus sein.
    Einen schönen Urlaub und liebe Grüße

    • So eine ähnliche Sendung habe ich auch gesehen, allerdings in über Deutschland.
      Eine Alleinerziehende mit mehreren Kindern in einer winzigen Wohnung, allerdings mitten in einer Stadt. Es war nichts Überflüssiges da, sie war sehr gut durchorganisiert und berichtete, wie sie plant, einkauft und kocht.
      Eine Kassiererin im Rewe hier hat mir erzählt, wie es zugeht am 1. wenn das Geld vom Amt kommen. Fertigpizzen und Alkohol, viele teure Sachen. Ab Mitte des Monats gehen sie zum Discounter, erzählt sie.
      Seither achte ich am Monatsanfang darauf, was so in den Einkaufswägen der anderen ist. Man erkennt schon die Tendenz.

      • Ja stimmt, das gibt es auch in Deutschland und ich befürchte es werden mehr werden.
        Was ich aber meinte ist, das Luxus doch auch sehr unterschiedlich empfunden wird. Aber ich weiß auch was Sie meinten: Dieses sich was Schönes gönnen und das dann richtig genießen, nicht wahr? Da hab ich jede Menge Verständnis für !!!

      • Ja, es darf nicht selbstverständlich sein. Dann kann man es genießen.
        Wenn man aber sieht, dass 5€ pro Tag nicht für Essen reichen kann, ist das was ganz anderes. Die Grundlage für ein gutes Essen muss da sein.

      • Kann das Video leider nicht sehen, aber ja, das stimmt, eine gewisse Grundlage sollte vorhanden sein.

  4. Ich finde das sehr wichtig, Luxus als solchen erkennen und genießen zu können und gleichzeitig dankbar dafür zu sein, weil es nicht selbstverständlich ist. Das sind für mich oft scheinbare Kleinigkeiten. Einer meiner Lieblings – Luxusmomente (nicht nur aufgrund der langen Anreise): ein frisches Fischbrötchen am Ostseestrand mit den Füßen im Meer, der Sonne im Rücken und Möwengeschrei in den Ohren.

  5. Ich finde immer noch, der größte Luxus ist Zeit zu haben. Für sich, die Angehörigen, für Freunde. Ich lebe im Luxus – ich bin Rentner. 🙂

    • Ein Traum. Zeit haben und gesund sein.
      Aber Freiheit ist die Voraussetzung für alles. Und die verschafft einem auch das Geld.
      Eigenes Geld zu haben, niemanden fragen zu müssen, nicht Bitte, nicht Danke sagen müssen. Herrlich.

  6. Für meine drei Kinder den Beruf endgültig an den Nagel zu hängen, Zeit zu haben, entspannt zu sein, das war bewusst empfundener Luxus!

    • Luxus ist so individuell. Zeit zu haben für alles was einem wichtig ist, ist was ganz besonderes.
      Lieber drei Tage in einem Hotel versorgt werden als drei Wochen auf dem Campingplatz alles selbst zu machen, das ist für mich Luxus.
      Oder eben Stundenreduktion um Zeit für Garten und Menschen zu haben, das ist mein Luxus.

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