Corona sechsunddreißig

Dieses ewige „Abschlussklassen müssen Unterricht haben“ nervt mich. Warum? Was haben wir davon, wenn halbe Klasse dasitzen mit Riesenabstand, mit Mundschutz und bei offenem Fenster. Wenn alle Abschlussjahrgänge 2020 die selben Bedingungen haben, wieso soll da ein Abschlusszeugnis ungültig sein, nur weil die Abschlussprüfung fehlt?
Und zur Not kann man sich ja eines drucken.

Die NRW-Landesregierung ist in die Knie gegangen. Die Agentur, die die Heinsbergstudie in den Medien gehypt hat, wurde zwar nicht von der Landesregierung oder dem Virologen bezahlt, aber von Sponsoren, die zufällig auch Möbel verkaufen.

„….Partner bei dem Projekt sind: der Intenetprovider Deutsche Glasfaser und die Gries Deco Company, Muttergesellschaft der Deko-Handelskette Depot, unterstützten das Heinsberg-Projekt mit insgesamt 30.000 Euro.“ Nur dass das Land NRW davon nichts wusste.
Ja, haben wir jetzt eine Bananenrepublik?
Quelle 1
Quelle 2

Jetzt wird alles gelockert, das haben die Leute verstanden. Plötzlich kommen im Radio wieder Staus. Ich denke, dass die Infektionen dieses Wochenendes sich beim nächsten Coronagipfel gut eignen als Argument, die Öffnungen wieder zurück zu fahren.
Diese On-Off-Methode ist aus der Kindererziehung wohl bekannt.
Wir probieren das jetzt mal aus, dass Ihr beide nebeneinander sitzt. Wenn es nicht klappt, kommt ihr wieder auf die alten Plätze.
Gestern Abend waren wir einkaufen mit Maske. Es waren nicht viel Leute unterwegs, die uns aber merkwürdig angeschaut haben. Wir waren die einzigen mit Maske. Und ich hatte den Eindruck, der Abstand ist wieder geringer geworden. Ich habe Herrn croco gefragt, wo denn die anderen Maskenleute wären. Er meinte, die echten kämen noch später als wir.

Gestern Abend haben wir dann noch den Isabelle-Huppert-Film angeschaut. Ich mag sie so gerne sehen, sie ist eine großartige Schauspielerin. Sie spielt in „Alles was kommt“ eine Philosophlehrerin, die in kurzer Zeit den Mann verliert an eine Jüngere und ihr Schulbuch wird auch eingestellt. Sie hüpfte durch den Film, war gestresst und zeigte bei Tag wenig Gefühle. Die Tränen kamen später. Dass es ihr mehr um die philosophischen Werke ging, die der Mann mitnahm, als um ihn, war ein bißchen erstaunlich. Und ich hatte wieder einen Einblick in das französische Schulsystem, das aus Dozieren und Mitschreiben besteht. Und ich dachte, das sei mittlerweile vorbei. Ich dachte auch, sie bekommt noch den sehr attraktiven Philosophiestudenten ab, der in einer Landkommune lebte. War aber nicht so. Die Schlussszene zeigte sie mit ihrem Enkel, den sie beruhigte.
So als ältere Lehrerin hat man eben keine Anspüche zu stellen.
Übrigens gab es eine Drehbuchschreiberin und Regisseurin
Mediathek WDR.
Ohne ARTE, WDR, ZDFNeo und 3sat wären es sehr langweilige Abende zur Zeit.

Das Lied geht mir zur Zeit andauernd durch den Kopf. Freddie Mercury hat so eine unglaubliche Stimme.

Und das da auch.

16 Gedanken zu “Corona sechsunddreißig

    • Oh, der Kommentar war im Spamfilter hängen geblieben.
      Queen sind eben vier eigenständige hochbegabte Künstler. Ich fand sie früher schon toll. Ich mag das Orchestrale an ihnen.

  1. Habe ich gestern doch die Doku verpasst. Es hätte mich sehr interessiert, wie Adam Lambert seine Rolle bei Queen ausfüllt. Soll ja sehr gut sein. Nur darf niemand erwarten, dass er einen Freddy Mercury ersetzen kann, was er hoffentlich auch nicht versucht.
    Die Masken werden weniger, das ist auch meine Beobachtung. Und es wird wie wild verabredet, mitzuhören waren etliche Telefonate, lauthals im Garten unter unserem Balkon geführt. Nebenan großes Hallo mit Freunden und Familie (Risikopatienten inbegriffen). Ich bin als sehr rücksichtsvolle Frau bekannt, aber gestern war es mir zu viel. Da habe ich mein Tablet mit auf den Balkon genommen und recht laut erst Klassik, dann Depeche Mode aus meiner Playlist gespielt. Gut, ich konnte mich dabei nicht so richtig auf mein Buch konzentrieren, aber das wäre bei den lauten Unterhaltungen auch kaum möglich gewesen. Meine Schwiegertochter ist auch schon sehr gespannt, was sie morgen in der Schule erwartet. So, wie sie es berichtet, ähnelt die Schule eher einem Hühnerstall, in den ein Fuchs eingebrochen ist, und alle mehr oder weniger kopflos um ihr Leben rennen. In den Grundschulen scheint es besser zu laufen.
    Hab einen schönen Sonntag!

    • Danke sehr. Ich sitzte wieder am Schreibtisch und bereite Aufgaben für Klassen und Kurse vor. Das mit dem Fuchs und dem Hühnerstall kann ich mir nur zu gut vorstellen. Was sollen alle Lehrer in der Schule, außer sich mit ihrer Individualpanik gegenseitig anstecken? Besser wäre gewesen, die Schulleitungen planen zu lassen und ihnen Materialien wie Masken und Desinfektionsmittel zu Verfügung zu stellen. Wenn der Plan steht bezüglich der Räume und der Zeiten, dann kann man informieren und öffnen. Lehrer und Lehrerinnen sollen Ruhe und Verlässlichkeit vermitteln und erleben es selbst nicht?
      Die Nachbarn dürfen das noch nicht, diese Abstandsregelungen gelten immer noch. Eigentlich sollte man die Polizei holen, auch wegen des Lärms.
      Dir wünsche ich auch einen schönen Sonntag.

      • Ach weißt du, die Nachbarn sind normalerweise nette Leute. Die Frau unter mir ist schwerbehindert, sie ist auf die Hilfe ihrer erwachsenen Kinder angewiesen. Einkaufen, Garten, Haushalt schafft sie mit Hilfe noch ganz gut, alleine allerdings nicht mehr. Sie nimmt eine Ansteckung daher in Kauf. Die Nachbarn im Nebengarten sind so langsam gestresst durch HomeOffice, einem dreijährigen Mädchen, das natürlich beschäftigt werden muss (was die gebildeten Eltern auch gut machen) und einem Mädchen, das so bilderbuchhaft pubertiert, was durch die Isolation auch verstärkt wird. Und nein, die Polizei würde ich bei ihnen nicht rufen. Die haben schon genug mit den Demos hier in Berlin zu tun. Vermutlich liegen bei vielen die Nerven blank, bei mir gestern offensichtlich auch.

      • Ach so. Wenn die sonst nett sind, dann kann man das aml aushalten. Und verstehen sowieso. Aber Treffen gößerer Gruppen erhöhen einfach das Risiko für alle. Du lebst in Berlin?

  2. Das französische Schulsystem ist ein System, das sich gegen jede Reform erbittert zur Wehr setzt. Vom Papstamt abgesehen erinnert es mich sehr an die mittelalterliche Kurie…

    • So erzieht man Untertanen. Kein Wunder, wenn sie aufmucken und den Staat ignorieren. Wer keine Möglichkeit zur Teilhabe gelernt und erlebt hat, ist nicht einsichtig und wird misstrauisch. Sehr schade ist das.

  3. Pingback: Corona Tagebuch – Tag 35 | Au fil des mots

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