Corona einundneunzig

Zum ersten Mal seit Monaten konnte ich sie sehen, ein Häufchen Elend, voller Schmerzen. Ungefrühstückt, ohne Schmerzmittel und mit falsch angelegtem, drückendem Verband saß sie, klein und klapprig, in einem riesigen Stuhl.

Und da soll man freundlich sein zum Personal.
Als ich am Nachmittag noch mal da war, durfte ich nicht rein, nicht mal ans Fenster. Es ginge ihr gut, sagten sie mir.
Mehr ist zu diesem Tag nicht zu sagen.

Doch, Jungstörche gab es.

18 Gedanken zu “Corona einundneunzig

  1. So viele Abhängig- und Hilflosigkeiten, da wird’s einer ganz weh ums Herz.
    Wir hören zurzeit ganz viel Haindling, die Instrumentaltour durch Bayern gefällt mir von Mal zu Mal mehr und tröstet bei vielem.

  2. Das sind die Situationen, die man seinem schlimmsten Feind – wenn man einen hat – nicht wünscht. Wir wissen nicht, was hinter all den in Corona-Zeiten verschlossenen Türen – egal ob von Heimen oder in dysfunktionalen Familien – vorgeht. Es ist eine menschliche Katastrophe.

  3. Bei allem Verständnis für Nöte in der Pflege bleibt die Wut über Schlampereien wie fehlende Schmerzmittel, falsch angelegte Verbände oder fehlendes Essen und das landläufige schulterzuckende Desinteresse. Wenn schriftliche ärztliche Hinweise, das Zeigen und Anleiten nichts helfen und die gepflegte Person nicht mehr selbst eingreifen kann ist es arg. Ich möchte nicht alt und krank sein, es ist nicht schön. Ich schicke eine dicke Umarmung und drücke alle Daumen, dass ihr einen guten Weg findet.

    • Danke sehr. Ja, es ist ein Abhängigkeitsverhältnis, in das man seit der Sperre kaum Einfluss hat von außen. Ich habe mit den Einrichtungen davor ähnliche Erfahrungen gemacht. Ignoranz gepaart mit Desinteresse an den Bedürfnissen des Patienten und an denen der Angehörigen. Nicht bei allen, aber als Grundtenor ist mir das geblieben. Ich möchte auch nicht alt und krank sein, und nicht abhängig vom Wohlwollen der Pflegenden.

  4. Like kann ich hier nicht anklicken, höchstens für die mutigen Störche. Als meine Mutter vor vielen Jahren im Krankenhaus lag, bin ich ins Schwesternzimmer gegangen und hatte eine letztendlich eine freundlich endende Unterhaltung. Manchmal muss man die Menschen, die in der Pflege (und auch an anderen Stellen) daran erinnern, dass sie es mit Menschen zu tun haben, die nicht alt geboren wurden, sondern dass alle eine ureigene Biografie haben. Dass sie jung waren, verliebt, Schicksalsschläge einstecken mussten, Glück und Leid erlebt haben. In der Hektik des Arbeitsalltages und der Routine wird das sehr oft vergessen. Da werden Menschen in Schubladen gesteckt. Die Hilflosigkeit von Angehörigen in der jetzigen Zeit muss schlimm sein. Wie kann man da Mut spenden?
    Liebe Grüße schickt dir Elvira

    • Das trifft leider zu. Ich versuche es. Habe ihr ein Bild mitgegeben, auf dem man sieht, wie sie früher ausgesehen ha. Für das Nachttischen.
      Mut? Einfach weiter machen, nicht nachdenken, vernünftig bleiben.

  5. So ein Elend, das tut mir sehr leid. Ich wünsche Ihnen positive Veränderungen und dass das Gefühl der Hilflosigkeit verschwindet.
    Wenn ich versuche, mich in die Pflegekräfte hineinzuversetzen, kann ich nicht viel Positives finden. Unterbezahlung, dafür Überforderung. Überstunden, fehlende Anerkennung. Psychischer und physischer Druck. Dann noch den Menschen hinter dem alten und kranken Patienten zu sehen, das bleibt dann wohl leider oft auf der Strecke. Und da möchte ich gar nicht mal böse Absicht unterstellen. Eine traurige und in keinster Weise zufriedenstellende Situation, für niemanden.

      • Ich weiß, das ändert nichts an Ihren Sorgen und Nöten und die mangelnde Versorgung ist inakzeptabel. Keinesfalls möchte ich das kleinreden. Aber mit den Pflegekräften möchte ich auch nicht tauschen.

      • Ich finde schon, dass man seinen Beruf ordentlich machen sollte. Es ist ja keine mangelnde Versorgung, man denkt halt hier nicht an die Bedürnisse des Patienten.

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