Corona zweiundzwanzig

Das Benzin kostet jetzt 1,12 € und ein Arm voller Tulpen, fünfzig Stück, gerade mal 9 Euro.
Brot und Tulpen. Genau das braucht man  dieser Zeit. Ein wunderbarer Film ist das.

Die Zeitung wird immer dünner. Das Krankenhaus pflegt eingeflogene Italiener, weil sonst noch nichts los ist. Das Land braucht etwas länger. Es leben weniger Leute und weiter entfernt . Geburtstage sind die Großereignisse und Nachrichtenumschlageplätze. Dort im Rahmen der erweiterten Verwandtschaft erfährt man alles, was so an Geschichten und Gerüchten durch die Wälder und Felder wogt.

Auf den Straßen der Stadt ist es heute ruhig, vor dem Supermarkt steht eine Schlange aus Menschen und Einkaufswagen. Im Baumarkt gibt es Palmen, Blumenerde und tatsächlich Riesenpackungen Toilettenpapier. Die Kassiererin freut sich, als wir ihr das Kleingeld lassen. Alle haben jetzt Schüsselchen für Scheine und Münzen. Die Kartenzahlung ist gewünscht, macht aber kaum einer. Hier zählt noch Bares. Karte fühlt sich unsolide an.

Auf der Landstrasse rauschen die Motorradfahrer vorbei. Hierher kommt man aus den Ballungsräumen um Serpentinen zu fahren, und mal ein paar schrottige Strassen zu erleben. Bingo. Eine Superidee. Die Bikerkneipen  sind zu, alle Treffpunkte sind zu. Der WDR predigt den ganzen Tag: keine Ausflüge nach Holland, nicht ins bergische Land, nicht an die Ahr. Eine Bürgermeisterin sagt, dass sie Touristen liebe, aber jetzt wollen sie sie nicht hier haben auf den Wanderwegen. Zuhause heißt zuhause. Wenn das bloß nicht schief geht.

Jetzt noch ein bißchen tanzen, dann ist der Tag ein guter Tag.

 

 

 

 

 

 

15 Gedanken zu “Corona zweiundzwanzig

    • Das waren meiner ersten Blumen seit drei Wochen. Und dann am Eingang des Supermarktes, die nie Blumen haben. Es sah aus, als ob sie Holland geplündert hätten. Unmengen.

  1. Ich sah gestern in der „Tagesschau“ den Beitrag über die niederländische Blumenhändler, die nahezu verwaiste Blumenbörse und die Schleuderpreise, für die sie nun die Blumen verkaufen müssen. Mir blutete das Herz als ich sah, wie sie wunderbare Blumen vernichteten, weil die Blumen nicht in die Nachbarländer transportiert werden können.

  2. Stell dir vor, Benzin ist billig wie nie, aber du kannst nirgendwo hin fahren. Welch eine Ironie.
    Oh ja, das Meer fehlt mir auch, normalerweise wären wir Ostern an der Ostsee. Irgendwie ist das gerade sehr surreal; herrliches Wetter, die Natur explodiert, aber irgendwie traut man sich gar nicht so richtig, sich zu freuen. Wie in einem schlechten Film: gerade ist noch alles perfekt, doch das unsichtbare Böse lauert schon. Merkwürdige Stimmung.

    • Das trifft es genau. Man sieht das Monster nicht, weiß aber, dass es da ist. Nur gut, dass wir durch Filme und Bücher geschult wurden. Zum Schluss gibt es nämlich trotz allem Furchtbaren ein happy end. Wir werden wieder das Meer sehen.

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