Corona zweiunddreißig

Was mich heute so sehr gerührt hat, war ein Lied.
Ein Lied über eine Stadt, in der Menschen sterben, wie kaum in einer anderen. Madrid. Es ist ein Lied aus den 80igern, ich kenne es von langen Autofahrten im spanischen Hinterland: Landschaft, Landschaft und Joaquin Sabina.
Viele spanische Sänger haben es jetzt nachgesungen

Das ist das Original

Und das der Text

Wo immer sich die Straßen kreuzen
Allá donde se cruzan los caminos

Wo das Meer nicht gedacht werden kann
Donde el mar no se puede concebir

Wo der Flüchtling immer zurückkehrt
Donde regresa siempre el fugitivo

Nehmen wir an, ich spreche über Madrid
Pongamos que hablo de Madrid
Wo das Verlangen in Aufzügen unterwegs ist
Donde el deseo viaja en ascensores

Ein Loch bleibt für mich
Un agujero queda para mí­

Dieses Leben hat mich in seinen Ecken gelassen
Que me dejo la vida en sus rincones

Nehmen wir an, ich spreche über Madrid
Pongamos que hablo de Madrid

Mädchen wollen keine Prinzessinnen mehr sein
Las niñas ya no quieren ser princesas

Und die Kinder geben die Jagd auf
Y a los niños les da por perseguir

Das Meer in einem Glas Gin
El mar dentro de un vaso de ginebra

Nehmen wir an, ich spreche über Madrid
Pongamos que hablo de Madrid
Vögel besuchen den Psychiater
Los pájaros visitan al psiquiatra

Die Sterne vergessen zu gehen
Las estrellas se olvidan de salir

Der Tod geschieht in weißen Krankenwagen
La muerte pasa en ambulancias blancas

Nehmen wir an, ich spreche über Madrid
Pongamos que hablo de Madrid
Die Sonne ist ein Butanofen
El sol es una estufa de butano

Leben einen Meter vor dem Verlassen
La vida un metro a punto de partir

In der Spüle befindet sich eine Spritze
Hay una jeringuilla en el lavabo

Nehmen wir an, ich spreche über Madrid
Pongamos que hablo de Madrid
Wenn der Tod mich besucht
Cuando la muerte venga a visitarme

Weck mich nicht auf, lass mich schlafen
No me despiertes, déjame dormir

Hier habe ich gelebt, hier möchte ich bleiben
Aquí­ he vivido, aquí­ quiero quedarme

Nehmen wir an, ich spreche über Madrid
Pongamos que hablo de Madrid
Quelle: LyricFind

Ich habe beschlossen, mich nicht mehr über die Schulöffnung aufzuregen. Es kommt, wie es kommt.
Man gewöhnt sich an Facetime und an Telefonate. Und doch ist die menschliche Nähe etwas essentielles.

Der laden des Syrers und des Italieners haben geöffnet. Sie freuen sich sehr über Kunden. Und doch ist nichts los. Die Leute kommen wohl rein, erzählt er mir, schauen sich um und beschweren sich, dass alles viel zu teuer ist. Dann gehen sie wieder. Was sind wir nur für ein Volk der Alditanten und Lidlonkels. Besonderes zählt nicht, nur der Preis.

8 Gedanken zu “Corona zweiunddreißig

  1. Ich hatte über zehn Jahre einen Blumenladen. Da kamen Menschen und wollten meine Preise runterhandeln, weil es bei Hornbach etc. billiger sei. Tatsache war, die Märkte verkauften die Pflanzen billiger, als ich sie bei meinem Lieferanten einkaufen konnte. So geht es allen kleinen Händlern, und diese Kunden/-innen unterstellen, man verdient besonders viel. Mir ist aufgefallen, dass gerade in Akademikerkreisen viele Menschen sind, die sich reingelegt fühlen, zahlen sie für eine Ware mehr, als sie irgendwo gelesen haben. Sie werden nie verstehen wie die Situation dieses Kleingewerbetreibenden ist!

    • Bei uns ist der Preis die heilige Kuh. Dass die Großmärkte verbotenerweise die Lockwaren unter dem Einkaufspreis verkaufen, interessiert keinen. Sie können Mischkalkulation machen, ein Einzelhändler nicht. So ähnlich ist es mit dem Medikamenten und anderen Dingen im Internet. Der Handel im Netz bietet keine Arbeitsplätze vor Ort, zahlt keine Mieten, hat keine weiteren Kosten und zahlt nicht mal Steuern. Und dann wundern sich alle, dass die Fußgängerzonen aussterben.

  2. Anja Karliczek hat gestern gesagt, dass Lehrer, die über FaceTime oder ähnliche Medien weiter unterrichten müssen, von 08:00-16:00 erreichbar sein müssen. Das wären ja auch ihre normalen Arbeitszeiten. Für alleinstehende Lehrer sicher kein großes Problem. Ich kenne allerdings einige Lehrerinnen, deren Kinder nicht in die Kitas gehen dürfen und glaube kaum, dass so viele Notbetreuungsplätze eingerichtet werden können.
    Ich frage mich auch, was die Leopoldina befähigt, diese Beratungsfunktion einzunehmen. Hatten sie doch noch vor vier Jahren die Schließung von 1300 Krankenhäuser empfohlen: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/leopoldina-113.html
    Das Lied ist sehr bewegend!

    • Ach, Frau Karliczek. Wir können und dürfen nicht über facetime unterrichten, weil viele Schüler keinen Zugang dazu haben. Dann müsste man den Schülern ja Endgeräte zu Verfügung stellen. Dass diese Frau Ministerin für Forschung und Bildung ist, die keine Universität von innen gesehen hat, ist eh der Klopper.
      Bei der Leopoldina kann es natürlich sein, dass man da jemanden gefragt hat, von dem man vorher wusste, was er sagt.
      Freut mich, dass das Lied nicht nur mich berührt.

      • Ich finde solche Forderungen wie Unterricht per Videokonferenz (ein Vater aus der Eltern-WhatsApp-Gruppe hatte neulich auch diese Idee) nicht umsetzbar. Wir wohnen hier ländlich, da ist schnelles und stabiles Internet nicht der Normalfall. Außerdem stößt man an die technischen Grenzen, wenn mehrere Kinder gleichzeitig in einem Haushalt auf diese Weise unterrichtet werden sollen. Dazu kommt noch, dass am Gymnasium meiner Kinder viele „ältere“ Lehrer unterrichten, die mit der Technik nicht so gut klarkommen und das z.T. auch nicht wollen. Möglicherweise hat sich das die Frau Ministerin zu einfach vorgestellt.

      • Ja, das Ländliche ist hier auch ein Problem. Und schnelles Internet mancherorts ein Traum. Bei uns sind es eher nicht die älteren Lehrer, sondern die technisch unbegabten, die Videokonferenzen nicht hinbekommen. Und wir haben Schüler, die zuhause keinen Computer und auch keinen Drucker haben, sei es aus Armut oder aus religiösen Gründen. Wir sind angehalten, Aufgaben zu stellen, die man mit dem Handy bewältigen kann.

      • Mal abgesehen davon, ist facetime ja eine App eines us-amerikanischen Anbieters, mithin stellt sich die Frage, ob die überhaupt DSGVO-konform ist, WhatsApp ist es definitiv nicht.

      • Eben. Wir dürfen nur über Email kontaktieren, eventuell ginge Threema. Alle anderen Anbieter widersprechen bei uns den Vorgaben beim Datenschutz. Und eigene Programme usw. wie andere Bundesländer haben wir nicht.

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